Bioenergiedörfer oder biologischer Landbau - was ist besser fürs Klima?

21.12.2009

http://www.heise.de/tp/blogs/2/146777 In Deutschland werden jährlich 15 Quadratkilometer Moorgebiete zu Maisäckern Baden-Württemberg setzt mit seinem neuen Förderprogramm für Bioenergiedörfer [1] auf die technische Karte und fördert Kommunen, die Energewinnung vom Acker und deren technisch effiziente Nutzung betreiben, indem das Land bis zu 20 % der Anlagenkosten trägt. Der Bundesverband Bioenergie nimmt für die Branche in Anspruch, die Stromherstellung mit "Biomasse" sei besonders CO2-arm und habe in Deutschland allein in den Jahren 2007 und 2008 rund 57 Mio. Tonnen CO2-Emissionen vermieden [2]. Kritischer sieht der Nabu das Thema. Er hat jetzt, zusammen mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), die Ergebnisse eines Forschungsprojektes, bei dem beispielhaft die Daten von vier Bundesländern untersucht wurden, online gestellt [3]. Ergebnis: Von 2005 bis 2007 wurden mehr als 60 Quadratkilometer Moorboden von Grünland zu Ackerland umgewandelt, auf mehr als der Hälfte der insgesamt umgebrochenen Grünlandflächen wurde danach Mais angebaut. Das Problem der Zerstörung kohlenstoffspeichernder und auch für die Vielfalt der Lebensräume wertvoller Feuchtgebiete besteht also nicht nur im fernen Indonesien, sondern in steigendem Maße auch bei uns. Die Autoren mahnen hier Nachbesserungsbedarf bei den gesetzlichen Regelungen an, damit geförderter Energiepflanzenanbau nicht letztlich zu mehr Klima- und Umweltschäden führt. Eindeutig Position gegen die Tendenz zu immer mehr Monokulturen bezieht der neue "Round Table on Organic Agriculture and Climate Change" [4], ein Zusammenschluss von Biolandbauverbänden, der sich bei der UNO-Klimakonferenz vorstellte. Seine Teilnehmer wollen eine Vorreiterrolle der biologischen Landwirtschaft im Klimaschutz - und diese auch quantitativ belegen. Was bisher fehlt, sind exakte Erfassungsmethoden, die die prognostizierte klimaschonende Wirkung des Biolandbaus nachweisen. Im Laufe des kommenden Jahres sollen deshalb entsprechende Konzepte entwickelt werden. Der Round Table geht von einem gleich doppelten CO2-Verminderungspotenzial des Biolandbaus aus, einerseits durch weniger Emission und zusätzlich durch eine erhöhte CO2-Rückbindung durch die Humusbildung im Boden. Matthias Brake Links: [1] http://www.bioenergie.de/?option=com_content&view=article&id=452&catid=14&Itemid=26 [2] http://www.bioenergie.de/?option=com_content&view=article&id=290&Itemid=6 [3] http://www.nabu.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaftundnaturschutz/11851.html [4] http://www.fibl.org/de/service/nachrichtenarchiv/meldung/article/runder-tisch-zu-biologischer-landwirtschaft-und-klimawandel-gegruendet.html