Erfolg in Indonesien: Freispruch für Bürgermeister Rusdi – Schlag für Palmölkonzern

10.10.2010

Die Menschen von Karang Mendapo auf der indonesischen Insel Sumatra feierten ein großes Fest: Ihr Bürgermeister Muhammad Rusdi hatte auf ganzer Linie einen Freispruch errungen gegen seinen mächtigen Widersacher, den Palmölkonzern Sinar Mas. Der Weg zu diesem Sieg jedoch war steinig und lang:

Die Menschen von Karang Mendapo auf der indonesischen Insel Sumatra feierten ein großes Fest: Ihr Bürgermeister Muhammad Rusdi hatte auf ganzer Linie einen Freispruch errungen gegen seinen mächtigen Widersacher, den Palmölkonzern Sinar Mas. Der Weg zu diesem Sieg jedoch war steinig und lang:

Am 28. Januar 2009 hatte Sinar Mas Muhammad Rusdi durch Militärpolizei verhaften lassen; man warf ihm Betrug und Unterschlagung vor. In Wirklichkeit aber war es eine Falle: Der mutige Bürgermeister sollte mundtot gemacht werden, denn er und seine Dorfbewohner wehrten sich seit vielen Jahren mit allen Mitteln gegen den Konzern und seine kriminellen Machenschaften.

„Sinar Mas hat unser Land gestohlen und den Wald abgeholzt,“ sagt Rusdi. „Wir haben uns den Bulldozern in den Weg gestellt, doch wir konnten die Palmöl-Plantagen nicht verhindern. Wir haben demonstriert, sind vor das Rathaus gezogen, und man gab uns offiziell das Land zurück.“ Doch Sinar Mas ersann neue Tricks – und forderte drei Millionen Euro, die in die Plantage investiert worden waren. Muhammad Rusdi und die Bauern gaben nicht auf. Sie fuhren zur Demonstration in die indonesische Hauptstadt Jakarta, selbst auf dem Weltklimagipfel in Bali Ende 2007 verschafften sie sich Gehör. Der Bürgermeister und sein streitbares Dorf wurden zum Vorbild für die ganze Region. Dann schickte Sinar Mas seine Schergen.

Sechs Monate saß Muhammad Rusdi im Knast, doch seinen Mut und seine Hoffnung hatte er niemals verloren. Denn er wusste auch von der tausendfachen Unterstützung aus Deutschland: Über seinen indonesischen Partner Feri Irawan hatte Rettet den Regenwald von der Verhaftung erfahren, eine Protestaktion gestartet und das Gericht mit weit mehr als 10.000 Unterschriften bombardiert. Und mit Spendengeldern finanzierte der Verein die kundigsten Anwälte aus Jakarta. Dennoch lautete das Urteil im Juli 2009: zehn Monate Freiheitsstrafe; die sechs abgesessenen wurden angerechnet, die restlichen vier zur Bewährung ausgesetzt. Sinar Mas schien damit zunächst am Ziel. Denn wer zu mindestens zehn Monaten Haft verurteilt wird, darf nie mehr Bürgermeister sein. Rusdis Anwälte gingen in die Revision und erreichten nun die Aufhebung des Urteils.

„Wir haben damit Sinar Mas erfolgreich in die Flucht geschlagen,“ berichtet Feri Irawan, den ein Team von Rettet den Regenwald Ende September auf Sumatra getroffen hat. „Die Bauern von Karang Mendapo sind jetzt wieder die freien Bauern, die sie immer waren – das Land, das Sinar Mas ihnen gestohlen hat, gehört endgültig ihnen. Der Konzern hat sich zurückgezogen.“

Die Palmölfrüchte werden noch geerntet und verkauft – mit dem Erlös bezahlen die Familien das Schulgeld für ihre Kinder. Doch hier und da kehrt jetzt der Wald auf die verwilderten Plantagen zurück. „Die Bauern haben schon Kautschuk- und andere Urwaldbäume zwischen die Palmen gepflanzt,“ sagt Feri Irawan. Der Regenwaldkämpfer ist sich sicher, dass der Sieg der Bauern über die großen Palmölkonzerne in seiner Heimat Indonesien nicht mehr aufzuhalten ist.