Solche einmaligen Naturlandschaften stehen auf dem Spiel 26.04.2012
Nachdem das brasilianische Parlament die Entscheidung dreimal verschoben hatte, verabschiedete es am 25.4.2012 die umstrittene Novellierung des Waldgesetzes. Nach einer achstündigen Sitzung stimmten 274 Angeordnete für und 184 gegen die Gesetzesänderung. Zwei Monate vor Beginn der UN Umweltkonfernz Rio+20 in Brasilien ist die Abstimmung ein verheerendes Signal für den weltweiten Umweltschutz. Nun kann nur noch Präsidentin Dilma Rousseff das "Abholzergesetz" mit ihrem Veto verhindern.
"Auf dem Spiel stehen bis zu 76,5 Millionen Hektar Wald in Brasilien - eine Fläche so groß wie Deutschland, Italien und Österreich zusammen. Für die Artenvielfalt, die indigenen Bewohner des Waldes und das globale Klima wäre es eine Katastrophe, wenn das Gesetz wirklich in Kraft tritt", erklärt Klaus Schenk, Waldreferent von Rettet den Regenwald.
Die Gesetzesnovelle wurde von der Agrarindustrie diktiert, die im Amazonasregenwald neue Landflächen für noch mehr Soja, Zuckerrohr und Rinder zur Fleischproduktion erschließen will. Eigentlich ist das Waldgesetz seit 1965 ein Kernelement des Naturschutzes in Brasilien. Die Änderungen sollen nun vor allem illegale Rodungen bis 2008 nachträglich für straffrei erklären und Schutzklauseln für besondere Waldgebiete aufweichen.
Bereits die Debatte um die Gesetzänderung ließ die Abholzungsquoten in bestimmten Gebieten Brasilien ansteigen. Im Bundesstaat Mato Grosso wurden im Jahr 2011 schon 70 Prozent mehr abgeholzt als im Vorjahr. Das verstößt gegen ein zentrales Wahlversprechen von Präsidentin Rousseff, die garantierte den brasilianischen Regenwald vor weiterer Zerstörung zu bewahren.
Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ist gegen die Gesetzesänderung. Seit dem 16. März hängen in über zehn Städten 150.000 Protestplakate. Sie sollen den Druck auf die Politiker und Präsidentin Rousseff erhöhen, damit sie sich doch noch gegen das Abholzergesetz aussprechen. Der Grünen-Abgeordnete Sarney Filho brachte die Gemütslage der Gegner auf den Punkt: "Dilma, leg dein Veto ein!"
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