UN suspendieren deutschen Klimaprüfer TÜV Süd

30.03.2010

Nach Angaben des Tagesspiegels haben die Vereinten Nationen den Tüv Süd weltweit für sechs Monate von der Bewertung von Klimaschutzprojekten im Rahmen des Kyoto-Protokolls suspendiert. Schafft der Tüv Süd es bis dahin nicht die kritisierten Mängel zu beheben, wird er endgültig von dem lukrativen Markt ausgeschlossen.

Nach Angaben des Tagesspiegels haben die Vereinten Nationen den Tüv Süd weltweit für sechs Monate von der Bewertung von Klimaschutzprojekten im Rahmen des Kyoto-Protokolls suspendiert. Schafft der Tüv Süd es bis dahin nicht, die kritisierten Mängel zu beheben, wird er endgültig von dem lukrativen Markt ausgeschlossen. Der Fall wirft auch tiefe Schatten auf die von der Bundesregierung beschlossene "Nachhaltigkeitszertifizierung" von Agrosprit. Der Tüv Süd ist eine der sechs Zertifizierungsstellen, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Ende Februar für Zertifizierungen nach dem "International Sustainability and Carbon Certification" (ISCC)-System anerkannt wurde. Das ISCC-System war aus einem vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) ins Leben gerufenen und finanzierten Projekt hervorgegangen und im Januar als erstes Siegel zum Nachhaltigkeits-Nachweis für Agrosprit vorläufig anerkannt worden. Währenddessen laufen in der Bundesregierung die Diskussionen, den geplanten Start zur Vorlage verpflichtender Nachhaltigkeitsnachweise für Agrosprit ein weiteres Mal zu verschieben. Diese sollten ab dem 1. Juli 2010 gelten, nun ist der 5. Dezember im Gespräch. Die Agrar- und Agrospritindustrie hat sich für eine Verschiebung stark gemacht und die Gründung eines eigenen Agrospritlabels Redcert bis Juni angekündigt. Redcert soll nur die von der EU geforderten Minimalkriterien für Agrosprit berücksichtigen. Auch in den Niederlanden und Großbritannien wird an solchen Siegeln gearbeitet. Die ständig steigende Zahl von Zertifizierungssystemen und Siegeln macht es faktisch unmöglich, weltweit die Einhaltung der Standards zu überprüfen. Das öffnet Tor und Tür für Betrug, wie der Fall des Tüv Süd deutlich zeigt. Währenddessen haben Umweltschützer die EU-Kommission verklagt, weil diese über Hundert kritische Studien und Artikel zu Agrosprit zurückhält. Durch Vertuschen der Fakten will die EU anscheinend weiter die Öffentlichkeit über die Folgen ihrer fatalen Agrospritpolitik täuschen. Der von Bundesregierung und EU vorangetriebene Agrospritboom verursacht besonders in den Entwicklungsländern gravierende Probleme für Mensch, Umwelt und Klima, die nicht beherrschbar sind. Dort werden unter anderem die Regenwälder niedergebrannt, um Platz für Ölpalm-, Soja- und Zuckerrohrplantagen für die Agrospritproduktion für den Export nach Europa zu schaffen. Rettet den Regenwald fordert, sämtliche gesetzlich vorgeschriebenen Beimischungsquoten für Agrosprit, Subventionen und Förderungen zu streichen und die Agrospritimporte aus Übersee zu stoppen.