Nestle hält weiter am Palmöl fest

15.07.2010

Stellungnahme von Rettet den Regenwald zur Antwortmail des Nestle-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Berssenbrügge vom 28. April 2010 Sehr geehrter Herr Berssenbrügge, vielen Dank für Ihre Antwort auf unsere Protestaktion gegen den Palmöleinsatz in Nestle-Produkten (siehe Nestle, Kitkat, Orang-Utans und die Regenwälder vom 26. März 2010. Leider finden wir Ihre Antwort wenig befriedigend. Nestle verbraucht 320 000 Tonnen Palmöl pro Jahr, womit Ihr Konzern einer der weltweit größten Einzelkunden von Palmöl ist! Ihre Hinweise zur Kosmetik- und Biodieselindustrie sind deshalb nicht hilfreich und zielführend. Bitte übernehmen Sie Verantwortung für Ihr unternehmerisches Handeln, und versuchen Sie nicht, die Aufmerksamkeit oder Schuld auf andere Firmen und Industriebereiche abzuschieben. Fest steht weiterhin: Der Kitkat-Riegel enthält neben vielen weiteren Nestle-Produkten Palmöl. Ob und wie viel Palmöl einzelne Nestle-Produkte genau enthalten, können wir nicht beurteilen. Es wäre Ihre Aufgabe, gerade hier Transparenz zu schaffen und auf den Verpackungen der Produkte sämtliche Inhaltsstoffe eindeutig anzugeben. Dann hätten die KundenInnen Klarheit und könnten Palmölprodukte meiden. Genau das scheint Nestle aber zu befürchten. Stattdessen findet sich auf den Verpackungen der Nestle-Produkte in der Regel nur die Angabe „pflanzliche Öle und Fette“. Das bedeutet zwar in der Praxis meist Palmöl, führt die Verbraucher aber gezielt in die Irre. Auch Ihre Versprechungen, ab 2015 nur noch „zertifiziertes“ Palmöl zu verwenden, bringen nichts. Zum einen ist das reine Zeitschinderei. Die von der Palmölproduktion ausgehende Regenwaldrodung, Torfmoortrockenlegung, Klimaanheizung, Menschenrechtsverletzungen usw. stehen seit vielen Jahren in den Schlagzeilen und gehen immer weiter. Unser Verein prangert dies bereits seit vielen Jahren an (siehe „Palmöl: Abfackeln fürs Frühstück“ im Regenwald Report 4-1999). Nestle hätte schon vor Jahren auf andere Herstellungsverfahren und Pflanzenöle umstellen können und müssen. Zum anderen ist das Industriesiegel RSPO nichts weiter als ein grünes Deckmäntelchen. Die Regenwaldrodung lässt sich dadurch nicht stoppen, genauso wenig wie die Landvertreibungen, weil die Standards völlig unzureichend sind. Kriterien zum Klimaschutz sind bei RSPO gar nicht enthalten. Außerdem machen die RSPO-Plantagen nur einen kleinen Teil der Palmölmonokulturen aus. So roden auch die RSPO-Palmölfirmen immer weiter Regenwald zur Anlage neuer Plantagen, wie Greenpeace bei der ersten „zertifizierten“ Firma United Plantations per Studie bereits im November 2008 nachgewiesen hat. Derartige Praktiken wurden mittlerweile auch bei den anderen RSPO-Firmen dokumentiert. Die Forderung nach einem Moratorium zum Schutz der Regenwälder besteht seit Jahren, wird aber nicht eingehalten. Es müssen jetzt endlich wirksame Schritte unternommen werden. Wir geben uns daher nicht mit Versprechungen auf eine bessere Zukunft und wertlose Industriesiegel zufrieden und verlangen den Verzicht auf Palmöl. Ersetzen Sie Palmöl durch heimische Pflanzenöle so wie es andere Hersteller bereits tun. Mit 320 000 Tonnen Jahresverbrauch an Palmöl trägt Nestle Verantwortung gegenüber den Kunden der Produkte und den Folgen der Palmölproduktion in den Herkunftsländern. Mit freundlichen Grüßen Klaus Schenck, Wald- und Energiereferent Rettet den Regenwald e.V. Hier die Antwortmail von Nestle Datum: 28. April 2010 Betreff: Ihre Nachricht an Gerhard Berssenbrügge Antwort an: "Nestlé Deutschland AG" Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Nachricht, die Sie mir im Rahmen der Kampagne von Greenpeace zum Thema Palmöl gesandt haben. Ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, zu den von Greenpeace geäußerten Vorwürfen Stellung zu nehmen und Sie über den Sachstand aus unserer Sicht zu informieren. Zunächst einige Fakten: Die weltweite Produktion von Palmöl beträgt etwa 42 Mio. Tonnen pro Jahr. Palmöl findet in einer Vielzahl von Produkten Verwendung. Wichtige Abnehmer sind neben der Lebensmittelproduktion insbesondere die Hersteller von kosmetischen Produkten und personal care-Produkten sowie von so genannten Bio-Kraftstoffen. Vor allem letzteres hat in den vergangenen Jahren zu einer Ausweitung des Anbaus von Palmöl beigetragen. Die Lieferkette für Palmöl ist komplex. Bei der Verarbeitung von Palmöl in Raffinerien entsprechend spezialisierter Unternehmen erfolgt in der Regel eine Vermischung von Lieferungen verschiedener Unternehmen und Herkunftsregionen. Daher können die Abnehmer von Zwischenprodukten auf Palmölbasis derzeit die Herkunft des Rohstoffs nicht immer eindeutig bestimmen. Nestlé weltweit verarbeitet lediglich rund 320.000 Tonnen pro Jahr; dies entspricht etwa 0,7% der Gesamtproduktion. Nestlé Deutschland verarbeitet rund 7.000 Tonnen Palmöl pro Jahr, bzw. daraus hergestellte Zwischenprodukte. Das Produkt KIT KAT, das in der aktuellen Kampagne angesprochen wurde, enthält Palmöl nur in minimalen Mengen. Nestlé ist selber nicht im Anbau oder in der Verarbeitung von Palmöl tätig. Wir sind uns aber der Verantwortung für unsere Lieferkette bewusst. Unser Ziel für unsere eigene Lieferkette ist es, zuverlässig sicherzustellen, dass kein Palmöl aus nicht nachhaltigem Anbau für unsere Produkte verwendet wird. Dies geht nur in Zusammenarbeit mit den Partnern in der Lieferkette und in Abstimmung mit anderen Verwendern von Palmöl. Wir haben von unserer Seite folgende Maßnahmen ergriffen, um unseren Beitrag zur Lösung des Problems zu leisten: - Sinar Mas, der in der Kampagne angesprochen wird, wurde bereits früher durch einen anderen Lieferanten ersetzt. Nestlé hat Palmöl von Sinar Mas übrigens ausschliesslich für die Produktion in Indonesien bezogen. Das von diesem Unternehmen gekaufte Palmöl wurde von Nestlé in keinem anderen Land zur Herstellung von Produkten eingesetzt. - Nestlé hat sich bereits ausdrücklich dazu verpflichtet, spätestens ab 2015 nur noch zertifiziertes, nachhaltig angebautes Palmöl zu verwenden. Diese Übergangszeit ist notwendig, weil der mehrstufige Markt für Palmöl bislang noch keine vollständige Trennung und Rückverfolgbarkeit erlaubt. Wir arbeiten in dieser Übergangszeit intensiv mit den Lieferanten zusammen, um die Verfügbarkeit von zertifiziertem Palmöl zu erhöhen. Wir gehen davon aus, dass wir weltweit bis Ende 2011 50% unseres Bedarfs über zertifiziertes Palmöl bzw. Palmölzertifikate abdecken können. - Als Zwischenlösung decken wir in Deutschland bereits seit Januar 2010 das von uns benötigte Volumen durch so genannte Green Palm Zertifikate ab. Diese Zertifikate stellen sicher, dass der von uns benötigten Menge an Palmöl eine entsprechende Menge nachhaltig angebauten Rohstoffs gegenübersteht. Dieses im Round Table for Sustainable Palm Oil entwickelte System soll gezielt den nachhaltigen Anbau fördern und stellt aus unserer Sicht eine Vorstufe für eine umfassende Zertifizierung dar. - Nestlé unterstützt ausdrücklich ein Moratorium zum Schutz der Regenwälder, deren Zerstörung wir als eines der derzeit schwerwiegendsten Umweltprobleme weltweit ansehen. Dies verbinden wir auch mit einem Kooperationsangebot an die gesellschaftlichen Gruppen, die zu einer Lösung beitragen wollen. Wir haben ferner erklärt, dass wir in der von Greenpeace unterstützten Koalition mitarbeiten werden. Dies war auch bereits Gegenstand eines Schriftwechsels zwischen unserer Konzernleitung und Greenpeace. Wir gehen davon aus, dass wir durch diese Maßnahmen wirksam zu einer übergreifenden Lösung beitragen können. Wir hoffen, dass wir mit diesen Informationen auch einen Beitrag zu Ihrer Meinungsbildung leisten konnten. Mit freundlichen Grüßen Gerhard Berssenbrügge Vorstandsvorsitzender Nestlé Deutschland AG Aufsichtsratsvorsitzender: Prof. Dr. Werner Bauer Vorstand: Gerhard Berssenbrügge  (Vorsitzender), Hans-Dieter Bischof, Elke Strathmann, Hubert Stücke, Paolo Fagnoni Sitz: Frankfurt am Main, Registerbericht: Amtsgericht Frankfurt am Main, HRB 28 163