Credit Suisse fühlt sich unschuldig am Regenwald-Raubbau

15.07.2009

Mehr als 11.000 Menschen haben sich innerhalb einer Woche an unserer Protestaktion beteiligt. Credit Suisse hat reagiert. Lesen Sie hier die Stellungnahme der Bank und unser Antwortschreiben.

Antwortschreiben von Rettet den Regenwald e.V. zur „Stellungnahme“ der Credit Suisse

Berlin, 15. Juli 2009 Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben Ihre Stellungnahme bezüglich unserer Protestaktion gegen die Credit Suisse wegen der Aktienemission für den Konzern Golden Agri-Resources erhalten. Eine Antwort darauf, wie und vor allem anhand welcher Kriterien die Credit Suisse „Geschäfte in ökologisch sensitiven Industrien" prüft, sind Sie leider weiter schuldig geblieben. Solange die Bank nicht ihren „internen Risiko-Prüfungsprozess" veröffentlicht, können wir diesen nicht beurteilen, und Ihre Worte bleiben eine nicht nachprüfbare Behauptung. In jedem Fall ist dieser Prozess aber völlig unzureichend, sonst hätte die Aktienemission für Golden Agri Resources (GAR) niemals genehmigt werden dürfen.

Wir waren persönlich im Mai/Juni in Indonesien und möchten Ihnen – stellvertretend für viele weitere Tragödien, wie Palmölkonzerne mit Einverständnis der indonesischen Regierung vorgehen – das nachfolgende Beispiel für die Menschenrechtsverletzungen durch den Konzern Sinar Mas, zu dem GAR gehört, geben: Auf der Insel Sumatra konnten wir uns selbst davon überzeugen, mit welchen Methoden sich die Palmölfirma Land für ihre Plantagen aneignet. Quasi über Nacht hat die Firma dort 1000 Hektar Wald abholzen lassen, der den Bewohnern des Dorfes Karang Mendapo gehörte. Der Bürgermeister Muhammad Rusdi und die Bauern haben sich mutig gewehrt – schließlich gab ihnen der Gouverneur von Jambi offiziell das gestohlene Land zurück. Daraufhin forderte Sinar Mas von den Bauern 3 Millionen Euro für die Investitionen in die Plantage. Die Bauern dürfen seitdem ihr Land nicht mehr betreten, Rusdi wurde aus dem Weg geschafft, indem man ihn wegen angeblicher Unterschlagung verhaften ließ. Er sitzt seit einem halben Jahr im Gefängnis – das Urteil wird im Juli erwartet.

Wir haben Ihren Bericht „Unternehmerische Verantwortung 2008“ auf Ihrer Webseite studiert. Es finden sich viele wohlklingende Schlagworte wie Nachhaltigkeit, Verantwortung, Vertrauen, Sorgfalt, Dialog und Engagement, aber nichts Konkretes. Ganz offensichtlich hapert es bei der Credit Suisse, diese Ansprüche auch in die tägliche Praxis umzusetzen. Dort steht auch zu lesen, dass die Credit Suisse sich an der Klima-Diskussion und an verschiedenen Arbeitsgruppen zum Klimawandel beteiligt.

Die Vernichtung der tropischen Wälder ist nicht nur ein indonesisches Problem, sondern ein globales und bedroht die gesamte Menschheit. 20 Prozent der weltweiten klimaschädlichen Emissionen gehen allein auf das Konto der Waldrodung. Indonesien ist aufgrund der Regenwaldabholzung zum weltweit drittgrößten Klimaaufheizer aufgestiegen. Die indonesische Regierung ist unfähig, gegen die Regenwaldrodung wirksam vorzugehen. Stattdessen treibt sie die Regenwaldrodung weiterhin voran. Eine verantwortliche Bank kann sich deshalb nicht auf die destruktive Politik der indonesischen Regierung berufen.

Den Zertifizierungsverein „Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl“ (Roundtable for Sustainable Palmoil - RSPO) und das vom Verein geschaffene „Siegel" sehen wir als Etikettenschwindel an, so wie 253 weitere Umwelt- und Menschrenrechtsorganisationen rund um den Globus (siehe dazu http://www.biofuelwatch.org.uk/docs/17-11-2008-ENGLISH-RSPOInternational-Declaration.pdf). Das Ziel von RSPO ist die massive Erweiterung der Ölpalmplantagen unter dem Deckmantel angeblicher Nachhaltigkeit. Obwohl in RSPO fast alle relevanten Palmölproduzenten und Konsumenten vertreten sind, haben sich in den letzten Jahren seit der Gründung von RSPO 2005 die Regenwald- und Torfmoorrodungen sogar beschleunigt. In den vergangenen vier Jahren wurden allein in Indonesien im Durchschnitt 600.000 Hektar Palmölplantagen pro Jahr in den Regenwaldgebieten angelegt. RSPO schließt Regenwaldrodung nicht aus. Nur „Wälder mit hohem Schutzwert“ (High Conservation Value Forests, HCVF) und Torfmoore mit einer Torfschicht dicker als 2 Meter sind ausgenommen.

Bei HCVF handelt es sich allerdings nicht um ein wissenschaftlich begründetes Konzept, sondern um eine Einteilung von Seiten der Industrie und einiger von dieser finanzierten Organisationen wie dem WWF. Wir lehnen solche Alibikonzepte ab. Sämtliche der noch in Südostasien bestehenden Regenwälder und Waldreste sind als Lebensraum einer enormen Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten schützenswert. Die Zusicherungen von GAR, „keinen Primärregenwald oder Sekundärregenwald mit bedeutendem ökologischem Wert zu roden, um Plantagen zu erstellen“, widerspricht der gängigen Praxis der Firma. Wie bereits oben erläutert, täuscht die Firma die Öffentlichkeit mit dem unhaltbaren Konzept der „Wälder mit hohem Schutzwert“. Die bloße Mitgliedschaft bei RSPO bedeutet gar nichts, und bereits die erste RSPO-zertifizierte Palmölfirma, United Plantations, rodete gleichzeitig weiter Regenwald und Torfmoore, wie Umweltschützer vor Ort feststellten (siehe Bericht unter http://www.greenpeace.org/raw/content/international/press/reports/united-plantations-certified-d.pdf).

Wir fordern deshalb, dass sich die Credit Suisse unverzüglich aus der Aktienemission für Golden Agri-Resources zurückzieht. Weiterhin fordern wir, dass die Bank für sämtliche Geschäftsaktivitäten verbindliche ökologische und soziale Richtlinien und Sektorstandards verabschiedet, veröffentlicht und einhält. Die Finanzierung der Palmölindustrie und anderer Aktivitäten, die Regenwälder bedrohen und die Menschenrechte verletzten, müssen in Zukunft ausgeschlossen werden. Informieren Sie uns bitte umgehend über die von Ihnen eingeleiteten Reformschritte.

Mit freundlichen Grüßen +++


Antwort der Credit Suisse Aufgrund der erhöhten Umweltsensitivität der Palmölbranche

Betreff: AW: private_banking_services Datum: Mon, 13 Jul 2009 Von: Credit Suisse (Deutschland) AG - Service Center An: "GG PBI Kontakt Internet" Sehr geehrte Frau, wir beziehen uns auf Ihre E-Mail vom 7. Juli 2009. Darin äussern Sie sich kritisch zur Aktienemission für Golden Agri Resources (GAR), einem börsenkotierten indonesischen Palmölproduzenten, welche die Credit Suisse zusammen mit BNP Paribas und UBS begleitet. Dazu möchten wir in diesem Schreiben Stellung nehmen. Die Credit Suisse verfügt über einen umfassenden internen Risiko-Prüfungsprozess, in welchem mögliche Geschäfte in ökologisch sensitiven Industrien besonders sorgfältig geprüft werden. Dies ist auch im vorliegenden Fall geschehen.

Unsere Prüfung hat ergeben, dass GAR seine Aktivitäten gemäss den für die Branche und in Indonesien geltenden Gesetze - einschliesslich der Umweltgesetze - betreibt. So werden Palmölplantagen ausschliesslich auf Landparzellen errichtet, die von der Regierung für Landwirtschaftszwecke bestimmt worden sind. Aufgrund der erhöhten Umweltsensitivität der Palmölbranche wurden an die Transaktion eine Reihe von Bedingungen verknüpft, darunter die Auflage, das aufgenommene Kapital ausschliesslich für Projekte oder Akquisitionen zu verwenden, die alle massgebenden Umweltbestimmungen und Standards strikte einhalten. GAR hat darüber hinaus den beteiligten Banken gegenüber zugesichert, keinen Primärregenwald oder Sekundärregenwald mit bedeutendem ökologischem Wert zu roden, um Plantagen zu erstellen.

Einzelne Tochterfirmen von Golden Agri Resources sind Mitglied des vom WWF initiierten Runden Tischs für Nachhaltiges Palmöl (Roundtable for Sustainable Palm Oil, RSPO), dem führenden Branchenstandard zur Produktion von Palmöl. Damit verpflichtet sich das Unternehmen zur Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte beim Erstellen und Betrieb der Plantagen sowie beim Zermahlen der Früchte zu Palmöl. Zwei Plantagen von GAR-Tochterfirmen dienten als GAR hat den beteiligten Banken zugesichert, sobald als möglich die Zertifizierung des RSPO für die bestehenden Palmölmühlen zu erlangen. Überdies verpflichtete sich GAR, für die Identifikation von Wäldern mit hohem Schutzwert (High Conservation Value Forests, HCVF) mit Nichtregierungsorganisationen und anderen Drittparteien zusammenzuarbeiten.

Die vorliegende Transaktion muss auch im Kontext der äusserst vielseitigen Verwendbarkeit von Palmöl gesehen werden, welches in Margarine, Backwaren und Fertiggerichten ebenso enthalten ist wie in Seifen, Waschmitteln und Kosmetika. Gemäss Schätzungen von Umweltschutzgruppen findet sich Palmöl in jedem zehnten Produkt in einem Supermarkt. Es ist uns bewusst, dass die Produktion dieses wichtigen Rohstoffs mit negativen Umweltauswirkungen verbunden sein kann, gleichzeitig kann der Bedarf danach nicht von heute auf morgen zurückgefahren werden. Daher erachten wir die Brancheninitiative des RSPO als zielführenden Weg, um wirtschaftliche Notwendigkeit und ökologische Verantwortung zusammenzubringen, und überprüfen mögliche Kunden hinsichtlich deren Mitgliedschaft.

Es war uns ein Anliegen, zu Ihrer Kritik bezüglich Golden Agri Resources Stellung zu nehmen. Weitere Informationen zum Umgang der Credit Suisse mit ökologischen und gesellschaftlichen Fragen finden Sie auf unserer Internetseite https://www.credit-suisse.com/citizenship/de/index.jsp.

Mit freundlichen Grüßen
CREDIT SUISSE (Deutschland)