Vor einer geplanten "Bio-Produktlinie" des Kerzenherstellers Eika warnt der Hamburger Verein "Rettet den Regenwald": Aufgrund der gestiegenen Rohölpreise wolle das Fuldaer Unternehmen den Grundstoff Paraffin aus Mineralöl verstärkt durch pflanzliche Rohstoffe, etwa Palmöl, ersetzen. "Tatsächlich hat Palmöl für industrielle Zwecke nichts mit ,bio' zu tun, sondern ist verantwortlich für Regenwaldvernichtung, Vertreibung von Kleinbauern und Einsatz von Agrargiften", betont der Vereinsvorsitzende Reinhard Behrend.
hi
erschienen am 19. Dezember 2007
Agrarenergie
Palmöl-Plantage in Indonesien lädt Umweltausschuss-Delegation aus
Palmöl-Plantage in Indonesien lädt Umweltausschuss-Delegation aus
Eine Delegation des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages hält sich derzeit auf der indonesischen Insel Borneo auf. Parallel zur UN-Klimakonferenz auf Bali wollen die Abgeordneten sich über die Gefährdung des Regenwaldes und die sich daraus ergebenden Gefahren für den Klimaschutz informieren. Wie die Delegationsleiterin und Ausschussvorsitzende Petra Bierwirth mitteilte, sei dabei ein wichtiger Punkt der in Europa geforderte nachhaltige Anbau von Bioenergie.
Geplant sei nach ihren Angaben auf Borneo unter anderem der Besuch einer Palmöl-Plantage eines britischen Unternehmens gewesen, an dem auch Pressevertreter teilnehmen sollten. Dieser Besuch sei dann kurzfristig wegen der Pressebegleitung der Abgeordneten vom Unternehmen abgesagt worden.
Die Delegation des Deutschen Bundestages zeigte sich parteiübergreifend enttäuscht, dass sich die Palmöl-Produzenten offenbar eventuellen kritischen Nachfragen nicht stellen wollten. Gerade während der UN-Klimakonferenz sei dies ein bemerkenswertes Signal, gerade von einem Unternehmen aus der EU.
Der Umweltausschuss wird gemeinsam mit zwei weiteren Ausschüssen die offenen Fragen zu Biomasse in einer Anhörung am 23. Januar 2008 weiter beraten.
spektrum: Hunger und Unrecht durch Benzin vom Acker
08.12.2007
Agrarkraftstoffe
Blut für Öl
Hunger und Unrecht durch Benzin vom Acker
Landvertreibungen, Mord und Totschlag in Paraguay, steigende Maispreise in Mexiko, Sklaverei in Brasilien, brennende Wälder in Indonesien: Das vermeintlich grüne Image der Agrartreibstoffe verblasst bei näherer Betrachtung. Ihre Produktion ist mit schweren Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen verbunden.
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/914171
Agrarenergie
Warum der Biosprit-Boom die Umwelt zerstört
07.12.2007
http://www.welt.de/politik/article1432762/Warum_der_Biosprit-Boom_die_Umwelt_zerstoert.html
Warum der Biosprit-Boom die Umwelt zerstört
Die Folgen der Grünen Revolution in der Politik haben teilweise fatale Konsequenzen für die Umwelt: Der exzessive Einsatz nachwachsender Rohstoffe als Ersatz für Benzin und Energieträger in Kraftwerken zerstört die Umwelt. Er könnte sogar zu einer Explosion der Lebensmittel-Preise führen.
Seit 1970 hat der vom Menschen erzeugte Ausstoß von Treibhausgasen um 70 Prozent zugenommen. Die Konzentration des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) übersteigt die in den vergangenen 650.000 Jahren natürliche Menge bei weitem.
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Wenn es um die Schwere der Veränderungen geht, die der Klimaschutz mit sich bringen soll, so greift Hans Joachim Schellnhuber in Interviews gern zum gewichtigen Wort: In der Größenordnung der „Industriellen Revolution“ wollen er und seine Kollegen aus der Forschung den Umbau der ganzen Welt betreiben. Bei der Klimakonferenz in Bali werden dieser Tage die Weichen für die Revolution gestellt.
Doch in Bali, wo auf gemeinsamem Gleis Klimaschutz, Umweltschutz und Ressourcenschutz vorangetrieben werden sollten, gewinnt nun ein Richtungsstreit unerwartet an Schärfe: die Debatte um den Einsatz nachwachsender Rohstoffen als Ersatz für Benzin und Energieträger in Kraftwerken. Die Bundesregierung, die sich mit dem neuen Klimaschutzprogramm erneut als weltweiter Vorreiter begreift, gab schon vor Monaten die Richtung vor: Bis zum Jahr 2020 sollen die Autotanks zu einem Fünftel aus Biosprit befüllt, die Stromerzeugung mit stetig wachsendem Anteil aus Feldfrüchten beschickt werden. EU-weit ist bislang ein Zehntel als Benzinbeimischung angepeilt. Berlin und Brüssel können sich dabei auf Empfehlungen des Weltklimarates IPCC und seinem Mitstreiter Schellnhuber stützen.
Dagegen aber laufen immer mehr Verbände aus dem Umweltbereich, sowie Experten der Entwicklungshilfe Sturm. Sie befürchten wachsenden Hunger und Armut, schwere Umweltschäden, Raubbau am Regenwald, steigende Wasserprobleme und die Konzentration von Landbesitz in südlichen Ländern, wenn der Anbau von Lebensmitteln auf den Äckern der Welt in Konkurrenz zu den nachwachsenden Rohstoffen tritt; wenn die neue „Industrielle Revolution“ dazu führt, dass im Namen des Klimaschutzes die Industrie sich der bäuerlichen Scholle – besonders der fruchtbarsten Böden - bemächtigt.
Die Lobbyverbände wurden bestätigt durch Szenarien, die das International Food Policy Research Institute (Ifpri) aus Washington Anfang dieser Woche vorlegte.
Sprengstoff Mais-Preis
Wie Ifpri-Chef Joachim von Braun jetzt auf einer Konferenz in Peking erklärte, dürften sich, wenn die ehrgeizigen deutschen Vorgaben in Sachen Biosprit Schule machten, die Preise etwa von Mais weltweit um 72 Prozent erhöhen, real gerechnet, wohlgemerkt: Die Verbraucher müssen den Anteil ihres Einkommens, das sie für Nahrungsmittel ausgeben, in dieser Größenordnung erhöhen. Wie das die rund eine Milliarde Erdenbewohner bewerkstelligen sollen, die heute von weniger als einem Dollar lebt, und mithin ihr ganzes Geld für Essen und Trinken ausgeben müssen, ist leicht zu errechnen. Abgemildert stellt sich das Problem bei anderen Grundnahrungsmitteln dar, oder auch für den Fall, dass der Ausbau von nachwachsenden Rohstoffen nicht ganz so rasant vonstatten geht, wie ihn Bundesumweltminister Sigmar Gabriel propagiert.
Dass aber gerade der Mais-Preis zum sozialen Sprengstoff werden kann, zeigte sich Anfang des Jahres in Mexiko, wo es zu Unruhen kam, weil die Tortillas für die Menschen unerschwinglich wurden. Hintergrund war die Verdoppelung des Mais-Preises innerhalb eines Jahres, ausgelöst durch die wachsende Nachfrage aus dem Nachbarland USA zur Herstellung von Treibstoff.
„Die Preise für Rohstoffe, die zur Biosprit-Herstellung genutzt werden, sind immer deutlicher gekoppelt an die Energiepreise,“ sagt Joachim von Braun, „in den letzten fünf Jahren waren die Preisschwankungen bei Ölsaaten, Weizen und Mais doppelt so hoch wie in den Dekaden zuvor.“ Wie die Kräfteverhältnisse zwischen dem menschlichen Bauch und dem Autotank liegen, kann jeder Verbraucher erahnen nach der Formel: von den pflanzlichen Rohstoffen, die für zwei Tankfüllungen von 60 Liter aufgewendet werden, könnte ein Mensch ein ganzes Jahr leben.
Und wollten die USA auch nur die Hälfte jenes zwanzigprozentigen Anteils, der bei uns Pflicht wird, als Biosprit in den Tank kippen, so müssten sie ihre gesamte Mais- und Sojaernte aus der Nahrungsproduktion nehmen.
Dass die Erfahrungen in Deutschland, wo in den vergangenen Monaten die Lebensmittelpreise auch so stark anzogen wie seit Jahrzehnten nicht mehr, für die Dritte Welt nicht gelten können, liegt auf der Hand: „Die Verbraucher in den ärmeren Ländern sind ungleich stärker von den Preisschwankungen betroffen wie diejenigen in den Industrieländern“, heißt es beim Ifpri, wo man sich insbesondere gegen eine steuerliche Förderung von Agro-Benzin ausspricht: „Subventionen für Biosprit richten sich extrem gegen die Menschen in den armen Ländern, weil sie indirekt als Steuern auf deren Grundnahrungsmittel wirken.“
Missbrauch von Nahrungsmitteln
Global gerechnet mag heute ein noch geringer Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Herstellung von Kraftstoffen genutzt werden. Entscheidend aber sei, so befürchten Entwicklungsexperten, dass besonders die ertragreichsten Böden in Lateinamerika und Asien teilweise aus der Nahrungserzeugung herausfallen könnten, um für industrielle Monokulturen bei erhöhtem Chemieeinsatz genutzt zu werden. Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ warnte bei seiner diesjährigen Adventsaktion ausdrücklich: „Nahrungsmittel werden immer häufiger zur Sättigung des weltweiten Rohstoffhungers missbraucht“, was die Ernährung von Millionen von Menschen gefährde.
Die britische Organisation Oxfam, eine der renommiertesten Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, die in Bali Lobbyarbeit betreiben, befindet es „deshalb völlig inakzeptabel, dass arme Menschen in Entwicklungsländern die sozialen und ökologischen Kosten für die Klimaschutzziele der EU tragen sollen.“ Oxfam berichtet von illegaler Landnahme in Indonesien und am Amazonas zu Lasten von Kleinbauern, die ihre profitablen Böden an potente Investoren verloren.
Schlagworte
Klimawandel Klimaschutz Bali Kyoto-Protokoll Umweltschutz Strom Biosprit Benzin
Bei einer Anhörung, die der Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft vor drei Wochen veranstaltete, waren die Mahnrufe der Experten nicht zu überhören. Reinhard Behrend, Chef des Umweltverbandes „Rettet den Regenwald“ wies dabei auf ein weiteres Problem hin: Dass bei der Herstellung von Biosprit bisweilen mehr Kohlendioxid in die Luft gepustet werden, als unterm Strich eingespart würden.
„Eine Tonne Biodiesel aus indonesischen Palmölplantagen verursacht durch die Zerstörung der Torfwälder, die vorher dort standen, rund 20 Tonnen Kohlendioxid – also genau das Gegenteil des Erwünschten.“ Andere Experten kritisieren seit längerem, dass – auch unabhängig von der Regenwaldzerstörung die Umwandlung der Biomasse in Ethanol durchaus energieaufwendig und somit eben nicht „klimaneutral“ sei.
Nicht nur die Nahrungsversorgung der Menschen ist durch die Biosprit-Produktion in Gefahr. Auch ihr Zugang zu Trinkwasser, sowieso seit langem Sorgenkind von den UN und Organisationen wie dem Ifpri, gerät durch den Biosprit-Boom zunehmend ins Hintertreffen. Das „Internationale Institut für Wasserwirtschaft“ in Sri Lanka weist darauf hin, dass der Anbau von Pflanzen für einen einzigen Liter Biokraftstoff bis zu 3500 Liter Wasser verschlingt. Die mangelnde Versorgung mit sauberem Trinkwasser – eine Milliarden Menschen haben schon heute keinen Zugang dazu – wird seit Jahr und Tag als Kriegsgrund der Zukunft angesehen. Sollte sich das Problem durch allzu unüberlegte Schritte beim Klimaschutz verschärfen, erschiene die Vergabe des Friedensnobelpreises an Al Gore in neuem Licht.
Regenwaldzerstörung
agro - Kraftstoffe - alles andere als bio
17.11.2007
Inhaltsverzeichnis:
* agro - Kraftstoffe - alles andere als bio
agro statt bio
Weltmarkt Biomasse[*]
Volle Tanks, leere Bäuche
Grüner Imperialismus
Heizen mit Weizen
Brandrodung für prima Klima[*]
Fremdwort Nachhaltigkeit
Bauern auf der Palme
Die Rückkehr der Giganten
Stoppt die Vernichtung Hasankeyfs[*]
Erneuerbare Energie für alle
[*] Artikel steht online:
http://www.anti-atom-aktuell.de/archiv/184/184.html
Agrarenergie
Entweder Energie oder Essen /DAS WASSER REICHT NICHT
13.08.2007
Auf der Internationalen Wasserkonferenz in Stockholm warnen Experten: Es gibt zu wenig Süßwasser, um so viel Agrosprit zu produzieren wie derzeit vorgesehen
STOCKHOLM taz Es gibt auf der Erde nicht genug Wasser, um den Bedarf an Lebensmitteln zu decken und zusätzlich noch große Mengen Pflanzen für die Gewinnung von Biosprit anzubauen. Dies geht aus Studien hervor, die ForscherInnen auf der Internationalen Wasserwoche vorlegen werden, die derzeit in Stockholm stattfindet. Ihr Schlusssatz: Bioenergie werde schon wegen der mangelnden Wasserresourcen niemals die große Rolle spielen können, die die BefürworterInnen dieses möglichen Erdölersatzes sich von ihr erhoffen. weiter
http://www.taz.de/digitaz/2007/08/13/a0085.1/text
Experten fürchten Wassermangel durch Biosprit-Boom
Die Debatte um den Biosprit bekommt neue Dimensionen: Experten warnen vor einer massiven Wasserknappheit, sollte die Produktion von Kraftstoff aus Biomasse weiter steigen. In Deutschland warnt die Lebensmittelindustrie vor Preissprüngen durch den vermeintlichen Öko-Sprit. weiter
Auf der UN-Umweltkonferenz werden die Gefahren von Biokraftstoffen deutlich. Menschenaffen bedroht
NAIROBI taz Palmöl ist auf westlichen Märkten ein nachgefragtes Produkt, seitdem die Biokraftstoffe boomen. Doch 83 Prozent des global gehandelten Palmöls stammen aus Malaysia und Indonesien. Ein Großteil des Regenwaldes wird abgeholzt, um an seiner Stelle lukrative Palmenplantagen anzulegen. Autofahrer, die aus Umweltbewusstsein von Benzin auf Biodiesel umsteigen, fördern so das Ende der letzten Urwälder.
Kein Wunder, dass Biokraftstoffe unter den rund 100 Umweltministern, die bis Freitag zu einem Gipfeltreffen in Nairobi zusammengekommen sind, heiß diskutiert werden. "Umwelt und Globalisierung" lautet die Überschrift des 24. Unep-Verwaltungsrats, und kaum ein anderes Thema illustriert den Gegensatz zwischen Umweltinteressen auf der einen und Handelsinteressen auf der anderen Seite so deutlich. Die Industrie selber fordert inzwischen von Unep verbindliche Standards für den Handel mit Biokraftstoffen, um ein globales Geschäft abzusichern.
Pascal Lamy, Chef der Welthandelsorganisation, will nicht zu viel Enthusiasmus zeigen. "Die WTO hat sich noch nicht mit Biokraftstoffen beschäftigt", sagt Lamy, und dass die zollrechtliche Klassifikation von Biokraftstoffen eine technische Frage sei, die schnell lösbar sei. Doch für Lamy sind Biokraftstoffe in Wirklichkeit ein Geschenk Gottes. Farmer in Europa und Amerika, die bislang hoch subventionierte Überschüsse an Nahrungsmitteln produzieren mussten, die niemand brauchte, sollen jetzt auf Mais, Raps, Soja oder andere Grundlagen für Biokraftstoffe umsteigen. Dadurch würden die Agrarsubventionen überflüssig - eines der größten Hindernisse der stockenden Welthandelsrunde wäre beseitigt. "Wir könnten die Doha-Gespräche in wenigen Tagen abschließen", freut sich Lamy dann doch.
Umweltschützer schlagen Alarm, weil Biokraftstoffe Monokulturen erfordern, die nur mit großem Pestizideinsatz zu bewirtschaften sind. "Der Traum, die eine magische Flüssigkeit durch eine andere zu ersetzen und dann weiterzumachen wie bisher, geht nicht auf", warnt Lucy Mulenkei vom "Indigenous Information Network".
Ein klarer Verlierer des Regenwaldkahlschlags wurde in Nairobi schon ausgemacht: Wenn die Prognose des UN-Umweltprogramms eintrifft, dann wird der Orang-Utan nicht mehr lange unter den Folgen der globalisierten Wirtschaft leiden müssen. Schon in 15 Jahren, so sagt eine Studie voraus, wird auch der letzte der nahen Verwandten des Menschen ausgestorben sein, weil der tropische Regenwald auf den indonesischen Inseln Sumatra und Borneo komplett abgeholzt sein wird. Auf der Suche nach Tropenholz, so Unep-Chef Achim Steiner, hätten illegal operierende multinationale Händler jetzt Indonesiens Nationalparks ins Visier genommen. "Verantwortlich dafür ist die Nachfrage der globalisierten Märkte, da gibt es keine Hemmungen mehr."
MARC ENGELHARDT
taz Nr. 8195 vom 7.2.2007, Seite 8, 98 TAZ-Bericht MARC ENGELHARDT
Agrarenergie
Brüssel berauscht sich an Biosprit
01.02.2007
Mit dem Treibstoff vom Acker will die EU-Kommission nicht nur das Klimaproblem lösen, sondern auch den Streit mit der Automobilindustrie schlichten. Umweltschützer warnen jedoch vor Monokulturen und dem Preisanstieg von Lebensmitteln
AUS BRÜSSEL
DANIELA WEINGÄRTNER
Brüssel hat ein neues Zauberwort: Biokraftstoff. Das klingt gesund, gefällt den Ökologen und besänftigt die deutsche Bundeskanzlerin. Denn ein höherer Anteil von Pflanzentreibstoff im Tank senkt den CO2-Gehalt in den Autoabgasen. Die geplanten strengen Auflagen für die Autoindustrie, gegen die Angela Merkel zu Wochenbeginn wetterte, würden dadurch vielleicht überflüssig oder müssten zumindest nicht so drastisch ausfallen.
Kommissionssprecher Johannes Laitenberger wand sich gestern wie ein Aal, als er gefragt wurde, ob sich die EU-Kommission ihre Tagesordnung von der deutschen Kanzlerin diktieren lässt. Die EU-Kommission hat ihre ursprünglich für den 24. Januar angekündigten Vorschläge für CO2-Grenzwerte bei Personenwagen um eine weitere Woche verschoben. Obwohl die Arbeit an dem "Paket" angeblich zügig vorangeht, vermochte Laitenberger gestern nicht einmal zu sagen, ob ein Gesetzentwurf oder nur schwammige "Empfehlungen" geplant sind.
Stattdessen legte die Kommission eine Richtlinie zur Treibstoffqualität vor. Die Hersteller sollen verpflichtet werden, Benzin mit geringerem Kohlenstoffgehalt zu produzieren und mehr Ethanol beizumischen. Zwischen 2011 und 2020 sollen sie die Treibhausgase, die bei der Herstellung, dem Transport und der Verbrennung ihrer Treibstoffe entstehen, um 10 Prozent reduzieren. Dadurch können laut der Kommission die schädlichen CO2-Abgase um 500 Millionen Tonnen reduziert werden.
Das klingt gut. In der Praxis bedeutet es aber, dass der Druck, in umweltfreundliche Technik zu investieren, von den Autoherstellern auf die Benzinraffinerien verlagert wird. Deutsche Autobauer und die amtierende Ratspräsidentin Merkel können ihre Krallen wieder einfahren. Mercedes, Porsche und BMW dürfen weiter Benzinfresser auf den Markt bringen, deren CO2-Bilanz doppelt so hoch ist wie die ursprünglich von Umweltkommissar Dimas für das Jahr 2012 angestrebten 120 g/km.
Dessen Sprecherin behauptete gestern, ihr Chef halte an diesem verbindlichen Sparziel fest. "Jeder, der darauf spekuliert, dass die Emissionsziele für Pkws aufgeweicht werden, wird eine Enttäuschung erleben." Doch hinter den Kulissen kämpft die Fraktion von Industriekommissar Verheugen weiter gegen Auflagen für die Fahrzeughersteller. Angeblich soll als Kompromiss ein Grenzwert von 130 Gramm pro Kilometer im Gespräch sein.
Umweltschützer und Grüne, die Biodiesel lange propagierten, sind inzwischen skeptisch. Die grüne Energieexpertin Rebecca Harms: "Biobrennstoff ist für die Agrarindustrie der Königsweg, um von einem zerstörerischen Weg auf den anderen zu wechseln." Denn der Anbau von Biomasse im großen Stil bedeutet Monokultur, Pestizide und Gentech - genau das Gegenteil von nachhaltigem Landbau.
Der Washingtoner Umweltexperte Lester Brown gab bei einem Zwischenstopp in Brüssel einen Eindruck davon, welche Folgen das "Ethanoldelirium" haben kann: Die derzeit im Bau befindlichen Destillieranlagen werden die Hälfte der amerikanischen Kornernte verschlingen. Der Kornpreis hat sich in einem Jahr verdoppelt - und die Preise für Schlachtvieh ziehen nach.
"Mit dem Korn, das für 100 Liter Ethanol gebraucht wird, kann sich ein Mensch ein Jahr lang ernähren", hat Brown ausgerechnet. Der Kampf um knappe Anbauflächen und knappe Eiweißquellen hat bereits begonnen. Die Grünen in Brüssel haben deshalb eine Kampagne gestartet, die eine Gabel zeigt, um die statt Spaghetti in Tankschlauch gewickelt ist. "Mehr Menschen ernähren - weniger Auto fahren" steht darunter.
taz Nr. 8190 vom 1.2.2007, Seite 8, 123 TAZ-Bericht DANIELA WEINGÄRTNER
Agrarenergie
Diesel statt Nahrung Kamerun
15.01.2007
Diesel statt Nahrung
Kamerun: Menschen und Wälder müssen neuen Ölpalmenplantagen weichen. Internationale Konzerne setzen auf Biotreibstoffboom
Von Sylvestre Tetchiada, IPS
Die Regierung Kameruns forciert mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank die Expansion des industriell betriebenen Anbaus von Ölpalmen für die Produktion von Biodiesel. Umweltorganisationen warnen vor den ökologischen Gefahren des Booms.
Auch die Nahrungsmittelproduktion des Landes wird in Mitleidenschaft gezogen. Seit jeher wird im überwiegend landwirtschaftlich genutzten Kamerun Speiseöl aus Ölpalmen gewonnen. Im 475500 Quadratkilometer großen Land umfassen die Ölpalmenpflanzungen eine Gesamtfläche von 1080 Quadratkilometern. Seitdem jedoch Palmöl weltweit auch als alternativer Kraftstoff gefragt ist, mußten vor allem im Süden des Landes zwischen 2001 und 2006 rund 300 Quadratkilometer Wald neuen Palmenplantagen weichen.Monokultur ausgeweitet
In Kamerun will man den Biodieselboom nicht verpassen, zumal wichtige potentielle Abnehmer wie Europa und Japan in ihrer Umweltpolitik auch auf die Verwendung von Biosprit als Kraftstoff setzen. »Die Regierung bemüht sich um eine Modernisierung der Landwirtschaft und hat 2001 ihr Palmölprojekt gestartet«, berichtet Jean Momo, Mitarbeiter des Ministeriums für Landwirtschaft und Entwicklung. »Mit Hilfe von Weltbank und IWF wollen wir bis 2010 die Anbauflächen für Ölpalmen um rund 500 Quadratkilometer erweitern und 250000 Tonnen Palmöl produzieren.«
2005 betrug Kameruns Palmölproduktion 140000 Tonnen. Beteiligt daran sind sowohl agroindustrielle Firmen als auch Unternehmen der traditionellen Landwirtschaft. In den letzten Jahren haben große internationale Konzerne wie Socapalm, Safacam und Ferme suisse begonnen, auf diesem Markt aktiv zu werden und neue Anbauflächen, zumeist durch Rodungen, zu erschließen. Kamerun soll nach den Plänen der Regierung und der Konzerne einer der größten Biotreibstoffexporteure der Welt werden.
Doch die Bevölkerung in den betreffenden Gebieten zahlt dafür einen hohen Preis. »Durch Abholzen und Brandrodungen wird in unserem Land immer mehr Wald in Palmenplantagen umgewandelt«, erklärte Marie Men douga von der in der Hauptstadt Jaunde ansässigen »Organisation zum Schutz der Umwelt«. Durch die Ausbreitung der Palmenplantagen würden Böden und damit Ernährungsressourcen zerstört, die einheimische Vegetation radikal verändert und die im Wald lebenden Menschen vertrieben, kritisiert die Aktivistin.
In den Gebieten, in denen die Plantagen auf dem Vormarsch sind, hat die Bevölkerung einen schweren Stand. Nach Angaben von Philippe Engoulo aus Nyeté, einem südwestlich von Jaunde gelegenen Dorf in der Nähe von Kribi, ergaunern sich die Unternehmen das Land, indem sie die meist ahnungslosen Menschen mit falschen Versprechungen dazu bringen, Verträge über Landverkäufe zu unterzeichnen. Zugesagte Ländereien in anderen Gebieten erwiesen sich oftmals als ungeeignet für landwirtschaftliche Nutzung oder wurden schlicht verweigert. Viele Plantagen würden ferner einfach illegal angelegt, ohne daß die Behörden dagegen vorgingen.
Ökologische Katastrophe
Das Vordringen der Palmenplantagen zerstöre die angrenzenden Wälder, die Existenzgrundlage der einheimischen Bevölkerung, klagt Hubert Minkoulou, der in der Gegend von Kribi lebt. Auch hier habe es Fälle von entschädigungsloser Konfiskation gegeben. »Wir können unser traditionelles Leben nicht fortführen, und neue Arbeitsplätze sind nicht in Sicht«, so Florence Mpecke, die ebenfalls in Kribi lebt. Die Unternehmen beschaffen sich ihr Personal in anderen Regionen Kame runs und bringen ihre Mitarbeiter in Lagern auf dem Plantagengelände unter. Einheimische werden hier nur selten beschäftigt.«
Während von Safacam und Socapalm keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu bekommen war, versicherte ein Mitarbeiter von Ferme suisse, daß man sich an die Gesetze halte, niemanden vertreibe und angemessene Entschädigungen zahle.
Doch die Klagen vieler Einwohner der entsprechenden Provinzen betreffen nicht nur die finanziellen Folgen des Palmölbooms. Berichte über die massive Verseuchung der in der Nachbarschaft der Fabriken liegenden Gewässer durch Industrieabwässer wurden von dem in der »Klinik der Hoffnung« in Jaunde arbeitenden Arzt Marc Dzomou bestätigt.
»Unsere Geschichte ist die vom stillschweigenden Verschwinden der Wälder, die zu Plantagen werden«, klagt Odette Lobe, die Vorsitzende des Dorf entwicklungskomitees von Nyeté.« »Es ist die Geschichte einer traditionellen Kultur und ihrer Menschen, die als ländliches Proletariat verelenden. Es sind ihre Stimmen, die der von den Propagandisten des Biodiesels betriebenen Zerstörung der Wälder Einhalt gebieten.«
http://www.jungewelt.de/2007/01-15/022.php
15.01.2007 / Kapital & Arbeit / Seite 9
Regenwaldschutz
Die Waisen des Waldes und ihr Adoptivvater
16.12.2006
Auf Borneo hat Willie Smits das weltweit größte Primatenschutzprojekt gegründet. Dort leben heute 850 Orang-Utans, weil ihre Mütter getötet und der Urwald zerstört wurde. Nur wenn er ihnen hilft, sagt Smits, kann er Mensch bleiben.
Von Heike Le Ker
Wie oft Unbekannte versucht haben, Willie Smits umzubringen, weiß der 49-Jährige nicht. Er zählt schon lange nicht mehr mit. Erst vor ein paar Wochen hat eine Neun-Millimeter-Kugel nur eine Handbreit seinen Kopf verpasst. Sein Haus haben sie zweimal angezündet, einmal spielten seine Kinder darin. Sie überlebten die Flammen. Smits Hunde hingegen nicht. Ihnen schlugen seine Gegner die Köpfe ein. Sie sabotierten seine Autos, tyrannisierten die Familie. Dennoch: Willie Smits macht weiter. Für die Orang-Utans. "Dieses Leben habe ich gewählt. Ich kann nicht aufhören."
Sein Antrieb, das sind die Waisen des Waldes. Orang-Utan-Babys, deren Mütter von Wilderern erschossen wurden. Smits' Gegner machen auf dem Schwarzmarkt viel Geld mit den Kleinen, deswegen hassen sie ihn und seinen unerschütterlichen Einsatz. Wenn Smits von einem Schmugglerring erfährt, rückt er mit seinen Leuten von der Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS) an und konfisziert die Affen. Bei BOS bringt er sie in Sicherheit.
Es ist ein einziges Tier, das Smits zum Ziehvater der Waisen gemacht hat: Uce lag 1989 halb tot auf einem Markt in Balikpapan, weggeworfen von einem Händler. Smits nahm das Affenkind mit. Es klammerte sich an ihn, traumatisiert vom Tod seiner Mutter. Mit Milch und Windeln zog er das Weibchen auf. Bald schon lieferten Bekannte ein weiteres Affenbaby ab und später noch eines.
Die Mutter ersetzen
Auf Borneo, wo Smits lebt, sterben jedes Jahr 5000 der Menschenaffen. Ihre Heimat, der Urwald, schwindet, weil Menschen ihn roden. Weniger als 50 000 Orang-Utans gibt es nur noch auf der riesigen Insel, im benachbarten Sumatra sind es kaum 6000. Um das Jahr 1900 bevölkerten noch etwa 350 000 die Wälder von Java bis China. Heute ist selbst ihre geschrumpfte Heimat nicht mehr sicher, und ohne Hilfe wird es sie in zwei Jahrzehnten nicht mehr geben, meint Smits.
Das will der gebürtige Holländer verhindern. Seit mehr als 15 Jahren kämpft er in Indonesien für die "Waldmenschen" - so die Übersetzung des Wortes Orang-Utan. Gemeinsam mit seiner Frau, die Vize-Bürgermeisterin der Stadt Tomohon ist. Zwei Jahre, nachdem Smits Uce auf dem Markt gefunden hatte, gründete er 1991 BOS in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos - kurz unterhalb vom Äquator. Heute ist die Organisation das größte Primatenschutzprojekt der Welt - Auffanglager für kranke Babys, missbrauchte Weibchen, halb verhungerte Männchen. Sie sollen sich hier von dem erholen, was Menschen ihnen angetan haben.
850 konfiszierte Orang-Utans leben derzeit in den verschiedenen Rehabilitationsstationen von BOS. Smits hat allen einen Namen gegeben. Die Babys leben mit 100 einheimischen Frauen vom Volk der Dajak zusammen. Sie ersetzen ihnen die getöteten Mütter, geben ihnen die Flasche, windeln sie. Wenn die Affen noch klein sind, reden die Frauen mit ihnen Dajak, später wechseln sie zu Indonesisch - wie mit eigenen Kindern. Zunächst teilen sich zwei Kleine einen Käfig, später kommen sie in größere Gehege und lernen dort, zu klettern und Nester zu bauen. Viele leiden bei ihrer Ankunft unter Tuberkulose oder Hepatitis, mit denen Menschen sie infiziert haben. Erst wenn sie gesund sind und gelernt haben, in der Wildnis zu leben, werden sie ausgewildert. Drei Jahre ist ein Affe im Schnitt bei BOS. 4500 Dollar und unendlich viel Liebe kostet es, sein Leben zu retten.
Nackt rasierte Prostituierte
In Indonesien sind die Orangs Prestigeobjekte. Wer etwas auf sich hält, kauft sich einen auf dem Schwarzmarkt. Reiche Kaufleute tun das, Generäle, Schauspieler. Auch Michael Jackson hält so ein Tier auf seiner Neverland-Farm.
Woher die Affenbabys kommen, fragt kaum einer. Für jeden Säugling auf dem Markt ist die Mutter gestorben und neben ihr statistisch noch mindestens ein weiteres Tier. "Zuerst schießen die Wilderer der Mutter eine Kugel zwischen die Augen, damit sie vom Baum stürzt und nicht wegläuft", sagt Willie Smits. "Dann zerlöchern sie ihren Körper." Falls das Kleine überlebt, fällt es den Wilderern zum Opfer. Die schmuggeln es von Indonesien nach Japan, Hongkong, Taiwan in die USA und nach Deutschland. Am Ende der Handelskette kostet ein Tier bis zu 30 000 Euro. Bei vier Milliarden Dollar Jahresumsatz für Tierhandel hat Smits durch seinen Kampf für die Affen viele Feinde. Mehr als 1200 Orang-Utans hat er bereits beschlagnahmt. "Fünf Weibchen habe ich aus Bordellen befreit", berichtet Smits. An Betten gekettet, mit lackierten Fingernägeln und nackt rasiert - so fand Smits die Tiere.
Die ehemaligen Besitzer fordern ihre wertvollen Geldquellen meist von BOS zurück. Sie drohen mit Messern und brennenden Fackeln, marschieren mit Plakaten wie "Tötet Willie" auf. "Wir wehren uns, so gut wir können, aber manchmal weiß ich nicht weiter." Smits' Stimme ist ganz leise, wenn er so etwas sagt. Für einen kleinen Moment ist die Energie, die dem großen schlanken Mann aus den braunen Augen strahlt und mit der er seine Mitmenschen ansteckt, verschwunden. "Unsere Kinder haben zeitweise schon das Land verlassen. Sie wollen nicht mit Korruption kämpfen und ein Privatleben haben."
Etwas, das Willie Smits nicht mehr kennt. Er arbeitet fast immer: Nachts schläft der Einzelkämpfer nur vier Stunden, fünfmal schon fieberte er sich durch Malariainfektionen und machte trotzdem weiter.
Er weiß, dass Milchfläschchen und Liebe allein den Tieren nicht helfen. Solange die Einheimischen davon leben, Wälder in Brand zu stecken, das neue Land mit billigen Ölpalmen zu bepflanzen oder geschlagenes Holz zu verkaufen, solange kann auch BOS die Heimat der Orang-Utans nicht schützen.
Deswegen macht Smits Entwicklungshilfe in immer größerem Stil. Er knüpft Kontakte in der ganzen Welt, verhandelt mit Ölgiganten wie Shell und spannt sogar Indonesiens Präsidenten Susilo Yudhoyono ein. Mit Ultraleichtflugzeugen fliegt Smits als Pilot in Indonesien von einem Projekt zum nächsten und überwacht die ökologische Arbeit der Einheimischen.
Ein Leben in Harmonie
Viele der eingeborenen Dajaks sind heute seine Freunde. Mit Zuckerpalmen, Mikrokrediten und wieder sprudelndem Bodenwasser hat der Forstwissenschaftler ihnen neue Lebensgrundlagen gegeben. Das aktuelle Projekt heißt "Samboja Lestari". Nördlich von Balikpapan hat BOS über 1800 Hektar Land gekauft und forstet dort gemeinsam mit der Bevölkerung den Regenwald wieder auf. Wer teilnimmt, verpflichtet sich dazu, das Gebiet zu schützen. Satelliten überwachen das Land, und wer sich nicht an die strengen Regeln hält, muss das Projekt wieder verlassen. Die Einheimischen bekommen ein Stück Land und können darauf Salak- und Zuckerpalmen anpflanzen.
Besonders Zuckerpalmen sichern den Bauern ein geregeltes Einkommen: Während Indonesien heute noch Unmengen des Rohstoffes importiert, könnte es schon bald selbst exportieren. Wo bislang hauptsächlich Ölbäume stehen, sollen in Zukunft Zuckerpalmen wachsen. 60 verschiedene Produkte entstehen aus den Pflanzen, darunter Zucker, Stärke, Ethanol und Holz. "Das ist die Lösung für all unsere Probleme mit Armut, Arbeitslosigkeit und mit der Umwelt", meint Smits. Und mit den Affen, denn die will BOS in Samboja Lestari auch auswildern, falls die usrpünglichen Lebensräume alle zerstört sind. "Die Menschen profitieren vom Umweltschutz", sagt Smits. "Hier gibt es ein Leben in Harmonie mit den Orang-Utans."
Auch Uce lebt heute wieder im Urwald. Am 23. Mai 1992 hat Willie sie freigelassen, das Datum vergisst er nicht wieder. Die Äffin hatte Angst und wollte sich nicht von ihm trennen, und so zog er sie an der Hand in den Wald, brach ein Palmenblatt ab und gab es ihr. Damit blieb sie allein zurück. Jahre später, 1998, dann der Anruf von einem Mitarbeiter: "Wir haben Uce gesehen, und sie hat ein Baby!" Sofort fährt Willie Smits hin und ruft sie. Uce antwortet. Sie klettert den Baum hinab, ihr Baby im roten Fell. Sie begutachtet Willie vorsichtig, berührt ihn. Dann schmiegt sie ihr weiches Kind an sein Gesicht. Uce nimmt seine Hand und zieht ihn in den Wald. Dort bricht sie ein Palmenblatt ab und schenkt es Willie.
Artikel erschienen am 16.12.2006 WELT.de 1995 - 2006
Agrarenergie
Diesel sauber - Regenwald tot?
30.11.2006
Diesel sauber - Regenwald tot?
Ölpalmen verdrängen Tropenbäume, Raps-Anbau setzt Treibhausgase frei, und dank des Booms bei Brennholz droht deutschen Forsten Kahlschlag, fürchten Ökologen: "Wir tun des Guten zu viel."
Hamburger Abendblatt, 30.11.06
Hamburg - Malaysia, unweit der Hauptstadt Kuala Lumpur: Ölpalmen so weit das Auge reicht, exakt in Reih und Glied gepflanzt. Das vielstimmige Konzert des Regenwaldes, der hier einst wucherte, ist verstummt. Aus dem Meer der Plantagenbäume dringt kein Laut. Dies ist kein Lebensraum mehr, es ist eine Ölquelle für Industrieländer, die womöglich bald auch deutsche Autos antreiben wird. Palmöl gehört zu den Bio-Treibstoffen, die derzeit als Zukunftsenergien gepriesen werden, weil sie das Klima schützen helfen. Aber zu welchem Preis? Ist der Mensch gerade dabei, mit der Lösung des einen Problems neue Probleme zu verursachen?
Das Zauberwort heißt Biomasse. Pflanzen fast jeder Art sollen nahezu klimaneutral Kraftstoff, Strom und Wärme liefern. Doch schon zeichnet sich beim - grundsätzlich begrüßenswerten - Gegensteuern in Sachen Luftverschmutzung ein Übersteuern ab.
Beispiel Holz. Jahrzehntelang wurden die deutschen Wälder kaum gepflegt, weil der Aufwand hoch und der Ertrag niedrig war. Doch plötzlich, seit der Biomasse-Boom ausgebrochen ist und immer mehr Verbraucher Alternativen zu teurem Öl und Gas suchen, kehrt sich alles ins Gegenteil: Sogenanntes Schwachholz wird am Markt ganz stark, macht als Hackschnitzel- und Pellet-Brennstoff eine steile Karriere.
In nur fünf Jahren hat sich der Verbrauch von Brennholz in Deutschland fast verdoppelt - auf 20,7 Millionen Kubikmeter. "Die Förster müssen sich dem wachsenden Holzhunger beugen. Die werden massiv unter Druck gesetzt, möglichst viel und schnell Holz zu beschaffen", klagt Ralf Straußberger, Waldreferent beim Umweltverband BUND. "Wir stellen einen Trend zum Kahlschlag fest." Noch gebe es in deutschen Forsten genug Reserven, kontern die Waldbesitzer, die Prinzipien der Nachhaltigkeit würden streng eingehalten. Das ist auch dringend nötig. Denn übernutzte Wälder sind ökologisch so wertlos wie ein totgepflegter Zierrasen, auf dem schon ein Regenwurm-Kothäuflein dumm auffällt.
Beispiel Bio-Kraftstoff. In asiatischen Tropenländern sind es Palmöl-Plantagen, in Deutschland Raps- und Maisäcker, die bereits ganze Landstriche beherrschen. Bei den Bio-Energien ist der Begriff "bio" nicht mit dem gleichnamigen Prädikat für den Öko-Landbau zu verwechseln, denn dieses gilt nur für den Anbau von Nahrungsmitteln. "Bio"-Treib- oder -Brennstoff hingegen wächst in intensiven Monokulturen, oft unter hohen Gaben von Pestiziden und Kunstdünger. Der massenhafte Anbau sei des Guten zu viel, warnen Ökologen.
Mittlerweile reifen in Deutschland auf fast 1,5 Millionen Hektar (13 Prozent der gesamten Ackerfläche) Energiepflanzen heran, auf gut zwei Drittel der Fläche allein Raps für Bio-Diesel. Das Umweltbundesamt rechnet überdies vor, dass das Rapsöl-Produkt keineswegs klimaneutral ist. Denn die Herstellung braucht fossile Energieträger, und beim Anbau werden Treibhausgase frei: Als Folge der Stickstoffdüngung entweicht Lachgas in die Atmosphäre - es ist ein 300-mal wirksameres Treibhausgas als das Kohlendioxid der fossilen Brennstoffe. Will man nur ein bis vier Prozent der Treibhausgas-Emissionen herkömmlicher Dieselfahrzeuge vermeiden, müsste auf der Hälfte der deutschen Ackerfläche in einer vierjährigen Fruchtfolge Raps wachsen.
Beispiel Biogas: "Ich war ein großer Verfechter von Biogas-Anlagen", sagt Eberhard Henne, Vorstand von Europarc Deutschland, dem Dachverband aller deutschen Schutzgebiete, "aber wenn ich jetzt die Mais-Monokulturen sehe . . .". Es lohnt sich längst, zur Biogas-Produktion neben Gülle und organischen Abfällen auch gehäckselte Pflanzen zu vergären, die extra dafür angebaut wurden - und das intensiv.
Es geht auch anders, betont Michael Succow, Professor für Ökologie an der Universität Greifswald. Er setzt sich vehement für die Wiederbelebung von Mooren ein, damit diese ihre Funktion als Klimaschützer ausüben und das Treibhausgas Kohlendioxid speichern können. In den Mooren könnten Erlen und Schilf wachsen, die dann zu Brennstoff verarbeitet werden, der in jeder Hinsicht "bio" ist. Aber damit lässt sich womöglich weniger Geld verdienen.
Der große Flächenbedarf der Energiequelle Acker legt nahe, dass ein dicht besiedeltes Land wie Deutschland einen Teil seiner Bio-Energie importieren wird. Hier kommt der Alleskönner Palmöl ins Spiel. Das Produkt aus den Tropen hat schon vor zwei Jahrzehnten, als die damaligen schwer abbaubaren Waschmittel den Flüssen zusetzten, als ökologische Patentlösung herhalten müssen und Karriere in den Industrieländern gemacht. Palmöl findet sich in Margarinen und Eiscremes, Kaffeeweißern, Frittierfetten, Waschmitteln, Kerzen, Lippenstiften - und ist nun auf dem Weg, zum Brenn- und Treibstoff zu werden.
Erste Kraftwerke und Raffinerien entstehen in Europa, um den tropischen Energieträger zu vermarkten. Dies bringt Regenwaldschützer auf die Palme. Schon heute müssen jährlich etwa eine halbe Million Hektar Regenwald für die Anpflanzung der Öl-Plantagen weichen. Damit werden nicht nur wertvolle Lebensräume zerstört, sondern wird auch das Klima geschädigt - das es doch gerade zu beschützen gilt. Ökologe Succow rechnet vor: "Jede Tonne Palmöl vermeidet den Ausstoß von drei Tonnen Kohlendioxid (CO2) aus Mineralöl. Aber sie setzt gleichzeitig sieben bis elf Tonnen CO2 frei." Denn: Der Kohlenstoff war zuvor klimasicher im Regenwaldboden gespeichert. Doch die Anlage der Plantagen setzt Prozesse im Boden in Gang, bei denen CO2 entsteht und in die Atmosphäre aufsteigt.
"Wir brauchen dringend Anbaustandards, um zu verhindern, dass nach dem Soja-Boom nun auch noch die Palmöl-Plantagen den Regenwald in großem Umfang zerstören", mahnt auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), betont aber, dass diese Standards weltweit gültig sein müssen und deshalb Sache der Welthandelsorganisation WTO seien. Bislang ist die WTO nicht gerade dafür bekannt, strenge Umweltstandards auf dem Weltmarkt zu setzen, dient sie doch vornehmlich dem Freihandel. Bei der Biomasse-Euphorie könnte deshalb früher oder später gelten: Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint".
Dabei ist es wenig tröstlich, dass dies nicht nur den Energiebereich betrifft. So wurde im Zug der Rinderwahn-Vorsorge die Verfütterung von Tiermehl komplett verboten, auch an Schweine und Hühner, die gar nicht an BSE erkranken. Der entstandene Eiweiß-Engpass wird vor allem durch erhöhte Soja-Importe ausgeglichen. Folge: In Lateinamerika verdrängen die Bohnen immer mehr Regenwald sowie Ureinwohner und Kleinbauern, die in und von diesen Wäldern leben. "Im Jahr 2000 kauften die ersten Großfarmer aus dem Süden etwas Land auf. Dann kamen immer mehr und verwandelten unsere Region nach und nach in eine Soja-Wüste", sagt der Kleinbauer Silvino Pimentel Vieira aus dem nordbrasilianischen Bundesstaat Pará. Trotz Gegenwehr verlor er seine 25 Hektar Land und damit die Lebensgrundlage.
Ob Nahrungsmittel oder Energiebedarf, Mobilität oder Mobiliar - ein hoher Lebensstandard in Industrienationen wie Deutschland hinterlässt besonders große "ökologische Fußabdrücke" auf dem Planeten. Mit etwas gutem Willen ließen sich aber zumindest die übergroßen Stiefel gegen leichteres, passendes Schuhwerk austauschen, um die Trittspur zu verkleinern. Das funktioniert aber nur, wenn ökologischen Lösungen nicht überstrapaziert werden, um die neu entstandenen Märkte maximal auszubeuten. Denn das verheizt die Erde - mit oder ohne Holz.
Agrarenergie
NATURSCHUTZ im Saarland , Magazin des Nabu Saarland 4/2006 Pflanzentreibstoffe - Irrweg oder Chance?
05.11.2006
Pflanzentreibstoffe
Irrweg oder Chance?
Pflanzentreibstoffe aus Alkohol und Biodiesel sollen den CO2-Ausstoss verringern um somit den Treibhauseffekt abzuschwächen. Doch Zweifel kommen auf. Umweltfachleute kritisieren, dass Biosprit nur einen geringen Anteil an der Reduktion der Treibhausgase haben kann, da die landwirtschaftlichen Flächen zum Anbau begrenzt sind und CO2- Bilanzen bei Energiepflanzen lange nicht so gut sind wie angenommen! Hinzu kommen weltweite erhebliche Auswirkungen auf Landschaften und die Artenvielfalt, da durch Anbau von Raps, Mais, Soja, Sonnenblumen, Ölpalmen, Zuckerrohr oder der Jatrophanuss riesige überdüngte und Pestizidbelastete Monokulturen geschaffen werden. In Indonesien und Südamerika werden riesige Urwälder gerodet um diese Pflanzen anzubauen. Aber auch bei uns drohen große Landschaftsveränderungen durch Mais und Rapsanbau. Hinzu kommen hier noch Anbauflächen für dieBiogaserzeugung. So stellen in einigen Bundesländern bereits Landwirte ihre Produktion auf großflächigen Maisanbau um, zur Erzeugung von Biogas. Agrarexperten fordern den Einsatz von genmanipulierten Energiepflanzen um die Effektivität zu steigern. Auf der Wahlener Platte bei Losheim wird zurzeit eine Biogasanlage gebaut, die zu fünfzig Prozent mit Mais betrieben werden soll. 120 Hektar Mais sind dazu notwendig!
Ein Ölkraftwerk im Dillinger Hafen
In einem Kraftwerk soll dort durch die Verbrennung von 110000 Tonnen Pflanzenöl jährlich Strom produziert werden. Es ist die Verbrennung von Rapsöl, Sojaöl und Palmöl geplant, wobei die Hälfte des Öles importiertes Soja und Palmöl sein soll. Da inzwischen die Weltmarktpreise für Energiepflanzenprodukte ständig steigen, ist zu erwarten, dass die Pflanzenöle von Niedriganbietern aufgekauft werden. Dahinter stehen meist Großkonzerne die Dritteweltländer ausbeuten!
Erst im Mai ist ein Vorhaben von einer niederländischen Investorengruppe gescheitert, die im Ölhafen von Emden eine Ölraffinerie für jährlich 430000 Tonnen Palmöl aus Südostasien errichten wollten, nachdem Regenwaldschützer massiv protestiert hatten.
Energiepflanzenanbau vergrößert den Hunger in der dritten Welt. Durch den Anbau von Ölpflanzen und der folgenden Nachfrage wird eine Preisspirale in Gang gesetzt, so die Sarasinstudie, so dass arme Menschen sich die teuren Nahrungsmittel nicht mehr leisten können. Die Weltmarktpreise für Weizen steigen in Folge der Bioalkoholproduktion in den USA aus Weizen. Dazu hat Greenpeace eine einfache Rechnung gemacht: Bei uns lassen sich durch konventionellen Anbau etwa 3.5 Tonnen Raps pro Hektar ernten- das ergibt etwa eine Tonne Biodiesel. Ein Auto mit sieben Liter Verbrauch kann damit 16500 km fahren. Auf der gleichen Fläche kann aber Weizen für 8,5 Tonnen Brot angebaut werden, von dem 28 Menschen satt werden!
Der Traum vom Biotreibstoff
Bauern produzieren und liefern die Rohstoffe und Abfälle für Biogas und Biosprit. Autos fahren nur noch mit CO2 neutralem Biosprit und die Klimaerwärmung kommt zum Stillstand. Doch diese Träume können nach Studien des Umweltbundesamtes keine Realität werden, da bisher nur 0,8% des Treibstoffes durch Bioöle ersetzt wurden. Allein in Deutschland könnte Biodiesel, auf Grund der zur Verfügung stehenden Landwirtschaftsflächen, nur fünf Prozent der Treibstoffe ersetzen, bei enormer Ausweitung der Rapsproduktion. Weltweit sind 800 Millionen Kraftfahrzeuge in Betrieb! Der grüne Traum vom Biosprit in Deutschland ist nur durch weltweite Ausbeutung von Drittländern zu erzielen!
Biosprit ist auch nicht zu hundert Prozent klimaneutral. Laut Umweltbundesamt werden im ungünstigsten Fall(stand der gegenwärtigen Technik) 20Prozent der freiwerdenden Treibhausgase eingespart. Im günstigsten Fall können bis zu 80 Prozent eingespart werden. Dazu dürften aber nur Pflanzen aus Bioanbau (unrealistisch weil zu teuer) und Produkte aus dem BTL-Verfahren eingesetzt werden. Beim BTL-Verfahren wird die ganze Biomasse der Pflanze zu Biosprit umgewandelt. Das Verfahren ist aber sehr kostenintensiv. Bei konventionellem Energiepflanzenbau werden durch die Stickstoffdüngung große Mengen Lachgas freigesetzt. Lachgas hat eine 300-mal höhere Klimawirksamkeit als CO2 und negiert somit die CO2-Einsparung!
Wohin führt der Weg
Biosprit kann bei „umweltfreundlicher Erzeugung“ nur einen kleinen Teil zur Klimaschonung beitragen. Axel Friedrich vom Umweltbundesamt kommt sogar zu dem Schluss: Biosprit ist aus Umweltschutzgründen nicht förderungswürdig! Wir Brauchen andere Konzepte, kleinere Autos, großes Energiesparen auf allen Sektoren, Verzischt auf persönlichen Luxus, Einsatz von Solarenergie und solar erzeugtem Wasserstoff als Treibstoff, Erdwärmenutzung und hochwirksame Technologien bei derVerwertung von Abfallstoffen als Energieträger, wie zum Beispiel die Hochtemperaturvergasung. Das Energieeinspeisungsgesetz(EEG) muss dringend erneuert werden um die sich anbahnenden Irrwege zu stoppen!
Karl Rudi Reiter
NATURSCHUTZ im Saarland , Magazin des Nabu Saarland 4/2006
Agrarenergie
Erfolgreich gegen Kahlschlag-Diesel
22.09.2006
TAZ vom Montag, den 25. September
Gesetz für Palmöl-Importe in Arbeit
BERLIN taz Der Agrarausschuss des Bundesrates hat sich gestern mit großer Mehrheit für gesetzliche Regeln für tropische Palmölimporte ausgesprochen. Das teilte ein Sprecher des saarländischen Umweltministeriums auf Nachfrage der taz mit. Palmöle werden als billiger Rapsölersatz zur Energieerzeugung und als Beimischung in Dieselkraftstoff verwendet. Kritiker monieren, der Anbau von Palmöl zerstöre Millionen Hektar Regenwälder. Das nun beschlossene Eckpunktepapier des Saarlandes schreibt vor, dass nur Palmöl aus nachhaltigem Anbau importiert werden darf. Im Bundesrat werden die Importregeln am 13. Oktober beraten. TA
Saarland Ministerium für Umwelt Pressemeldung vom 19.09.2006
Umweltminister Stefan Mörsdorf: "Globale Nachhaltigkeitsstrategie für den Schutz tropischer Regenwälder!"
Saarland stellt Entschließungsantrag für Umwelt- und Agrarausschuss des Bundesrates Die gefährdeten Urwälder der Erde nachhaltig schützen und der Produktion von Öl, das durch illegalen Holzeinschlag und Brandrodung auf Regenwaldflächen erzeugt wurde , einen Riegel vorzuschieben - das ist das Ziel des Entschließungsantrages, den das saarländische Umweltministerium in der kommenden Woche für die Sitzungen des Umwelt- und des Agrarausschusses des Bundesrates vorbereitet hat. Die Eckpunkte dieses Antrages, der im Agrarausschuss des Bundesrates am 25. September und im Umweltausschuss des Bundesrates am 28. September in Berlin beschlossen werden soll, erläuterte Umweltminister Stefan Mörsdorf heute vor den Vertretern der Landespressekonferenz in Saarbrücken.
Ausgangspunkt für den Entschließungsantrages des Saarlandes ist das Gesetz zur Einführung einer Biokraftstoffquote. "Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen, dass die Mineralölwirtschaft ab dem kommenden Jahr 2007 dazu verpflichtet werden soll, den Kraftstoffen aus Erdöl einen wachsenden Mindestanteil von Biokraftstoffen beizumischen. Es ist aus meiner Sicht jedoch nicht einzusehen, dass die deutsche Gesetzgebung es - wenn auch nur indirekt - unterstützt, wenn zur Erzeugung von Biokraftstoff insbesondere in asiatischen und südamerikanischen Ländern der tropische Regenwald abgeholzt oder durch Brandrodung zerstört wird, damit auf diesen Flächen insbesondere durch die Anlegung von Palmölplantagen nachwachsende Rohstoffe, gewonnen werden. Diese Wirtschaftsweise schadet vor allem auch den weltweiten Bemühungen um den Klimaschutz und den Erhalt der tropischen Regenwälder," so Mörsdorf weiter.
"Ich halte es für erforderlich, dass die in Deutschland geltenden Regelungen dahingehend überarbeitet werden, dass nur solche pflanzlichen Öle beigemischt und in Anlagen nach dem EEG eingesetzt werden dürfen, die entweder in der EU erzeugt werden oder bei außerhalb der EU erzeugten pflanzlichen Ölen nachgewiesen werden muss, dass sie nach einem in der EU oder international anerkannten Zertifizierungssystem aus nachhaltigen und naturverträglichem Anbau stammen.
"Unser Ziel ist es, dass bei der Abfassung der Rechtsverordnungen für das Biokraftstoffquotengesetz dem notwendigen Schutz des Regenwaldes und des globalen Klimas entsprechend Rechnung getragen wird und dass in diesem Zusammenhang auch die notwendigen Änderungen im EEG vorgenommen werden," so Mörsdorf. Mörsdorf verwies in diesem Zusammenhang auf die Situation in Asien und Südamerika, wo schon seit Jahren der tropische Regenwald durch übermäßigen und zum Teil auch illegalen Holzeinschlag dramatisch verringert wird.
"Schwer verständlich wird diese Verfahrensweise vor allem auch, wenn man bedenkt, dass diese durch Raubbau gewonnenen nachwachsenden Rohstoffe, z. B. Palmöl durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz vom Verbraucher sogar noch subventioniert werden müssen," so Mörsdorf vor der LPK. "Dass wir auf diese Weise die irreversible Zerstörung global wichtiger Wälder mit kaum absehbaren sozialen und ökologischen Folgen auch noch finanzieren, ist in der Tat nicht einsichtig."
Mörsdorf erläuterte weiter, dass mit der Zerstörung der tropischen Regenwälder, sei es durch Holzeinschlag oder durch Brandrodung, schließlich auch die Lebensgrundlagen der indigenen Völker existentiell bedroht werden, die diese Wälder für den täglichen Bedarf sowie für das Überleben ihrer Kulturen und Traditionen benötigen. "Der Einsatz von Pflanzenöl aus nicht umweltfreundlicher und nicht nachhaltiger Produktion zur Stromerzeugung in Deutschland ist schon aus diesem Grund sehr bedenklich ist."
In einem Brief an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und an Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer hat Umweltminister Stefan Mörsdorf die Initiative des Saarlandes bereits angekündigt und innerhalb der Bundesregierung um Unterstützung gebeten. "Nicht nur der Produktion sondern auch beim Einsatz nachwachsender Rohstoffe muss der Gedanke der Nachhaltigkeit beachtet werden. Aus diesem Grund halte ich es für dringend notwendig, dass sich die Bundesregierung auf europäischer und internationaler Ebene hierfür einsetzt."
"Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir Unterstützung für unseren Entschließungsantrag im Umwelt- und im Agrarausschuss finden werden, damit sich künftig die Bundesregierung auf europäischer und internationaler Ebene dafür einsetzt, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit auch beim Einsatz nachwachsender Rohstoffe beachtet wird. Was wir brauchen ist eine Nachhaltigkeitsstrategie, die angesichts einer verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland sinnvolle Anstöße zum Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung in anderen Industrie- und Entwicklungsländern gibt. Das EEG gibt hierfür den richtigen Weg vor. Jedoch kann es nicht sein, dass wir mit dem EEG und mit der Einführung einer Biokraftstoffquote Wege und Möglichkeiten schaffen, die dem Ziel einer globalen Nachhaltigkeitsstrategie entgegenstehen," so Mörsdorf weiter.
Agrarenergie
Öko-Sprit - nein, danke?
14.08.2006
Biokraftstoffe: Ihr Anteil soll in Europa weiter wachsen. Um genügend Pflanzenkraftstoffe herzustellen, müssen Palm- und Sojaöl importiert werden. Die Regenwälder in Lateinamerika und Asien haben das Nachsehen. Umweltschützer warnen vor ökologischen Folgeschäden.
Werden Autofahrer, die klimaschonenden Biokraftstoff tanken, zukünftig zur Zerstörung der letzten Tropenwälder beitragen? Davor warnen Umweltverbände. Der Anteil an Biokraftstoffen soll EU-weit bis zum Jahr 2010 auf 5,75 Prozent wachsen, und dabei werden Importe eine zunehmend wichtige Rolle spielen. "Die Industrie entdeckt das lukrative Geschäft mit Treibstoff aus Palmöl, doch dieser ,Bio'-Diesel-Boom vernichtet Regenwald", so Reinhard Behrend vom Hamburger Verein "Rettet den Regenwald".
Bislang ersetzt Rapsöl, vor allem als Rapsmethylester (RME) veredelt, herkömmlichen Dieselkraftstoff. Doch das Rapsanbaupotenzial ist begrenzt. Aus Fruchtfolge- und Umweltschutzgründen reiche es gerade noch aus, um die derzeitige deutsche Biodiesel-Produktionskapazität von 1,1 Millionen Tonnen pro Jahr (t/a) plus die im Bau oder in konkreter Planung befindlichen Anlagen (Gesamtkapazität: 0,6 t/a) zu versorgen, heißt es im Strategiepapier Biokraftstoffe des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Soll dennoch mehr Pflanzenkraftstoff in Dieselmotoren fließen, müssen Alternativen her: importiertes Palm- oder Sojaöl.
Doch sowohl Kraftstoffe auf Palmöl- als auch auf Sojaöl-Basis konkurrieren mit der Nahrungsmittelproduktion - die beiden Öle sind global die wichtigsten Pflanzenöle in der Ernährung. Malaysia, weltgrößter Exporteur von Palmöl, hat deshalb bereits die Lizenzvergabe für Ölverarbeiter gestoppt, und die dortige Industrie erarbeitet derzeit eine Strategie, wie das Öl zwischen dem Ernährungs- und Energiesektor aufzuteilen ist.
Gerade Palmöl könnte den Bedarf der bis 2050 erwarteten 2,8 Milliarden zusätzlichen Erdbewohner stillen, betont der Malaysische Palmölverband (MPOC), denn die Ölfrucht habe einen besonders hohen Flächenertrag. Um die zusätzlich benötigte Ölmenge zu produzieren, reichten zehn Millionen Hektar (ha) Ölpalmen aus, während dafür 59 Millionen ha Raps oder 88 Millionen ha Soja nötig seien, betonen die Palmöl-Lobbyisten.
Umweltschützer warnen, die erhöhte Nachfrage nach den Ölen erhöhe den Druck auf die letzten Regenwälder in Lateinamerika (Sojaöl) und Asien (Palmöl): Waldflächen würden gerodet, um neue Plantagen anzulegen. Das bestreitet auch MPOC nicht, betont aber, dass jährlich weltweit "nur" etwa eine halbe Million Hektar Wald der Ausbreitung der Ölpalmen zum Opfer fielen, der Verlust von Tropenwäldern insgesamt aber 14 Millionen Hektar betrage.
Drei führende europäische Umweltverbände, darunter Birdlife International, warnen davor, Mineralöl durch Biokraftstoffe zu ersetzen, die womöglich noch größere ökologische Schäden verursachen als die konventionellen Treibstoffe. "Die EU muss bei der Förderung von alternativen Kraftstoffen sicherstellen, dass solche, für die Regenwald kahl geschlagen wurde, niemals in Europa verkauft werden", betonen sie.
Auch das Benzin soll grüner werden. Hier dominiert die Bio-Variante Ethanol als Beimischung oder Ersatz. Vorreiter ist hier Brasilien - bereits 44 Prozent aller brasilianischen Autos fahren mit Ethanol. Etwa die Hälfte der Zuckerrohrernte endet in Fahrzeugtanks. Für in Deutschland produziertes Ethanol kommen vor allem Getreide (Roggen und Weizen) sowie Zuckerrüben in Frage. Doch um das EU-Mengenziel von 5,75 Prozent zu erreichen, müssten eine Million Hektar Weizen oder 400 000 ha Zuckerrüben angebaut werden. Zudem kann die Bioethanolproduktion in der EU wirtschaftlich mit der Erzeugung in Drittlandstaaten nicht mithalten. Deshalb wird auf Einfuhren Zoll erhoben, doch langfristig sind steigende Importmengen absehbar.
Manche Experten stehen den nachwachsenden Kraftstoffen generell skeptisch gegenüber, zum Beispiel das Umweltbundesamt oder der Agrarwissenschaftler Prof. Konrad Scheffer von der Universität Kassel: "Flächen, auf denen Ethanol oder Biodiesel erzeugt würden, liefern nur einen sehr geringen Nettoenergieertrag. Die Energie, die für die Erzeugung dieser Rohstoffe benötigt wird, ist fast ebenso groß wie die im gewonnenen Treibstoff aus den angebauten Energiepflanzen. Wir brauchen aber kein Nullsummenspiel, sondern vernünftige Erträge."
Ökologische Schäden durch den Anbau von Biosprit seien auch in Europa bereits eingetreten, betont Ariel Brunner von Birdlife International: "Die Zwergtrappe in Frankreich und der Rotmilan in Deutschland sind zwei Beispiele für Arten, die durch die unkontrollierte Umwandlung von Land in Kraftstoff-Produktionsstätten in Gefahr geraten sind."
Pflanzensprit sollte zur Erfüllung der vorgegebenen Quote nur dann angerechnet oder steuerlich gefördert werden, wenn "bei der Erzeugung der eingesetzten Biomasse nachweislich bestimmte Anforderungen an eine nachhaltige Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen oder zum Schutz natürlicher Lebensräume erfüllt werden", so Umweltminister Sigmar Gabriel. Er könne sich ein nationales, EU-weites oder internationales Zertifizierungssystem vorstellen, das die Einhaltung von Mindeststandards garantiert, und werde sich international dafür einsetzen, dass ein solches System geschaffen werde.
Nur eine obligatorische Zertifizierung könne davor schützen, dass die pflanzlichen Kraftstoffe nicht auch das Artensterben antreiben, betonen die europäischen Umweltverbände. Sie warnen davor, dass die Öffentlichkeit Biotreibstoffe ablehnen werde, wenn sie keine glaubwürdige ökologische Alternative zu den fossilen Kraftstoffen sind. Und damit wären die Vorteile von Biosprit als klimaschonender Kraftstoff, der die Abhängigkeit vom Mineralöl reduziert, schon verspielt, bevor sie richtig wirksam werden.
Stuttgarter Nachrichten online, 4.8.2006 Ziel ist ein südostasiatisches Biospritkartell
04.08.2006
Ziel ist ein südostasiatisches Biospritkartell
Die Ölstaaten Indonesien und Malaysia planen Megaplantagen für nachwachsende Rohstoffe
Früher oder später müssen nachwachsende Rohstoffe Erdöl ersetzen. Südostasien will davon sehr bald schon profitieren und alternative Energiequellen nutzen. Doch die gigantischen Biokraftstoffpläne sind umstritten.
Purnomo Yusgiantoro war bis zum Jahr 2004 Generalsekretär der Opec. Kaum einer ist wohl so davor gefeit, als grüner Spinner zu gelten, wie der indonesische Energieminister. Umso ungewöhnlicher ist seine Haltung: "Biokraftstoff kann im Transportsektor Benzin ersetzen", sagt der Mann. Er will in seinem Land 22 Milliarden US-Dollar (17 Milliarden Euro) in die Förderung von alternativen Energien investiert sehen. Indonesien will damit erheblich mehr Ölpalmen, Jatrophabüsche, Maniokpflanzen und Zuckerrohr anbauen als bisher. Elf geplante Fabriken sollen bis 2010 jährlich 1,3 Milliarden Liter Biokraftstoff produzieren.
Seit Mai darf Diesel an Indonesiens Tankstellen bis zu zehn Prozent Biokraftstoff enthalten. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono will, dass im Jahr 2025 nur noch ein Drittel der Energie, die die etwa 260 Millionen Indonesier verbrauchen, aus Öl stammt. Zwei Drittel sollen Pflanzen, Erdwärme und Kernkraft liefern. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Das tropische Vulkanland hat fruchtbaren Boden und darunter heiße Erdschichten.
Indonesien und sein Nachbar Malaysia haben angekündigt, in Zukunft 40 Prozent ihrer Palmölproduktion für Biokraftstoff zu reservieren. Mit ihren Plänen sind sie in Südostasien keineswegs alleine: Myanmar möchte seinen Ölimport, täglich 40 000 Barrel, durch den viel versprechenden Biokraftstoff aus den Früchten der Jatrophabüsche, den Purgiernüssen, ersetzen. Thailand will bis 2020 satte 230 000 Barrel Öl pro Tag sparen, ein Viertel seines Bedarfs. Fahrzeuge sollen mit Gas angetrieben werden oder Benzin tanken, das mit Ethanol versetzt ist. Und auch die Philippinen wollen den Alkohol verstärkt nutzen und zudem aus Kokosnüssen Biokraftstoff pressen. Vietnam schließlich will Diesel mit tierischem Fett mischen, das bei der Fischverarbeitung abfällt.
Die nationalen Vorhaben passen zur Erklärung der Energieminister des südostasiatischen Staatenbundes Asean: "Hohe Ölpreise gefährden das Wirtschaftswachstum. Ein effizienterer Umgang mit Energie und eine Steigerung des Angebots aus erneuerbaren Energien sind wichtig für das Erreichen einer nachhaltigen Energiezukunft."
Die Palmölriesen Indonesien und Malaysia haben die größten Biokraftstoffpläne. Die beiden Staaten bauen insgesamt auf einer Fläche Ölpalmen an, die größer ist als Bulgarien. So wird derzeit 85 Prozent des Weltmarkts abgedeckt. Das exportierte Pflanzenöl steckt in jedem zehnten Supermarktprodukt: in Kosmetika, Margarine, Waschmitteln, Süßigkeiten und vielem mehr. Gleichzeitig kann Palmöl als Biokraftstoff dienen und konventionellem Sprit beigemischt werden. Dieser Verwendungszweck soll durch massive Produktionssteigerung forciert werden.
Dabei wollen Indonesien und Malaysia sich nicht wehtun - im Gegenteil. Kuala Lumpur und Jakarta denken über ein Kartell nach, über eine Art Opec für Palmöl. Laurens Rademakers von der Bioenergieorganisation Biopact sieht "zukünftige Biospritgroßmächte" auf die Welt zukommen. Das Knowhow für eine massenhafte Vermarktung wäre vorhanden, denn die Bioinitiativen kommen aus zwei Staaten, die bereits Öl und Gas fördern. Malaysias Staatsbetrieb Petronas spielt in der zweiten Weltliga der Energiekonzerne oben mit. Indonesien ist Opec-Mitglied und weltgrößter Exporteur von natürlichem Flüssiggas.
Beide Länder erklären entschiedener als ihre Ölabnehmer, sich beim Energiemix breiter aufstellen zu wollen. Indonesiens Präsident Yudhoyono hat eine Biokraftstoffkommission gegründet, die einen Plan erstellt. "2006 wird vorbereitet, 2007 umgesetzt", verspricht Yudhoyono, "die Entwicklung von Biokraftstoff schafft mehr Arbeit und reduziert Armut." Exarbeitsminister Al Hilal Hamdi, Chef der neuen Biokraftstoffkommission, hofft auf 3,6 Millionen Arbeitsplätze: "Die Förderung von Biokraftstoff könnte helfen, eine soziale Wirtschaft zu entwickeln, in der ländliche Kleinbetriebe und damit die einfachen Leute profitieren."
Doch die Ökovision hat zwei Haken. Erstens hat Jakarta keine 22 Milliarden US-Dollar, um die alternative Energiebranche in Fahrt zu bringen. Investoren seien dazu eingeladen, heißt es. Der Dreh geht schon seit dem Januar 2005 beim Versuch schief, für 91 Infrastrukturprojekte 150 Milliarden ausländische Dollar ins korrupte, rechtsunsichere, bürokratische Indonesien zu holen. Bislang kamen nur sechs Milliarden Dollar.
Hinzu kommt die absehbare Umweltzerstörung. Denn die Ökoidee ist nur auf den ersten Blick grün. Wer sehr viel Biokraftstoff verwenden will, braucht sehr viel Pflanzenöl. Für die Produktion bestehende Landwirtschaftsflächen zu nutzen, ist in Indonesien keine gute Idee: Die Reis- und Gemüseernten würden dadurch zurückgehen, und die wichtigen Güter damit teurer werden - verheerend in einem Land, in dem 120 Millionen Menschen mit weniger als zwei US-Dollar über den Tag kommen müssen. Also kann der Biokraftstofftraum nur auf bisher landwirtschaftlich nicht genutzter Fläche realisiert werden. "Wir werden 6,5 Millionen Hektar bereitstellen, davon drei Millionen für Ölpalmen, jeweils 1,5 Millionen für Jatropha und Maniok sowie 500 000 Hektar für Zuckerrohr", kündigt der Pflanzenölvisionär Hilal an. Wo die Flächen sein sollen, sagt er nicht. 6,5 Millionen Hektar - Kroatien ist kleiner.
Indonesiens neue Megaplantagen könnten nur in Papua sowie auf Borneo und Sumatra entstehen. Nur dort gibt es weite, flache Gebiete, die dünn oder unbesiedelt sind. Allerdings zählen die Gegenden zu den letzten Tropenwaldparadiesen der Welt. Wird der Wald für Plantagen, also für Monokulturen abgeholzt, ist das Aussterben des Orang-Utans besiegelt. Auf Borneo kämpfen Umweltschützer gegen den längst bekannten Plan, entlang der Grenze zu Malaysia die größte Ölpalmenplantage der Welt zu schaffen. Sie soll fast so groß wie Slowenien werden. Im Eifer ignorieren die Planer aber, dass diese Grenze fast durchgehend in den Bergen liegt. Dort fühlen sich Orang-Utans sehr und Ölpalmen gar nicht wohl.
"Es macht keinen Sinn, den Wald aus dem Herzen Borneos herauszureißen für eine Pflanze, die da nicht wachsen kann", meint Mubariq Ahmad vom WWF. Und auch eine andere Kleinigkeit scheint Indonesiens Regierung im Biokraftstoffrausch zu verdrängen: Ölpalmensetzlinge brauchen einen kahlen Boden. Eine Brandrodung aber würde Singapur, Malaysia und Teile Indonesiens mit so genanntem "Haze" vernebeln. Schon heute ist der Rauch, der durch Waldbrände auf Sumatra oder Borneo entsteht, ein ernsthaftes Umweltproblem in Südostasien.