Kampf gegen die Holzmafia

22.02.2003

Monat für Monat, so schätzt die Landarbeitergewerkschaft der Gemeinde Porto de Moz, werden 50.000 Kubikmeter Tropenholz über den Jaraucu abtransportiert, einen Nebenfluss des Xingu im brasilianischen Amazonas-Bundesstaat Pará, der seinerseits einige Kilometer weiter in den Amazonas mündet. In den vergangenen Jahren sind Dutzende Holzfirmen in die Region eingedrungen. Die meisten kommen aus dem Osten des riesigen Bundesstaates, wo sie kaum etwas vom Amazonasregenwald übrig gelassen haben. Drei Viertel von ihnen arbeiten ohne Lizenz. Das Holz geht in die EU, nach Japan und in die USA. Bedroht ist aber nicht nur der Wald um Porto de Moz, sondern auch rund 15.000 Menschen, die hier seit Jahrzehnten von der Fischerei, der Jagd und der Nutzung von Urwaldfrüchten leben.

1997 haben die Urwaldbewohner von Porto de Moz mit der Hilfe von Kirchenleuten ein "Komitee zur nachhaltigen Entwicklung" gegründet. Seitdem kämpfen sie gemeinsam gegen die Holzmafia und fordern die Einrichtung eines 13.000 Quadratkilometer großen Naturreservats mit dem Namen "Immergrün" - es wäre das größte Brasiliens. Verhindert haben dies bisher die Politiker aus Pará, darunter der örtliche Bürgermeister Gerson Campos, selbst Besitzer zweier großer Sägewerke. Deshalb hätten sich Ende letzten Jahres die Flussgemeinschaften zur Blockade des Stroms entschlossen, sagt Claudio Barbosa, der Vorsitzende des Komitees.

In Porto de Moz entlud sich der Zorn der Holzunternehmer wegen der Flussblockade in regelrechten Jagdszenen. Auf dem Flughafen wurde eine Fernsehreporterin, die die Protestaktionen gefilmt hatte, von einer aufgebrachten Menschenmenge fast gelyncht. Unter den Angreifern, die sämtliches Filmmaterial zerstörten, befand sich auch Bürgermeister Campos. Claudio Barbosa wurde verprügelt, sein Boot auf dem Hauptplatz verbrannt. Etliche Aktivisten aus Porto de Moz, darunter der Priester, schweben nun in Lebensgefahr. Trotzdem werten sie die Aktion als Erfolg: "Wir haben der Welt gezeigt, welche Zustände bei uns herrschen," sagt Barbosa. "Das ist unsere letzte Hoffnung."