Erfolg in Tasmanien: Holzkonzern beendet Urwaldabholzung

10.09.2010

Der australische Holzkonzern Gunn Limited ist in Tasmanien Inbegriff für die rücksichtslose Abholzung der einzigartigen Urwälder der Insel. Nun konnte Gunn dem erbitterten Widerstand und öffentlichen Druck gegen den Raubbau nicht länger standhalten. Am 9. September 2010 gab das Unternehmen bekannt, den Holzeinschlag in den natürlichen Wäldern beenden zu wollen. Das ist in jedem Fall ein großer Erfolg und Schritt in die richtige Richtung. Allerdings ist das angekündigte Umschwenken auf Plantagenholz keine Lösung und wohl eher ein Versuch von Gunn, den Bau einer geplanten riesigen Zellstofffabrik zu retten. Rettet den Regenwald hatte am 25. September 2009 die Protestaktion „Geplante Zellstofffabrik droht Tasmanischen Teufel auszurotten“ begonnen, an der 10 776 Menschen teilgenommen haben. Für die Ausrüstung der Fabrik hatte sich der österreichische Anlagenbauer Andritz AG beworben. Die staatliche Österreichische Kontrollbank (OeKB) wiederum unterstützte Andritz bei dem Projekt mit finanziellen Garantien. Die von Gunn geplante riesige Papierfabrik soll bis zu bis zu vier Millionen Tonnen Holz pro Jahr verschlingen und wäre die drittgrößte ihrer Art weltweit. In Australien steht die Diskussion um die Gunn-Fabrik ganz oben auf der aktuellen Umweltagenda und die Zukunft der Papierfabrik mehr denn je auf tönernen Füßen. Zahlreiche Gerichtsverfahren wurden gegen Gunn angestrengt. Eine Klage von Gunn gegen 20 Umweltschützer einschließlich des Chefs der Grünen Partei endete letztes Jahr nach einer Prozessdauer von fünf Jahren in einem für Gunn finanziell verlustreichen Vergleich. Zuletzt musste auch der bisherige Geschäftsführer von Gunn seinen Stuhl räumen. Er soll in illegale Insidergeschäfte verwickelt sein. Die neue Führung des Konzerns setzt nun nach eigenen Worten auf eine „nachhaltige Forstwirtschaft“. Allerdings sind industrielle Eukalyptus-Plantagen kein Ersatz für die Urwälder. Die Auseinandersetzungen mit Gunn gehen deshalb weiter. Die Monokulturen mit schnellwachsenden Hölzern sind grüne Wüsten und bieten Tieren und Pflanzen keinen Lebensraum. Sie ruinieren außerdem Böden und Gewässer. Das Ziel muss deshalb die naturnahe und schonende Bewirtschaftung von Teilen der bereits von der Holzindustrie genutzten Wälder sein. Die in Tasmanien verbliebene unberührte Wildnis sollte aber in jedem Fall unter Schutz gestellt und unangetastet bleiben. Nur 20 Prozent der Urwälder der Insel sind dem Kahlschlag der Holzindustrie verschont geblieben. In den sehr artenreichen Regenwäldern – mit tausendjährigen und bis zu hundert Meter hohen Eukalyptusbäumen – lebt auch der gefährdete Tasmanische Teufel. Der größte noch lebende Raubbeutler der Welt ist neben der Zerstörung seines Lebensraumes auch durch eine geheimnisvolle Krankheit vom Aussterben bedroht. Generell ist es sehr wichtig, auf Papier und Zellstoff so weit wie möglich zu verzichten bzw. sehr sparsam damit umzugehen. Computerdokumente sollten beispielsweise digital abgespeichert und nur wenn unbedingt notwendig möglichst beidseitig ausgedruckt werden. Außerdem sollte sämtliches Papier nach dem Gebrauch recycelt und in die entsprechenden Wertstofftonnen gegeben werden. In Deutschland werden aktuell pro Einwohner jedes Jahr 226 kg Papier konsumiert. 14 Millionen Tonnen an Zellstoff, Papier und Pappe werden dazu jährlich aus dem Ausland importiert. Derartige Mengen lassen sich schwerlich umweltfreundlich herstellen. Der ungeheure Papierkonsum muss deshalb drastisch vermindert werden. Lesen Sie auch: „Andritz und Kontrollbank: Hände weg von Tasmaniens Urwäldern!“