• Start
  • Aktiv werden
    • Protestaktionen
    • Spenden
    • E-Card senden
    • Banner schalten
  • Informationen
    • Kampagnen
    • Projekte
    • 12 Fragen und Antworten
    • Presseberichte
    • Pressemitteilungen
    • News
    • Links
    • Über uns
    • FAQ
  • Regenwald Report
  • Termine
  • Shop
  • Suche
  • Kontakt
  • Impressum

12 Fragen und Antworten:

  • zum Thema Tropenholz 2009
  • zum Thema Gold
  • zum Thema Agrarenergie

12 Fragen und Antworten zum Thema Tropenholz 2009

Reinhard Behrend, Vorsitzender von Rettet den Regenwald e. V., begutachtet gefällte Regenwald-Baumstämme in Afrika. Foto: Karl AmmannReinhard Behrend, Vorsitzender von Rettet den Regenwald e. V., begut- achtet gefällte Regenwald-Baum- stämme in Afrika. Foto: Karl Ammann

Diesen Artikel als PDF (530 KB) laden

Holz aus heimischen Wäldern ist als natürlicher und nachwachsender Rohstoff umweltfreundlich und zeitgemäß. Doch gilt das auch für Tropenholz?

Nach Jahren des Boykotts und der Aufklärungsarbeit durch Umweltschützer waren Produkte aus Tropenholz lange Zeit Synonym für Raubbau und Plünderung. Als Folge gingen deren Verkaufszahlen drastisch zurück. Inzwischen hat die Branche ihr Image aufpoliert. Geworben wird mit Tropenholz aus Plantagen und „nachhaltiger Waldwirtschaft“. Auf Gartenmöbeln, Frühstückbrettern und Besenstielen kleben angebliche „Ökosiegel“ und „Zertifikate“.
Die KonsumentInnen sind verunsichert, viele Firmen und Kommunen ratlos. Darf Tropenholz inzwischen wieder guten Gewissens gekauft werden? Rettet den Regenwald sagt ganz klar: Nein! Nachfolgend zwölf Antworten auf wichtige Fragen zum Thema Tropenholz.

1. Was versteht man unter Tropenholz?

Hölzer, die aus den tropischen und subtropischen Regenwaldgebieten in Asien, Afrika und Lateinamerika stammen. Hinter Bezeichnungen wie „Edelholz“, „Hartholz“, „Echtholz“ und „Massivholz“ verstecken sich meist tropische Hölzer. Edles Mahagoni, Teak und Palisander, oder billiger Meranti, Ramin und Gabun, alle stammen sie aus dem Regenwald. In der Regel werden sie im Alltag verwendet: als Sperrholz, Besenstiel, Fensterrahmen, Klodeckel oder Lärmschutzwand. All das lässt sich auch aus heimischen Hölzern herstellen.

2. Ist die Vernichtung der Tropenwälder wirklich Folge des Holzeinschlags?

„Nachhaltigen“ und „selektiven“ Holzeinschlag im Regenwald gibt es leider nicht. Mit solchen Schlagwörtern versucht die Holzindustrie, die Öffentlichkeit zu täuschen. Im Regenwald regieren Bulldozer und Kettensäge ohne Rücksicht auf die Folgen. Um schnellen Profit zu machen, wird alles vermarktbare Holz rausgeholt und die Vegetation plattgewalzt. Gravierende ökologische Veränderungen und Biodiversitätsverlust sind in den hochkomplexen, sensiblen Lebensräumen die Folge.

3. Was geht mich die Zerstörung der Regenwälder an?

Die Vernichtung der tropischen Wälder bedroht uns alle, denn sie sind unersetzlich für ein stabiles Weltklima. 20 % der weltweiten klimaschädlichen Emissionen gehen auf das Konto der Waldrodung. Allein der Wald am Amazonas speichert 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Viele Tropenländer sind aufgrund der Regenwaldrodung zu den weltweit größten Klimaanheizern aufgestiegen – Indonesien liegt an dritter, Brasilien an vierter Stelle. Die Regenwälder speichern auch gewaltige Wassermengen. In der „grünen Lunge der Erde“ leben schätzungsweise 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten, ein riesiges genetisches Reservoir.

Afrika: Nach und nach wird die Vielfalt zerstört. Was zurück bleibt, ist eine kahle Wüste. / Foto: Karl AmmannAfrika: Nach und nach wird die Vielfalt zerstört. Was zurück bleibt, ist eine kahle Wüste. / Foto: Karl Ammann

4. Warum Tropenholz, wenn es doch genügend heimisches Holz gibt?

Tropenholz ist zumeist preiswerter als qualitativ vergleichbare heimische Arten, weil die Bäume im Regenwald nicht erst angepflanzt wurden, sondern die Natur quasi „kostenlos“ geplündert wird. Zudem werden immer mehr Holzprodukte aus den Tropenländern importiert. Dort sind die Löhne niedrig, und die Menschen haben nicht die gleichen Rechte wie bei uns. Das drückt die Preise, geht aber auf Kosten von Mensch und Natur. Deshalb heimische Hölzer verwenden anstatt Tropenholz aus Raubbau und dubioser Herkunft.

5. Stimmt es, dass die Holzindustrie der Wegbereiter für Brandrodung und Besiedlung ist ?

Die von der Holzindustrie begehrten Baumriesen wachsen nur noch in unzugänglichen Gebieten. Um an das Holz heranzukommen, dringen die Konzerne in die letzten unberührten Primärwälder ein. Bulldozer schieben breite Schneisen für den Bau von Strassen, Brücken und Holzsammelplätzen im Wald frei. Riesige Forstschlepper fahren kreuz und quer durch den Regenwald und ziehen die schweren Stämme heraus. So wird der empfindliche Urwaldboden zerstört und Wurzeln und Rinde der stehengebliebenen Bäume beschädigt. Auf den Holzfällerstraßen dringen Wilderer und Siedler in den Wald ein und zerstören ihn.

6 Schafft die Holzindustrie in den Tropenländern dringend benötigte Arbeitsplätze?

Das Gegenteil ist der Fall, denn der Holzhandel vernichtet die Lebensgrundlage der Menschen in den Tropen. Kurzfristig schafft die Branche Arbeitsplätze für einige wenige Arbeiter, zerstört aber langfristig die Lebensgrundlage der Mehrheit der Menschen. Holz macht nur einen kleinen Teil des „Wertes“ der Regenwälder aus. Der Wald liefert seinen Bewohnern Nahrung, Medizin, Bau- und Handwerksmaterialien. In vielen Ländern, die früher wichtige Tropenholzexporteure waren, liegt die Holzindustrie heute am Boden, und sie müssen Holz einführen. Nach Jahren des Raubbaus sind die Wälder leergeräumt oder verschwunden. Die Elfenbeinküste, Ghana und Kamerun sind solch warnende Beispiele.

7. Sind die Urwälder überaltert und brauchen den Eingriff des Menschen?

Die Regenwälder haben sich über Jahrmillionen ohne das Zutun des Menschen entwickelt. Den Menschen brauchen sie nicht, aber wir Menschen brauchen den Wald. Gerade die genutzten Holzarten und Urwaldriesen sind wichtige Futter- und Brutbäume für die Tierwelt. Werden die Bäume gerodet, verlieren die Tiere ihre Lebensgrundlagen. Von den Tieren hängen wiederum viele Bäume ab. Sie verbreiten die Samen im Regenwald. Verschwinden die Tiere, dann kann sich der Wald nicht mehr ausreichend regenerieren und verarmt weiter. Durch die vielen Lücken im Kronendach trocknet der Regenwald unter der brennenden Tropensonne aus und ist anfällig für riesige Brände, wie sie alljährlich auf Borneo oder am Amazonas wüten.

8. Können die Regenwälder überhaupt naturverträglich bewirtschaftet werden?

Auf jeden Fall nicht mit Bulldozern und Kettensägen von Holzindustrie und -handel. In den Waldgebieten der Erde leben 1,5 Milliarden Menschen. Die traditionellen Waldvölker haben bewiesen, dass Regenwald naturverträglich genutzt werden kann. Dabei spielt die Holzernte nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sind traditionelle Nutzungen für den lokalen Bedarf wie die Jagd und der Fischfang, das Sammeln von Honig, Nüssen, Früchten, Ölen und Latex. Die Holzindustrie ist nur am billigen Rohstoff und schnellen Profiten interessiert, immer neue Primärwälder zu plündern, verspricht höhere Gewinne.

9. Hauptsache Tropenholz aus legaler Herkunft?

In den Tropenländern ist illegaler Holzeinschlag Alltag und ein großes Problem. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden, die ökologischen und sozialen Schäden sind wesentlich höher. Nach Angaben der EU-Kommission stammt rund ein Fünftel der EU-Holzimporte aus gesetzwidrigen Quellen. In wichtigen Exportländern ist der Anteil des ohne Genehmigung geschlagenen Holzes besonders hoch, so in Kamerun 50%, Brasilien und Indonesien 70 % und Kambodscha über 90 %. In Deutschland und EU sind Handel und Verkauf von illegal eingeschlagenem Holz und daraus hergestellten Produkten nicht verboten. Tagtäglich geht tausenfach die Hehlerware der internationalen Holzmafia über die Ladentische deutscher Baumärkte und Möbelhäuser, kommen ganze Schiffs- und Containerladungen mit Diebesgut in den Häfen an. Als Konsument hat man keine Möglichkeit, das zu überprüfen.

10. Ist Plantagenholz empfehlenswert?

Holzplantagen sind keine Wälder. Es handelt sich meist um riesige industrielle Monokulturen mit exotischen Hölzern wie Eukalyptus, Kiefer und Teak. Die Plantagen belegen enorme Landflächen, auf denen vorher zumeist Wald und andere natürliche Ökosysteme wuchsen sowie die lokale Bevölkerung lebte. Die Plantagen liefern zwar große Mengen billigen gleichförmigen Holzes für die Industrie, erfüllen aber keinerlei ökologische und soziale Funktionen. Die Holzqualität ist nicht mit der aus natürlichen Herkünften vergleichbar. Die gleichaltrigen und oftmals genetisch identischen (geklonten) Bäume stehen dort in endlosen Reihen, werden gedüngt und mit Pestiziden behandelt. Tieren und Pflanzen bieten sie praktisch keinen Lebensraum. Sie sind biologisch tot und werden deshalb auch als „grüne Wüsten“ bezeichnet. Mit großen Erntemaschinen werden sie mechanisch gefällt, von Ästen befreit und für den Abtransport gestapelt. Arbeitsplätze entstehen dadurch nur wenige.

11 Sind „Holz- und Waldsiegel“ empfehlenswert?

Es gibt mehr als 100 verschiedene „Holz- und Waldsiegel“. Selbst Fachleute können kaum den Überblick behalten, geschweige denn diese überprüfen. Die meisten „Siegel“ sind von der Industrie frei erfunden und reiner Etikettenschwindel. Aber auch die wenigen international gültigen Zertifikate wie FSC und PEFC können keine ökologisch verantwortliche und sozial verträgliche Waldbewirtschaftung gewährleisten. Die Standards wurden zu sehr den Interessen der Industrie angepasst. In der Praxis ist zudem deren Einhaltung und Überprüfung durch die von den Firmen beauftragten und bezahlten Zertifizierer unzureichend. Eine wirklich unabhängige Überprüfung ist so nicht möglich, und Betrugsfälle sind an der Tagesordnung (siehe http://www.fsc-watch.org). Natürliche Tropenwälder sind kaum zertifiziert, ebenso wenig die kommunalen Wälder der Ureinwohner. Die komplizierten technischen Regelwerke haben mit der Lebensrealität der Menschen wenig gemeinsam, und Zertifizierung ist ein langwieriger und kostspieliger Vorgang..

12 Was kann ich tun?

Wer Tropenholz kauft, sollte sich über die Folgen im Klaren sein. Die Regenwälder enthalten den größten Schatz der Menschheit. Nur die Waldvölker kennen bisher die Gesetze dieser Vielfalt, während die Wissenschaft bei der Erforschung der Regenwälder noch am Anfang steht. Jetzt ist die Menschheit dabei, eine Bibliothek abzubrennen, deren Regale voll sind mit geheimnisvollen Büchern, von denen wir fast noch keines gelesen haben. Über die Hälfte der Tropenwälder ist bereits vernichtet worden. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es sie in einer Generation nicht mehr geben.
Kaufen Sie deshalb Möbel und Holzprodukte aus heimischen Arten und Herstellung. Achten Sie auf haltbare Produkte, die nach Jahren des Gebrauchs abgeschliffen, verleimt und neu lackiert oder geölt werden können. Lassen Sie Gartenmöbel und ähnliches nicht tagelang im Regen stehen. Im Bau und Aussenbereich: Achten Sie auf konstruktiven Holzschutz.

Rettet den Regenwald e.V. / Klaus Schenck, Diplom-Holzwirt