Peru: Regierung annuliert Mega-Staudammprojekt

28.06.2011

Die peruanische Regierung hat die Genehmigung zum Bau des umstrittenen Inambari-Wasserkraftwerks zurückgezogen. Damit reagierte Lima auf die heftigen Proteste der Bevölkerung. Seit Wochen gehen tausende Menschen in der Region am Titicacasee auf die Straße.

Die peruanische Regierung hat die Genehmigung zum Bau des umstrittenen Inambari-Wasserkraftwerks zurückgezogen. Damit reagierte Lima auf die heftigen Proteste der Bevölkerung von Puno. Seit Wochen gehen tausende Menschen in der Region am Titicacasee auf die Straße und fordern Informationen und Mitbestimmungsrechte bei der Vergabe solcher Megaprojekte ein.

Das Inambari-Wasserkraftwerk ist ein binationales Energieprojekt von Peru und Brasilien. Aufgrund der riesigen Flüsse, die sich in Peru über hohe Berge und durch tiefe Täler ziehen, hat das Land ein großes Potenzial zur Erzeugung von Strom aus Wasserkraft. Inambari soll 2200 Megawatt Leistung pro Jahr erbringen und kostet nach Angaben des peruanischen Bergbau- und Energieministeriums (MINEM) vier Milliarden US-Dollar. Das Projekt umfasst 6 Kraftwerke mit einer Laufzeit von mindestens 30 Jahren. Der Großteil des Stroms aus dem Inambari – Wasserkraftwerk soll nach Brasilien fließen.

Die Mega-Projekte bergen allerdings ein immenses Konfliktpotenzial, da sie immer wieder ohne vorherige Information und Konsultation der ansässigen Bevölkerung geplant und beschlossen werden. In Peru wären die drei Regionen Puno, Cusco und Madre de Dios von den Folgen des Projektes betroffen. Geschätzte 221.000 Hektar Land würden von den entstehenden Stauseen überflutet. Riesige Flächen Regenwald und Land zur Nahrungsmittelproduktion würden im Wasser versinken.

Für Inambari müssten mehr als 15.000 Menschen umgesiedelt werden. Zudem bedroht das Projekt das sensible Ökosystem und die Artenvielfalt des Bahuaja – Sonene Nationalparks. Der wird von der National Geographic Society als eines der weltweit wichtigsten Naturdenkmäler eingestuft. Weitere ökologische und sozialen Folgen des Projektes sind in ihren Ausmaßen nicht abzuschätzen, da verpflichtende Studien darüber bisher nicht veröffentlicht worden.

Die Bevölkerung Punos, in der Mehrheit Angehörige der ethnischen Gruppe der Aymara, haben es nun mit ihren Protesten geschafft, die Regierung wieder an den Verhandlungstisch zu zwingen. Regierungsvertreter ließen verlauten, dass eine Wiederaufnahme des Inambari-Projektes nicht ohne vorherige Konsultationen der ansässigen Bevölkerung stattfinde.