Erfolg in Bolivien: Präsident will Indianer empfangen

01.09.2011

Indianer in Bolivien auf dem Marsch nach la Paz  
Indianer in Bolivien auf dem Marsch nach la Paz

Etwa 1.000 Indianer – Frauen, Männer, Kinder und alte Menschen – marschieren seit dem 15 August nach La Paz. In etwa einem Monat wollen sie die 600 Kilometer lange Strecke aus dem Regenwald bis zum Präsidentenpalast zurückgelegt haben. Nun können sie offenbar einen ersten Etappensieg verbuchen: Am vergangenen Sonntag hat der bolivianische Präsident Evo Morales erstmals Einsicht gezeigt und seine scharfen Worte gemildert. Er will die Indianer nun wie von diesen gefordert persönlich empfangen. Auch soll die Regierung jetzt bereit sein, mit den Indigenen eine Alternativroute zu finden.


Die 306 Kilometer lange Fernstraße soll mitten durch das Indianerterritorium und den Nationalpark Isiboro Secure (TIPNIS) gebaut werden. Mit 10.000 Quadratkilometern ist TIPNIS das größte Schutzgebiet in Bolivien. Die Regenwälder in dem kombinierten Indianer- und Naturschutzgebiet beherbergen eine enorme Artenvielfalt und ermöglichen es den Einwohnern, traditionell im Einklang mit der Natur zu leben. Landstraßen in Regenwaldgebieten sind die Einfallstore für Holzfäller, Goldsucher, Landspekulanten und Plantagenfirmen. Die Ureinwohner und Umweltschützer sind deshalb gegen das Infrastrukturprojekt.


Rettet den Regenwald unterstützt die Forderungen und den Marsch der Indianer. An unserer Protestaktion im Internet in mehreren Sprachen haben schon über 20.000 Menschen teilgenommen. Am 19. August hat der Verein die Unterschriften dem bolivianischen Botschafter in Berlin übergeben. In dem persönlichen Gespräch haben wir noch einmal unsere Ablehnung gegen den Straßenbau im Regenwald erklärt. Eine Lösung des Konflikts ist dringend notwendig. Die Projektverträge sind unterschrieben und das Nachbarland Brasilien finanziert den Bau mit einem 332 Millionen Dollar-Kredit. Die Verkehrsader würde den Export brasilianischer Produkte über Häfen in Chile und Peru erleichtern.


update: Die Nachricht der Übergabe von 20.000 Unterschriften durch „Rettet den Regenwald“ an den bolivianischen Botschafter in Berlin löste bei den Protestierenden in Bolivien großen Beifall aus. Nachdem die Indigenen nun mehr als 20 Tage unterwegs sind, gibt es einen weiteren Erfolg: Die ersten versprochenen Verhandlungen zwischen der Regierung und den Aktivisten fanden statt. 10 Minister und der Präsident persönlich waren „mit Optimismus und Hoffnung“, „Willen zum brüderlichen und ehrlichen Dialog mit absoluter Transparenz“ gekommen.