Deutsche Bank plant 3 Milliarden USD-Kredit für Schwerölraffinerie in Ecuador?

14.02.2010

Der ecuadorianische Präsient Rafael Correa hat Anfang Januar 2010 auf der Webseite der Regierung den Bau einer Schwerölraffinerie verkündet. Die Refinería del Pacífico “Eloy Alfaro” (RDP) soll auf 500 Hektar Gelände südwestlich der Hafenstadt Manta in der Provinz Manabi am Pazifik entstehen. Mit einer Kapazität von 300.000 Fass Schweröl pro Tag soll es sich um die zweitgrößte Schwerölraffinerie Südamerikas handeln. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 12,5 Milliarden US-Dollar. Bereits 2008 hatte Correa zusammen mit seinem venezolanischen Amtskollegen Hugo Chavez den Plan verkündet, in Ecuador gemeinsam eine Erdölraffinerie zu bauen. Hergestellt werden sollen Benzin- und Dieselkraftstoff für den Transportsektor beider Länder. Für die neue Raffinerie gründeten die staatlichen Erdölfirmen, Petroecuador und Petroleos de Venezuela (PdVSA) nun ein Joint Venture - Refineria del Pacifico - CEM. An dem Projekt hält Petroecuador 51% der Anteile, Venezuela 49%. Beide Firmen wollen 30% (3,5 Milliarden US-Dollar ) der Investition aufbringen, die übrigen 70 % (9 Milliarden US-Dollar ) sollen von privaten Investoren stammen. Den Bau der Raffinerie übernimmt danach die südkoreanische Firma SK Engineering and Construction Ltd. (SKE&C). SKE&C repariert und erneuert bereits seit Dezember 2008 (Vertragsunterzeichnung) für 187 Millionen US-Dollar im Auftrag der ecuadorianischen Regierung die bestehende und größte Erdölraffinerie des Landes in der Stadt Esmeraldas. Milliardenkredite von Deutscher Bank und chinesischer EXIM-Bank SKE&C soll sich auch an der Finanzierung des Projekts beteiligen und einen Investorenpool bilden. Dazu gehören nach Medienberichten (Mercurio de Manta, Dow Jones Newswire , Trading Markets) auch Kredite über 3 Milliarden US-Dollar der Deutschen Bank und 2 Milliarden US-Dollar der staatlichen chinesischen Export-Import Bank of China (Exim). Die Bauarbeiten für die neue Schwerölraffinerie sollen im Juli 2010 beginnen und im Dezember 2013 enden. Vorarbeiten zur Durchführung von Studien haben schon 2009 stattgefunden. Durch das Projekt sollen 2.500 direkte und 10.000 indirekte Arbeitsplätze entstehen. Bis zum Januar 2010 hat die ecuadorianische Regierung bereits 1.347 Hektar Land am Bauort zwischen den Orten El Aromo und Río Manta gekauft. Umgeben werden soll die Raffinerie von einer 3.000 Hektar grossen „Schutzzone“. In El Aromo hatte Präsident Correa im September 2008 höchstpersönlich und im Beisein von Umweltministerin Marcela Aguiñaga und Erdölminister Galo Chiriboga das 13.545 Hektar große Schutzgebiet „Refugio de Vida Silvestre Marino y Costero Pacoche“ aus der Taufe gehoben. Neben 5.000 Hektar Trocken- und Regenwald beinhaltet das Naturrefugium auch einen 8.500 Hektar großen Küstenstreifen. Auf dem Land kommen bedrohte Affen- und Vogelarten vor, am Strand Nistplätze von Meeresschildkröten und im Meer Buckelwale und Korallenriffe. Die Regierung erklärte nun, die geplante Schwerölraffinerie läge weit entfernt vom Pacoche-Schutzgebiet. In der Gegend von Montechristi südlich von Manta werden auch die weltberühmten Panamahüte gefertigt. Neuer Ölboom in Ecuador Das zu verarbeitende Rohöl soll anscheinend von neu zu erschließenden Erdölfeldern an der Küste, dem ecuadorianischen Amazonasgebiet und aus Venezuela stammen. Dazu soll eine neue 250 Kilometer lange Schwerölpipeline gebaut werden, die von Quninendé in der Provinz Esmeraldas Richtung Süden zur Raffinerie führen soll. In Qunindé verlaufen die beiden bereits bestehenden Erdölpipelines, die private Schwerölpipeline „Oleoducto de Crudos Pesados (OCP)“ und die staatliche Pipeline für leichtes Rohöl „Sistema de Oleoducto Transecuatoriano (SOTE)“. Die 503 Kilometer lange OCP wurde zwischen 2000 und 2003 von einem Konsortium von ursprünglich 7 internationalen Erdölfirmen (aus Argentinien, Frankreich, Italien, Kanada, Spanien, USA) im Regenwald gebaut. Finanziert wurde OCP durch einen 900 Millionen US-Dollar-Kredit eines Konsortiums von 16 internationalen Banken und Finanzinstituten unter Führung der Westdeutschen Landesbank (WestLB). Gegen den Kredit der WestLB hatte Rettet den Regenwald seiner Zeit eine intensive Kampagne geführt, sich aber nicht durchsetzen können. Die damalige nordrhein-westfälische Landesregierung unter Wolfgang Clement und Peer Steinbrück hatte der Bank voll den Rücken gedeckt. Das aus Venezuela stammende Rohöl soll anscheinend mit Tankschiffen zur Raffinerie transportiert werden. Dazu soll ein neuer Hafen nahe der geplanten Ölraffinerie entstehen oder bestehende Hafenanlagen in der Stadt Manta erweitert werden. Das Erdöl im Regenwaldboden lassen Das neue Raffinerieprojekt steht weitgehend im Widerspruch zu den Plänen der ecuadorianischen Regierung, die seit Juni 2007 die internationale Yasuni-ITT-Initiative betreibt. Unter den Regenwäldern des Yasuni-Nationalparks und angrenzenden ITT-Gebiet liegen die größten noch unerschlossenen Erdölvorkommen des Landes. Um die einzigartige Natur und Artenvielfalt des Gebiets nicht der Erdölförderung zu opfern, schlägt die Regierung mit der bisher weltweit einzigartigen Initiative vor, das dort lagernde Schweröl gegen die Zahlung von Kompensationszahlungen der internationalen Staatengemeinschaft für immer im Boden zu lassen. Das Geld soll Umwelt- und Sozialprogrammen zugute kommen. Rettet den Regenwald unterstützt die Yasuni-ITT-Initiave bereits seit vor ihrer offiziellen Verkündung. Im Juni 2008 hat der deutsche Bundestag die Bundesregierung aufgefordert, Ecuador bei der Initiative zu unterstützen (siehe Regenwald Report 3-2008 Diese hatte zwischen November 2008 und Juni 2009 im Auftrag der ecuadorianischen Regierung eine Faktibilitätsstudie für das Projekt finanziert und koordiniert. Die Bundesregierung soll sich nach Angaben der WOZ im Juli 2009 bereit erklärt haben, 75 Millionen Euro pro Jahr für das Projekt aufzubringen. Am 9. Januar drohte Präsident Correa überraschend in seiner wöchentlichen Radioansprache damit, die Ausbeutung des Erdöls entgegen aller bisherigen Absprachen zu starten. Die wichtigsten Unterstützer der Initiative innerhalb seiner Regierung und im Verhandlungsteam traten daraufhin am 11. und 12. Januar zurück, darunter Außenminister Falconi. Correa soll in letzter Minute die Unterzeichnung eines UN-Treuhandfonds für die Initiative verhindert haben. Rettet den Regenwald hat dazu die Protestaktion „Ecuadors Präsident droht mit Ölförderung im Regenwald-Nationalpark” gestartet.