Ecuador: Mangroven siegen über illegale Garnelenfarm

16.09.2009

Normalerweise bedeutet ein anrückender Bagger für die Natur nichts gutes. Doch in Ecuador wurden nun mit der schweren Baumaschine Stauwehre und Dämme dem Erdboden gleichgemacht, die ein Investor zuvor im Mangrovenwald gerodet hatte.

Normalerweise bedeutet ein anrückender Bagger für die Natur nichts gutes. Doch in Ecuador wurden nun mit der schweren Baumaschine Stauwehre und Dämme dem Erdboden gleichgemacht, die ein Investor zuvor im Mangrovenwald gerodet hatte. Die ecuadorianische Umweltministerin Marcela Aguiñaga überwachte persönlich den Abriss der illegalen Garnelenfarm in Jumón Chico in der Provinz El Oro an der Pazifikküste des Landes. Anschließend wurde mit der Wiederaufforstung des Sumpfgebiets begonnen.

Zweidrittel der Mangroven des Landes fielen in den letzten 30 Jahren der Garnelenzucht in künstlichen Teichen zum Opfer. Jahrzehntelang drückten die ecuadorianischen Behörden beide Augen vor der illegalen Mangrovenabholzung zu. Ende 2008 sollten die bisher weitgehend ohne Genehmigung operierenden Firmen gar mit den notwendigen offiziellen Papieren ausgestattet werden. Nach Protesten von Mangrovenschützern und Fischern des Mangrovennetzwerks C-Condem rückte die Regierung davon zunächst wieder ab und vertagte die Entscheidung um ein Jahr. Das resolute Auftreten der Umweltministerin weckt nun die Hoffnung, dass die Regierung den Schutz der Mangroven und der dort lebenden Menschen ernster als bisher nimmt.

Die massenhafte Zucht der Garnelen für den Export ist ein wichtiger Devisenbringer des Landes. Auch in Deutschland gelten die tropischen Krustentiere als Leckerbissen. Im Jahr 2003 verspeiste jeder Bundesbürger 1,4 Kilo Garnelen, Tendenz steigend. Der Naturlandverband hat in Ecuador sogar mehrere solcher Garnelenfarmen zertifiziert. Tiefgekühlt werden die „organisch“ produzierten Shrimps nun in deutschen „Bioläden“ verkauft. Mangrovenschützer in Ecuador lehnen die Zertifizierung ab und fordern die Rücknahme der verliehenen „Ökozertifikate“. Die zertifizierten industriellen Monokulturen verschaffen der Shrimpindustrie Legitimität und Zugang zu neuen internationalen Märkten, beseitigen aber die grundlegenden ökologischen- und sozialen Probleme nicht. Die Forderungen der lokalen Bevölkerung zur Schließung der Shrimpfarmen und Wiederherstellung der Mangroven werden dadurch torpediert. Lesen sie dazu die Studie „Zertifizierung der Zerstörung“ auf Englisch oder Spanisch.

Die Mangroven sind wichtig für den Küstenschutz und ein sehr artenreiches Ökosystem. Rettet den Regenwald unterstützt mit Spendengeldern das Mangrovennetzwerk Corporación Coordinadora Nacional para la Defensa del Ecosistema Manglar (C-Condem) in Ecuador.

In den Mangroven findet die lokale Bevölkerung mit Fischfang und dem Sammeln von Muscheln und Krebsen ein Auskommen. Die Shrimpsfarmen bieten hingegen nur einige wenige schlecht bezahlte Arbeitsplätze, egal ob mit oder ohne „Ökosiegel“.