Palmöl aus Kolumbien: Vertreibung für deutsche Bioprodukte mit Palmöl

22.03.2010

Die ARD-Fernsehreportage Vertreibung für deutsche Bioprodukte Die dubiosen Lieferanten der Biobranche in Kolumbien von Report Mainz vom Dienstag, 23. März 2010 können Sie im Internet weiterhin sehen: Report Mainz und auf YouTube .

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Der Hintergrund

Palmöl steckt in großen Mengen in einer Vielzahl von Supermarktprodukten. Auch die Biobranche mischt kräftig mit beim Run nach dem exotischen Öl aus dem Regenwald. Biopalmöl ist in mindestens 500 verschiedenen Produkten von praktisch allen namhaften Bioherstellern enthalten: Von der Säuglings-Folgemilch 2 der Firma Holle, Samba Brotaufstrich von Rapunzel, Crunchy-Müsli von Allos, Rahmspinat von Alnatura – oder Kosmetikartikeln von The Body Shop.

Doch von woher all das Biopalmöl stammt, darüber finden sich auf den Verpackungen keinerlei Angaben. Rettet den Regenwald fragte im März 2009 nach und schrieb zahlreiche Hersteller an. Von Transparenz war wenig zu spüren. Viele Biofirmen haben gar nicht reagiert oder nur allgemeine nichtssagende Antworten geschickt. Ein Hersteller behauptete sogar, das Palmöl käme aus den Niederlanden, als ob Ölpalmen hinter Nordseedeichen wachsen würden.

Allos, Alnatura, Rapunzel und The Body Shop nannten - nach zum Teil einigen Wochen interner Nachfragen - den Hersteller: Die Daabon-Gruppe aus Kolumbien. Doch nach Recherchen von Rettet den Regenwald ist es bei Daabon mit Ökologie und sozialer Verantwortung nicht weit her. 5.350 Hektar Bioölpalm-Monokulturen nennt die Gruppe bereits ihr eigen und expandiert immer weiter.

Derartige industrielle Monokulturen im Regenwald entsprechen wohl kaum der "ökologischen Landwirtschaft" mit der die Biohersteller auf den Verpackungen werben. Auf das Konto von Daabon gehen auch ein enormer Wasserverbrauch für die Plantagen, illegale Rodung geschützter Ufervegetation, der Bau der mit 100.000 Tonnen größten Palmöldieselraffinerie Lateinamerikas und eines Yachthafens für 256 Motoryachten, katastrophale Palmölunfälle im karibischen Meer, die Erschleichung von 450.000 Euro aus einem staatlichen Entwicklungsfond für Kleinbauern und zuletzt die gewaltsame Vertreibung von 123 Kleinbauernfamilien zur Anlage immer neuer Ölpalmplantage

Die deutschen Kunden von Daabon, Firmen wie Allos, Alnatura und Rapunzel, haben auch nach einem Jahr keine Konsequenzen gezogen und verstecken sich hinter den 11 "Bio"siegeln von Daabon. Sie behaupten, auf das Palmöl nicht verzichten zu können, weil es für die "Cremigkeit" und das "Mundgefühl" ihrer Produkte verantwortlich sei, so Rapunzel.

Rettet den Regenwald befürwortet ausdrücklich Biolandbau als Alternative zu Chemie und Gentechnik. Doch der ständig steigende Import von Bioprodukten aus Übersee und besonders von Palmöl verursacht massive Probleme und muss dringend gestoppt werden. Kaufen Sie Produkte und Inhaltsstoffe aus regionaler Bioproduktion. Das erspart auch umweltschädliche Transporte aus anderen Kontinenten über Tausende von Kilometern.