Skandal um Bio-Palmöl aus Kolumbien - Vertriebene Kleinbauern zu Besuch in Deutschland und der Schweiz

27.05.2010

Die deutsche Biobranche bezieht Palmöl vor allem von der Daboon-Gruppe in Kolumbien, die für ihre Verstöße gegen die Menschenrechte und Naturzerstörung bekannt ist. Um die ständig steigende Nachfrage nach Biopalmöl in Deutschland zu befriedigen, erweitert Daabon seine Palmölplantagen. Vom 9. bis 14. Mai 2010 waren zwei Vertreter der vertriebenen Kleinbauern aus Las Pavas in Kolumbien zu Besuch in der Schweiz und in Deutschland. Auf Einladung der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ASK) berichteten Bauernführer Don Misael Payares und die Anwältin Elizabeth Ruiz Thorrens von der gewaltsamen Landnahme Daabons im Juli 2009. 123 Kleinbauernfamilien ließ der Konzern von dem Land vertreiben, um dort industrielle Palmölmonokulturen anzulegen. Die natürliche Vegetation wird vom Bioproduzenten dazu gerodet und wertvolle Feuchtgebiete am Magdalena-Fluss trockengelegt. Zum Programm der beiden kolumbianischen Bauernvertreter gehörte ein Treffen mit den Daabon-Kunden und Bioherstellern Alnatura, Allos und Rapunzel am 10. Mai. Sehr gestört wurde der Dialog durch die Rapunzel-Mitarbeiterin (Firmenmotto: Wir machen Bio aus Liebe), die die Ausführungen des Bauernführers immer wieder unterbrach und in Frage stellte. Die Mitarbeiterin hatte sich im April in Kolumbien aufgehalten, den Ort der Landvertreibungen und Rodungen in Las Pavas allerdings nicht besichtigt. Das Treffen endete ohne greifbare Ergebnisse. Weiterhin trafen sich die Bauernvertreter mit Regierungsvertretern in der Schweizer Hauptstadt Bern, mit den Entwicklungshilfeorganisationen SECO und Swissaid, dem Daabon-Zertifizierer Biosuisse und sagten vor sieben Kommissaren des UN-Komitees für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte aus. Als weiteren Schritt kündigten die Aktivisten eine Eingabe (Amicus Curiae) durch den UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf angemessene Ernährung am kolumbianischen Verfassungsgericht an. Dort läuft bereits eine Klage gegen die Landnahme. Der Fall Daabon wirft auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Öko- und Fair Trade-Siegel auf. Daabon verfügt allein über 11 verschiedene Siegel. Trotzdem werden nicht nur die Menschen zur Anlage neuer Ölpalmplantagen vertrieben, sondern auch bestehende Landnutzungen durch Ölpalmen verdrängt, Regenwald abgeholzt, kostbares Trinkwasser vergeudet und das karibische Meer durch wiederholte Palmölunglücke verseucht. Zu den Kunden Daabons gehören unter anderem die Biohersteller Allos, Alnatura, Rapunzel und The Body Shop. Das ergaben Recherchen von Rettet den Regenwald und Report Mainz, der am 22. März darüber berichtet hat. An der Protestaktion von Rettet den Regenwald, gerichtet an die beteiligten Bio-Hersteller, haben sich über 11 000 Menschen beteiligt. Die Firma Rapunzel sieht bei sich zwar keine „Schuld“, wollte den Vorwürfen aber nachgehen. Bisher halten die Biohersteller weiter an Daabon und ihren Palmölimporten aus Kolumbien fest. Die Verantwortung für Mensch und Umwelt, mit der die Firmen ständig werben, nehmen die Bioproduzenten dabei anscheinend nicht so ernst. Weitere Infos: Die Stellungnahme des Vereins Rettet den Regenwald vom 28. Mai 2010 zu „Biopalmöl aus Kolumbien“ finden Sie hier . Die ARD-Fernsehreportage Vertreibung für deutsche Bioprodukte Die dubiosen Lieferanten der Biobranche in Kolumbien von Report Mainz vom Dienstag, 23. März 2010 können Sie im Internet weiterhin sehen: Report Mainz und auf YouTube . Die WDR-Fernsehreportage "Kein Brot für Öl - Biosprit-Boom in Kolumbien" zur Palmöl-Biodieselraffinerie sowie den Palmölplantagen der Daabon-Gruppe vom 30. November 2008 kann in drei zehnminütigen Teilen gesehen werden unter: Teil 1 , Teil 2 , Teil 3 . Artikel der Schweizer Wochenzeitung (WOZ) vom 24. Juni 2010. Informationen der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ASK): Der Fall Las Pavas: Bericht vor dem UNO-Menschenrechtsrat und Factsheet zum Fall Las Pavas .