Webinar mit kritischen Stimmen aus Brasilien zum Handelsabkommen EU-Mercosur vom 8. Okt. 2021

Indigene Frauen in Brasilien protestieren mit einem Banner gegen die Abholzung ihrer Regenwald- und Schutzgebiete © Apib Comunicação - CC BY-SA 2.0

06.10.2021

Was sagen südamerikanische Umwelt- und Entwicklungsorganisationen zu dem Freihandelsabkommen, das die EU Kommission und die südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay vereinbart haben? Waren sie an den Verhandlungen beteiligt, wurden die Rechte der Menschen und der Schutz der Natur darin ausreichend berücksichtigt?

Freitag, 08.10.21, 18-20:00 Uhr
Online-Veranstaltung via Zoom (Simultanverdolmetschung deutsch-portugiesisch)

Nachfolgend der Bericht auf 16 Seiten der brasilianischen Organisation De Olho nos Ruralistas für Rettet den Regenwald in vier Sprachen (Deutsch, Port.-Brasilianisch, Englisch und Spanisch). Stand: 8. Oktober 2021:

Bericht "EU-MERCOSUR-FREIHANDELSABKOMMEN - Keine Bürgerbeteiligung und Rechte, dafür Kahlschlag der Wälder" auf Deutsch: https://www.regenwald.org/files/de/Bericht-Kritik-am-EU-Mercosur-Abkommen-10-21.pdf

Relatorio "ACORDO DE LIVRE COMÉRCIO UNIÃO EUROPEIA-MERCOSUL - Sem Participação, Cortando Florestas e Direitos" auf Portugiesisch/Brasilianisch: https://www.regenwald.org/files/de/Criticas-ao-Acordo-UE-Mercosul-10-21.pdf

Report "NO PARTICIPATION, NO DEAL: Grassroots organizations demand environmental safeguards in the EU-Mercosur trade agreement" https://www.regenwald.org/files/de/Critique-of-the-EU-Mercosur-Agreement-10-21.pdf

Informe "TRATADO UNIÓN EUROPEA-MERCOSUR Sin participación, recortando selvas y derechos": https://www.regenwald.org/files/de/Informe-Critico-Acuerdo-UE-Mercosur-10-21.pdf

Hintergrund

Seit nahezu 20 Jahren wird das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und den Ländern des Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) verhandelt. Ziel des Freihandelsabkommens ist die Beseitigung von Handelsschranken im Rahmen eines umfassenden Assoziationsabkommens. Ende Juni 2019 wurde eine Einigung getroffen – seither wird an der Erarbeitung eines unterzeichnungsreifen Vertrags gearbeitet.

Das Abkommen steht seit langem in der Kritik – auf beiden Seiten des Atlantiks: Soziale Bewegungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Klimagerechtigkeitsbewegung kritisieren, dass ein Inkrafttreten des Abkommens ein Rückschlag für Landwirtschaft, Menschenrechte, Umwelt-, Klima- und Verbraucherschutz wäre.

Ein zentrales Ziel des EU-Mercosur-Abkommens ist es, die Importe von Fleisch, Soja und Ethanol in die EU zu erhöhen – ganz im Sinne des mächtigen brasilianischen Agrobusiness, das von der seit Januar 2019 amtierenden Regierung unter dem rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro einen Freifahrtschein für die Durchsetzung seiner Interessen erhalten hat. So treibt das Abkommen auch in Brasilien ein Landwirtschaftsmodell voran, das auf den Anbau von landwirtschaftlichen Produkten in riesigen Monokulturen und massiven Pestizideinsatz setzt und dadurch die Artenvielfalt, das Klima und Menschen in den Regionen schädigt.

Die mit dem Abkommen beabsichtigte Steigerung brasilianischer Agrarexporte in die EU wird also die Erzeugung der o.g. Produkte ausweiten, die schon heute Ursachen für die Zerstörung des Amazonasregenwaldes, des Cerrados und der Trockenwälder des Chaco sind, die eine essentielle Bedeutung für die Stabilisierung des Weltklimas und für die biologische Vielfalt haben. Zudem wird das Abkommen in Brasilien absehbar zu einer Zunahme von Menschenrechtsverletzungen, wie der Vertreibung von Kleinbauern und -bäuerinnen sowie Indigenen von ihrem Land führen, deren Zugang zu Land und Landrechte aushebeln. Schon heute ist die Menschenrechtslage in Brasilien desaströs.

Gemeinsam mit Partner*innen aus Brasilien wollen wir mit dieser Veranstaltung die Rolle des brasilianischen Agrobusiness und dessen Strategien der Interessendurchsetzung beleuchten sowie Stimmen derjenigen anhören, die unmittelbar von der damit einhergehenden zügellosen Zerstörung ihrer Territorien und Lebensgrundlagen betroffen sind.

Freitag, 08.10.21, 18-20:00 Uhr
Online-Veranstaltung via Zoom (Simultanverdolmetschung deutsch-portugiesisch)

Mit:
Moderation: Christian Russau (FDCL)
Jeremy Oestreich (PowerShift)
Bruno Stankevicius Bassi (De Olho nos Ruralistas / Sao Paulo)
Celia Xakriabá (Articulação Brasileira dos Povos Indígenas – ABIP; angefragt)
Denildo Gonçalves (nationaler Koordinator von Quilombola Black Rural Communities – CONAQ)

Verantstalter*innen:
Rettet den Regenwald und FDCL in Kooperation mit De Olho nos Ruralistas

Publikationshinweise:
Amazonien und die Regierung Bolsonaro: Zerstörung und Widerstand
Extraktivismus und Territorialkonflikte in Brasilien – Deutsch-brasilianische Beziehungen auf dem Prüfstand
EU-MERCOSUR – Voran in die (Klima-)Krise