Honduras: 25 Morde für Palmöl mit Weltbank-Kredit

Im Aguan-Tal in Honduras herrscht Krieg um das Palmöl

Im Aguan-Tal in Honduras führt der Palmöl-konzern Dinant einen blutigen Krieg. Die Firma soll sich das Land von 700 Bauernfamilien angeeignet haben – insgesamt 11.000 Hektar. Die Bauern haben Teile der Palmölplantagen besetzt. Dinant reagiert darauf mit Gewalt. 25 Tote sind zu beklagen, mindestens 19 Morde werden nach Medienangaben dem Konzern angelastet. Finanziert werden der Ausbau von Dinant und der Ölpalmplantagen mit einem 30-Millionen-US-Dollar-Kredit der Weltbank. Und der bundeseigenen DEG aus Köln liegt ein weiterer Kreditantrag über 20 Millionen US-Dollar vor.

Im Aguan-Tal in Honduras führt der Palmöl-konzern Dinant einen blutigen Krieg. Die Firma soll sich das Land von 700 Bauernfamilien angeeignet haben – insgesamt 11.000 Hektar. Die Bauern haben Teile der Palmölplantagen besetzt. Dinant reagiert darauf mit Gewalt. 25 Tote sind zu beklagen, mindestens 19 Morde werden nach Medienangaben dem Konzern angelastet. Finanziert werden der Ausbau von Dinant und der Ölpalmplantagen mit einem 30-Millionen-US-Dollar-Kredit der Weltbank. Und der bundeseigenen DEG aus Köln liegt ein weiterer Kreditantrag über 20 Millionen US-Dollar vor.

Mit einer 200 Mann starken Privatarmee, darunter Paramilitärs aus Kolumbien, lässt der Palmölkonzern Dinant des Agrarunternehmers Miguel Facussé die Menschen im Aguan-Tal im Norden von Honduras terrorisieren und umbringen, berichtet das Entwicklungsjournal Welt Sichten.

„Sie erschießen Bauern wie Tiere“, erklärt Lidia Ramos aus der Siedlung La Concepción gegenüber einer Abordnung von Menschenrechtlern und Medienvertretern aus Deutschland. Mindestens 19 Morde werden Facussé und seiner Corporación Dinant angelastet.

Dinant soll sich mit Tricks und der Komplizenschaft der Regierung das Land von 700 Bauernfamilien angeeignet haben – insgesamt 11.000 Hektar. Die Bauern haben Teile der Palmölplantagen besetzt. Der Konzern versucht den Landkonflikt mit Gewalt zu lösen und schreckt auch nicht vor Mord zurück.

Im Januar 2009 genehmigte die International Finance Corporation (IFC), der für die Privatwirtschaft zuständige Teil der Weltbank, der Corporación Dinant einen 30-Millionen-US-Dollar-Kredit, der am 5. November des gleichen Jahres überwiesen wurde (Nummer 27.250). Ziel der Finanzierung ist es, „die Produktionskapazitäten zu erweitern“ und „neue Ölpalmplantagen zu entwickeln“.

In Deutschland hat Dinant weitere 20 Millionen US-Dollar beantragt. Die bundeseigene DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, die zur staatlichen KfW- Bankengruppe gehört, prüft aktuell das Gesuch, wie die Kölner Gesellschaft Rettet den Regenwald gegenüber schriftlich bestätigte. Aufgrund des Bankgeheimnisses will die DEG aber keine Angaben zur Prüfung und zum Status der Finanzierung machen.

Rettet den Regenwald fordert Weltbank und DEG auf, keine Kredite und Entwicklungsgelder an die Palmölindustrie zu geben. Die riesigen Monokulturen sind weder umweltfreundlich noch kommen sie den Menschen zugute. Die Palmölproduktion für den Weltmarkt und Agrardiesel (sogenannter Biodiesel) ist tödlich für Mensch, Umwelt und Klima.

Bitte schreiben Sie an Weltbank und DEG. Keine Weltbank-Kredite für Palmöl und Dinant. Der bereits an Dinant ausgezahlte Weltbankkredit muss zurückgezahlt werden. Die DEG soll den Projektantrag unverzüglich ablehnen.

Erfolg 8. April: Die DEG hat auf unsere Aktion bereits reagiert. In einem Antwortschreiben informiert die Bank: "Vor dem Hintergrund der Entwicklung des Landkonfliktes hat sich die DEG entschieden, das Vertragsverhältnis nicht fortzusetzen und das Darlehen damit nicht auszuzahlen." Die Protestaktion an die Weltbank geht aber weiter.

Erfolg 14. April: Der französische Energiekonzern EDF erklärt nach Medienangaben den CO2-Handel mit Dinant zu stoppen. Im Rahmen des Handels mit Verschmutzungsrechten hat EDF über den Clean Development Mechanism (CDM) der Vereinten Nationen ein Klimaprojekt aus Palmölresten finanziert.

Weitere Informationen...

Menschenrechtsaktivisten haben die Verbrechen von Dinant in einem 48 Seiten starken Bericht zusammengefasst, der im Rahmen eines Treffens der Inter-amerikanischen Menschenrechtskommission Ende März übergeben wurde. Dazu gehört der Mord an fünf Bauern am 15. November 2010 in El Tumbador, der direkt den privaten Sicherheitskräften von Facussés Firma angelastet wird.

Es geht um Tausende Hektar ehemals kollektiv bewirtschafteter Ländereien, die sich Konzernchef Facussé angeeignet hat, so die Vorwürfe. Die Bauern fühlen sich betrogen und haben die Palmölplantagen nun besetzt. Die Siedlung La Concepción wurde zwischen den Palmölreihen mit Plastikplanen errichtet. 20.000 Hektar sollen Dinant bereits gehören, einschließlich Palmölmühlen und Verarbeitungsfabriken.

Eine internationale Koalition von Menschenrechtsorganisationen bereitet nun eine formelle Klage bei der Weltbank vor. Am 24. März haben die Aktivisten sich bereits mit der dafür zuständigen Weltbank-Stelle, dem Compliance Advisor Ombudsman (CAO) in Washington getroffen. Die Weltbank soll die schweren Menschenrechtsverletzungen untersuchen und die Durchführung des Projekts stoppen, so die zentralen Forderungen.

Vorbild ist die erfolgreiche Klage bei der Weltbank gegen den Palmölkonzern Wilmar aus Singapur, bei dem viele europäische Multis wie Unilever, Nestle und Ikea Palmöl kaufen. Wilmar kam gleich mehrfach in den Genuss von Weltbank-Krediten, obwohl der Konzern tief in Landraub, Menschenrechtsverletzungen und Regenwaldvernichtung verstrickt ist. Die Klage von Kleinbauern in Indonesien bei der Beschwerdestelle CAO der Weltbank hatte schließlich Erfolg. CAO untersuchte die Klagen, bestätigte die Vorwürfe und forderte die Weltbank zum Handeln auf.

Weltbank-Präsident Zoellick hatte daraufhin im September 2009 sämtliche Kredite für die Palmölindustrie ausgesetzt und angeordnet, dass die Bank eine umfassende Palmölstrategie erarbeiten müsse. Letztere liegt inzwischen in der Endfassung vor und wurde am 24. März vom Weltbankdirektorium abgesegnet. Doch die neue Strategie ist weiter völlig unzureichend und kann auch in Zukunft derartige Fehlinvestitionen nicht verhindern.

Nun liegt die Entscheidung bei Weltbank-Präsident Zoellick, ob das Palmöl-Moratorium wieder aufgehoben wird. Seine Entscheidung könnte noch im April fallen. Rettet den Regenwald fordert, dass Palmölmoratorium weiterhin aufrecht zu erhalten.

Weitere Informationen auf Spanisch finden Sie hier.

Bauern kämpfen mit einem großen Banner für Umverteilung des LandesBauern kämpfen für Umverteilung des Landes

03.07.2012

Honduras: Landrechte für Bauern

Nach einem langen, verlustreichen Konflikt entschieden nun zwei Regionalgerichte in Trujillo und Tocoa, dass die Plantagen des berüchtigten Konzerns Dinant zu Unrecht auf Bauernland in Bajo Aguan errichtet wurden.
Die Richter ordneten die Räumung der Plantagen an, damit das Land an die Bauern zurückgegeben werden kann.

Eigentlich war es bisher kein gutes Zeichen für die Kleinbauern im Tal von Bajo Aguan im Norden von Honduras, wenn die Polizei anrückte. Doch letzten Freitag, den 29.6.2012 kamen die Sicherheitskräfte nicht, um die Bauern zu schikanieren, sondern um sie vor den Paramilitärs der Großgrundbesitzer Miguel Facussé und René Morales zu schützen. Nach einem langen, verlustreichen Konflikt entschieden nun zwei Regionalgerichte in Trujillo und Tocoa, dass die Plantagen der Unternehmer zu Unrecht auf dem Land errichtet wurden. Die Polizei soll nun die Räumung der Plantagen überwachen, damit das Land an die Bauern zurückgegeben werden kann.

Großgrundbesitzer illegal auf Bauernland

Seit 1994 besetzen die Großgrundbesitzer die drei Fincas San Isidro, La Trinidad y El Despertar. Auf dem Land bauen sie Palmöl-Plantagen für die Produktion und den Export von Agrotreibstoff und Speiseöl an. Die Bauern im Tal reklamieren den Grund und Boden für sich und klagen an, dass sie von den Sicherheitsleuten der Firma gewaltsam vertrieben wurden. Für die Bauern handelt es sich um einen klaren Fall von Landraub. Die etwa 700 Familien schlossen sich zusammen und gründeten die Organisation Movimiento Auténtico Reivindicador del Aguán (MARCA). Seit 18 Jahren kämpfen sie für das Recht auf ihr Land zurückkehren zu können. Genauso lange versucht der Agrarindustrielle Facussé die Bauern mit extremer Gewalt zum Schweigen zu bringen. Seit Januar 2010 sind in der Region 64 Menschen ermordet worden, darunter viele Bauern. Mindestens 19 Morde werden nach honduranischen Medienberichten dem Dinant-Konzern von Facussé angelastet. Miguel Facussé stammt aus einer der einflussreichsten Unternehmerfamilien in Honduras. Ihm werden beste Kontakte zum Militär und, nach WikiLeaks-Berichten, auch zur Drogenmafia nachgesagt. Zudem scheint Facussé auch beste Verbindungen zum WWF zu haben, denn im Mai 2010 beschlossen Dianant und der WWF eine Kooperation. 

Bajo Aguan – Urteil mit Symbolwirkung für Honduras

Die aktuelle Gerichtsentscheidung stärkt die Rechte der Bauern und bestätigt deren Anspruch auf die Landtitel in Bajo Aguan. Nun ist abzuwarten wie die hochbezahlten Anwälte von Facussé reagieren und welchen politischen Einfluss der mächtige Unternehmer spielen lässt. Unabhängig davon ist es als Erfolg zu werten, dass sich die Richter von Trujillo und Tocoa nicht von der Macht Facussés einschüchtern lassen und den Bauern ihre Landrechte zusprechen.

Die Bauern in Bajo Aguan werden seit April 2010 von Rettet den Regenwald mit Petitionen und Öffentlichkeitsarbeit in ihrem Bemühen um Gerechtigkeit und eine Agrarreform unterstützt. Eine Kampagne gegen die internationale Finanzierung der Facussé – Plantagen bewegte die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG dazu einen geplanten Kredit für Dinant zurückzuziehen.

Hier finden Sie die Erklärung von FIAN Honduras zu dem aktuellen Gerichtsbeschluss.