Kein Zuckerrohr für deutsche Autos!

19.07.2010

Die Firma Addax Bioenergy, Tochterunternehmen der im Erdöl- und Bergbausektor tätigen Schweizer Addax & Oryx-Gruppe, plant in Sierra Leone die Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr und Maniok. Bis zu 30 000 Hektar Land (die Angaben darüber schwanken ständig) sollen mit den Pflanzen bebaut werden, um billigen Agrosprit für den Export in die Europäische Union (EU) zu erzeugen. Bisher nutzen die dort ansässigen Kleinbauern das Land auf traditionelle Weise für den Lebensunterhalt. In dem bitterarmen Land herrschen Mangelernährung und Tausende Menschen sind von Lieferungen des Welternährungsprogramms (englisch WFP) der Vereinen Nationen (UN) abhängig. Flusswasser soll abgeleitet und zur Bewässerung der Agrospritplantagen genutzt werden. Lokale Organisationen werfen Addax vor, die Bevölkerung mit weit überzogenen Versprechungen von Arbeitsplätzen, Einnahmequellen und Entwicklung hinters Licht zu führen. Für jeden Hektar Land, den Addax mit den industriellen Monokulturen in Beschlag nimmt, sollen den Kleinbauern 5 Euro pro Jahr als Entschädigung gezahlt werden. Dazu gehört auch die Werbung von Addax, dass das Projekt die Unterstützung von sieben staatlichen Entwicklungsbanken aus Europa, darunter der deutschen DEG, genießt. Das Projekt wurde zwar den Banken vorgelegt, doch diese haben bisher keine Entscheidung darüber getroffen. Rettet den Regenwald fordert die klare Ablehnung des Projekts. Der Verein sieht das Projekt als Landraub und direkte Folge der verfehlten europäischen Agrospritpolitik an. Rettet den Regenwald hat im Februar 2010 die Protestaktion Kein Zuckerrohr für deutsche Autos! gestartet, an der allein auf der deutschen Webseite über 16 000 Menschen teilgenommen haben. Lesen Sie nachfolgend die Antworten einiger der beteiligten Banken. Rettet den Regenwald verfolgt das Projekt weiter und steht in permanentem Kontakt mit verschiedenen Gruppen in Sierra Leone und anderen Ländern. Eine erneute Nachfrage bei den Banken Ende Juni ergab, dass die Banken das Projekt weiterhin prüfen.

1. Antwort der DEG Bank
Betreff: RE: Kein DEG-Kredit für Addax Bioenergy in Sierra Leone Datum: Thu, 18 Feb 2010 16:18:42 +0100 Von: Wagner, Gesa Gesa.Wagner@deginvest.de An: berlin@regenwald.org Vielen Dank für Ihre E-Mail. Die DEG ist auf eine mögliche Mitfinanzierung des von Ihnen angesprochenen Projekts des Unternehmens Addax Bioenergy in Sierra Leone angesprochen worden. Bisher wurde keine Finanzierungsentscheidung getroffen. Zurzeit untersuchen wir das Vorhaben hinsichtlich seiner finanziellen und technischen Machbarkeit sowie seiner Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Ein Schwerpunkt der Prüfungen liegt auf den ökologischen und sozialen Aspekten sowie möglichen positiven und negativen Auswirkungen. Unser besonderes Augenmerk gilt dem öffentlichen Konsultationsprozess, der die in der Projektregion ansässigen Menschen einschließt. Grundsätzlich fördern wir nur Vorhaben, die einen positiven Beitrag zur dauerhaften Entwicklung und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort leisten. Mitfinanziert werden ausschließlich Projekte, die sich vertraglich zur Einhaltung international anerkannter Umwelt- und Sozialstandards verpflichten. Weitere Informationen zur DEG-Richtlinie für Umwelt- und Sozialverträglichkeit finden Sie auf unserer Website: http://www.deginvest.de/DE_Home/Ueber_die_DEG/Unser_Auftrag/Umwelt-_und_Ressourcenschutz/Umwelt-_und_Sozialgrundsaetze.jsp. Wir bitten um Verständnis, dass die sorgfältige Prüfung des Vorhabens und in weiterer Folge auch eine Entscheidung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Mit freundlichen Grüßen DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH S / Strategie und Kommunikation Kämmergasse 22 50676 Köln info@deginvest.de http://www.deginvest.de/ 2. Antwort der Oesterreichischen Entwicklungsbank AG (OeEB) Betreff: WG: ANTWURFENTWURF: Addax Bioenergy: Ihre Finanzierung von Ethanolprojekt in Sierra Leone Datum: Wed, 17 Feb 2010 11:14:02 +0100 Von: Wancata Michael Michael.Wancata@oe-eb.at An: berlin@regenwald.org Sehr geehrter Herr Schenck, das von Ihnen angesprochene Projekt der Firma Addax Bioenergy in Sierra Leone ist uns bekannt, da bei uns angefragt wurde, ob wir uns als offizielle Entwicklungsbank Österreichs ein Beteiligung vorstellen können. Aktuell wird das Projekt von der Oesterreichischen Entwicklungsbank AG (OeEB) weder unterstützt noch finanziert, sondern zunächst einmal gründlich geprüft. Dabei untersuchen wir, ob bzw. unter welchen Bedingungen eine Finanzierung durch die OeEB möglich wäre. Diese umfassende Prüfung geschieht unter Beachtung der 'EDFI Principles for Responsible Financing' (http://www.oe-eb.at/de/osn/DownloadCenter/richtlinien/EDFI-Principles-Responsible-Financing.pdf). Dabei werden auch die ökologischen und sozialen Aspekte des Projektes beleuchtet - auch jene, die von relevanten Stakeholdern kritisiert werden. Wir bitten Sie um Verständnis, dass diese Prüfung und in weiterer Folge auch eine Entscheidung wegen der umfangreichen Informationen und Studien noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Freundliche Grüße aus Wien Andrea Hagmann Michael Wancata Mitglieder des Vorstandes Mag. Michael Wancata Mitglied des Vorstandes OeEB - Oesterreichische Entwicklungsbank AG 1011 Wien/Vienna, Strauchgasse 1-3, Austria Tel: +43 (1) 533 1200-2510 Fax: -5411 Mailbox-Fax: -4510 michael.wancata@oe-eb.at <http://www.oe-eb.at/> 3. Antwort der Europäischen Investment Bank (EIB) Betreff: RE: Addax Bioenergy: Financing of bioethanol project in Sierra Leone Datum: Fri, 19 Feb 2010 16:20:08 +0100 Von: CUSWORTH Oliver An: berlin@regenwald.org Dear Mr Schenck, We refer to your email of 15 February 2010 sent to the President of the European Investment Bank (EIB). The President has asked us to reply. For your information, the Addax Bioenergy project has been presented as a funding proposal to the European Financing Partners (EFP), of which the European Investment Bank is a member. The Addax Bioenergy project has not yet received approval by the investment committee of EFP. Addax Bioenergy is currently carrying out an Environmental, Social and Health Impact Assessment (ESHIA) for the project. Upon finalization of the ESHIA, the EIB will review the resulting report against its environmental and social requirements as outlined on its website (http://www.eib.org/projects/topics/environment/responsibility/index.htm). Please be informed that that the Addax Bioenergy project will only have a chance to get approval if the environmental and social issues are addressed in a satisfactory way. We take note of the Rainforest Rescue email campaign launched on http://www.rainforest-rescue.org/protestaktion.php and of the concerns raised by those people participating in the campaign. Yours sincerely, EUROPEAN INVESTMENT BANK Juan M. Sterlin Balenciaga Head of Unit Oliver Cusworth, Communication Officer Civil Society Unit, Communication Department 4. Antwort der niederländischen FMO-Bank Betreff: RE: Addax Bioenergy: Financing of bioethanol project in Sierra Leone Datum: Wed, 17 Feb 2010 15:16:37 +0100 Von: Marina Pannekeet M.Pannekeet@fmo.nl An: berlin@regenwald.org berlin@regenwald.org Dear Mr. Schenck, With reference to your email of 15 February below, in which you raise questions regarding FMO’s involvement in Addax Bioenergy, we hereby confirm that FMO has been asked to co-finance the Addax Bioenergy Sugarcane-to-Ethanol project in Sierra Leone. FMO is currently reviewing the project from a financial, technical, corporate governance, environmental and social perspective. No final investment decision has been made yet. To identify and assess environmental and social project impacts, both adverse and positive, in the early stages of project development, Addax Bioenergy is currently carrying out an Environmental, Social and Health Impact Assessment (ESHIA). Upon finalization of the ESHIA, all potential lenders will review the resulting report and management plan against their respective environmental and social requirements. FMO will only approve projects that meet the requirements of FMO’s Sustainability Policy. For more details on FMO’s Sustainability Policy, please refer to our website www.fmo.nl/FMO/documents/ESG/FMO_ES_Sustainability_Policy_incl_Exclusion_List.pdf We hope this sufficiently answers your questions. We ask for your understanding that the assessment and an investment decision will still take some time due to the comprehensive information and studies regarding the project. In the meantime, please do not hesitate to contact us again if you have any further questions. Yours sincerely, Marina Marina Pannekeet Investment Officer Structured Finance, Energy FMO T: +31 (0)70 314 97 81 I M: +31 (0)6 10 91 17 15 I F: +31 (0)70 314 97 67 I Anna van Saksenlaan 71 I P.O. Box 93060 I 2509 AB I The Hague I The Netherlands I www.fmo.nl FMO’s legal name is ‘Nederlandse Financierings-Maatschappij voor Ontwikkelingslanden N.V.’ and is also known as the Netherlands Development Finance Company. 5. Antwort der britischen Frontier Markets Fund Managers (FMFM) Betreff: RE: Addax Bioenergy: Financing of bioethanol project in Sierra Leone Datum: Tue, 16 Feb 2010 11:55:48 -0000 Von: Rouse, Nick N nick.rouse@frontiermarketsfm.com An: Klaus Schenck berlin@regenwald.org Klaus, Thank you for your email. I regret that we cannot answer your questions about this project as the details are covered by a confidentiality agreement. Nick Rouse Managing Director PLEASE NOTE FMFM’s NEW ADDRESS AND CONTACT DETAILS: Frontier Markets Fund Managers Address: 20 Gresham Street, London, EC2V 7JE Tel: +44 203 145 8600 Fax: +44 203 189 8600 Mob: +44 7921 283 882 Mail: Nick.Rouse@frontiermarketsfm.com Website: www.frontiermarketsfm.com