Erfolg: EU beschließt Kennzeichnungspflicht für Palmöl

06.07.2011

Die neue Lebensmittelinformationsverordnung der EU sieht vor, dass Produkte besser gekennzeichnet werden müssen. Bei Ölen und Fetten muss in Zukunft in Klammern angegeben werden, um welches Öl es sich handelt, also beispielsweise Sonnenblumenöl oder Palmfett

Am 6. Juli 2011 hat die Europäische Union (EU) der neuen Lebensmittelinformationsverordnung zugestimmt. Drei Jahre lang hatten die Abgeordneten des EU-Parlaments mit Industrievertretern, Verbraucherschützern, Regierungen und der EU-Kommission verhandelt. Nach dem nun beschlossenen Kompromiss müssen die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln besser gekennzeichnet werden.

In Zukunft muss auf den Verpackungen namentlich angegeben werden, welche Öle und Fette in den Produkten konkret enthalten sind. Bei Mischungen von „pflanzlichen Ölen oder Fetten“ müssen nun unmittelbar danach in Klammern namentlich die enthaltenen Öle oder Fette angegeben werden, also beispielsweise Palmöl, Rapsöl, Sojaöl, usw. und die Reihenfolge der Bestandteile erfolgt nach abnehmenden Gewichtsanteil.

Das erleichtert den Verbrauchern die Entscheidung. Produkte mit schädlichen Inhaltsstoffen wie Palmöl können so leichter identifiziert und im Warenegal stehen gelassen werden. Bisher konnte die Lebensmittelindustrie das in den Produkten enthaltene Palmöl unter der Bezeichnung „Pflanzliche Öle und Fette“ verschleiern. Die neue Verordnung wird voraussichtlich noch im Jahr 2011 in Kraft treten. Allerdings müssen Hersteller die Regelungen erst innerhalb von drei Jahren anwenden.

Palmöl ist das mit Abstand billigste Pflanzenöl auf dem Weltmarkt. Die Lebensmittelindustrie verarbeitet große Mengen von importiertem tropischen Palmöl- und -fett. Es ist in fast jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten: In Keksen und Gebäck, Speiseeis, Soßen und Fertigpizzen, aber auch in Haushaltsreinigern, Waschmitteln, Seifen und Kerzen. Aufgrund seines besonders hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren ist Palmöl für die Gesundheit bedenklich.

Doch nicht nur die Erzeugung von Palmöl hat katastrophale Auswirkungen auf die Natur und das Leben der Menschen in den Regenwaldländern. Auch andere tropische Pflanzenöle wie Kokosfett und Sojaöl sind genauso schädlich.

Das Hauptproblem liegt in der enorm hohen Nachfrage auf dem Weltmarkt. Um derartig große Mengen zu erzeugen, werden in den Tropen riesige industrielle Monokulturen mit Öl- und Kokospalmen und Soja angelegt. Die Plantagen werden zumeist in Regenwäldern und tropischen Savannengebieten gerodet. Die dort lebenden Menschen werden von ihrem Land vertrieben, Böden und Gewässer mit Düngemitteln, Herbiziden und Pestiziden verseucht.

Rettet den Regenwald fordert deshalb ein generelles Importverbot für Palm-, Kokos- und Sojaöl. Die für den europäischen Bedarf benötigten Pflanzenöle können und sollten auf heimischen Äckern angebaut werden.

Den Änderungsbeschluss der EU können Sie hier finden (auf Englisch): http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+AMD+A7-2011-0177+136-136+DOC+PDF+V0//EN

Update 27.11. 2013: Die neue EU-Lebensmittelinformationsverordnung ist mit der amtlichen Veröffentlichung des Gesetzestextes am 12. Dez. 2011 in Kraft getreten. Nun müssen die Hersteller bis spätestens dem 13. Dez. 2014 die Verordnung erfüllen.

Update 5.2.2013: Fragen und Antworten zur Anwendung der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel auf der Webseite der EU-Kommission