Abheben auf Kosten der Ökologie: Lufthansa testet Agrosprit

04.06.2010

Stellungnahme des Vereins Rettet den Regenwald zum Schreiben der Lufthansa „lhr Internet-Aufruf vom 12.5.2010 zur Protestaktion gegen Biokraftstoft“ vom 17.5.2010 Hamburg, 4. Juni 2010 Sehr geehrte Herr Buse, wir haben Ihr Schreiben erhalten und möchten Ihnen kurz antworten. Gerne sind wir bereit, uns mit Ihnen zu treffen. Leider geht Lufthansa auf die von uns vorgebrachten Argumente und Probleme gegen Agrosprit aus Jatropha überhaupt nicht ein. Stattdessen erwähnen Sie die Mitgliedschaften der Lufthansa in Lobbyvereinigungen wie der „Nutzergruppe von nachhaltigen Flugkraftstoffen - Sustainable Aviation Fuel User Group (SAFUG) und dem „Runden Tisch für nachhaltige Biokraftstoffe - Roundtable for Sustainable Biofuels (RSB)“. Diese Gruppen schreiben sich zwar das Wort „nachhaltig“ in den Namen, doch in der Praxis geht es eher darum, umweltschädlichen Aktivitäten zu einem grünen Deckmäntelchen zu verhelfen und die Konsumenten zu verwirren. Wir lehnen deshalb diese Initiativen ab. Bezüglich der Agrospritproduktion aus dem Tropenstrauch Jatropha bitten Sie darum, dass wir „die sachlich eindeutig widerlegbaren Aussagen in unserem Internetauftritt löschen“ sollten. Leider schreiben Sie mit keinem Wort, auf welche Studien und Organisationen sich Lufthansa bezieht. Unsere Aktionen können wir allerdings erst beenden, wenn Lufthansa die Pläne zu Verwendung von pflanzlicher Energie verbindlich aufgegeben hat. Auch die Gewinnung von Energie aus Holz ist sehr problematisch und stößt an enge Grenzen, wie die neue Studie „Wood-based bioenergy: the green lie“ der Global Forest Coalition zeigt. Auf unserer Webseite haben wir ein Zusatzfenster mit Links zu Studien und Artikeln gestellt, die sich mit den von uns angeführten Problemen von Agrosprit aus Jatropha und Holz beschäftigen. Diesbzgl. möchten wir Ihnen besonders die Lektüre der aktuellen Feldstudie „Jatropha Reality Check“ empfehlen. Die im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der größten deutschen staatlichen Entwicklungshilfeorganisation, und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführte Studie untersucht die Erfahrungen mit dem Jatrophaanbau in Ostafrika und kommt zu sehr eindeutigen Ergebnissen. Nachfolgend einige der wichtigsten Aussagen und Ergebnisse der Studie aus der Einleitung von Seite 1 und 2: „Das grundlegende Ziel dieser Studie war es, durch eine unabhängige, objektive Erfassung und Analyse von empirischen Daten aus dem laufenden Jatrophaanbau durch Landwirte Fakten von Fiktion zu trennen. (...) Die Ergebnisse dieser Umfrage wurden aus Interviews mit Hunderten von Jatropha-Bauern aus ganz Kenia getroffen und zeigen extrem niedrige Erntemengen und nicht wirtschaftliche Produktionskosten. Auf der Grundlage unserer Erkenntnisse ist Jatropha derzeit offenbar nicht rentabel für den Anbau durch Kleinbauern in Mono- oder Mischkulturen. (...) Wir empfehlen daher allen Beteiligten, ihre aktuellen Aktivitäten zur Förderung von Jatropha als einen viel versprechenden Bioenergie-Rohstoff sorgfältig neu zu bewerten. Wir empfehlen außerdem, dass alle Beteiligten aus dem öffentlichen und privaten Sektor derzeit die Förderung der Kultur unter den Kleinbauern einstellen (...).“ Der Verein Rettet den Regenwald wiederholt noch einmal die Forderung, dass Lufthansa sämtliche Tests mit Agrosprit unverzüglich beenden und die Pläne zur Beimischung von 5 bis 10 Prozent Agrosprit bis 2020 streichen sollte, da hinsichtlich wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Kriterien der Anbau von Jatropha und anderer Energiepflanzen nicht „nachhaltig“ möglich ist. Mit freundlichen Grüßen Reinhard Behrend, Vereinsvorsitzender Rettet den Regenwald