Indorayon eine Gefahr für Menschen und Umwelt

03.02.2003

Die "Vereinte Evangelische Mission - Gemeinschaft von Kirchen in drei Erdteilen" (VEM) unterstützt den Protest indonesischer Kirchen und Nichtregierungsorganisationen gegen die Wiedereröffnung der Zellstofffabrik PT Inti Indorayon Utama in Nordsumatra. In einem Brief an die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri appelliert die VEM gemeinsam mit Misereor, der Diakonie und Watch Indonesia an die indonesische Regierung, von der Wiedereröffnung Abstand zu nehmen, um die Gefahren für Bevölkerung und Umwelt abzuwenden. Die Fabrik PT Inti Indorayon Utama in Porsea/Indonesien befindet sich inmitten eines dicht besiedelten Landstriches in der Nähe eines der größten Süßwasserreservoirs in Südostasien.

Obwohl Umweltschützer und der damalige indonesische Umweltminister schon zu Beginn vor den absehbaren Folgen gewarnt hatten, wurde das Projekt 1988 unter der Protektion von Suharto umgesetzt. Die Fabrik entlässt Schadstoffe teils ungefiltert in die Umwelt, verseucht das Wasser und die Luft der Region und zerstört so die Lebensgrundlage der ansässigen Batak-Bevölkerung. In den 1990er Jahren wurden die Gesundheitsschäden der Bevölkerung durch die Fabrik wissenschaftlich nachgewiesen: Krankheiten an Haut und Atemwegen sowie Schäden am Nervensystem sind die Folgen der Zellstoffproduktion. Darüber hinaus haben die für die Produktion notwendigen Rodungen fatale Auswirkungen auf den Ackerbau: Erdrutsche, unkontrollierbare Schwankungen im Wasserhaushalt, Schäden an Pflanzen und Fischsterben.

Nach dem Sturz Suhartos und wegen der massiven Proteste der Bevölkerung wurde die Produktion 1998 zwar vorläufig gestoppt, aber seitdem ringt die Firma ununterbrochen um die Wiederaufnahme der Produktion - mit Erfolg. Obwohl der indonesische Umweltminister zu Beginn 2000 die endgültige Schließung der Anlage empfohlen hatte, gab die Regierung dem Firmenmanagement die Genehmigung, den Betrieb im November 2002 wieder aufzunehmen. Seitdem kam es wiederholt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerung und der Polizei. Im November 2002 wurden 16 Demonstranten verhaftet. Unter ihnen sind zwei Pfarrer der Christlich-Protestantischen Toba-Batakkirche (HKBP), einer VEM-Mitgliedskirche.

In ihrem Brief an Megawati Sukarnoputri fordern die Organisationen die indonesische Regierung dazu auf, den Konflikt nicht mit Waffengewalt zu lösen, sondern den konstruktiven Dialog mit der Bevölkerung zu suchen. Weiterhin fordern die Organisationen eine faire Behandlung und rechtliche Betreuung der noch in Tarutung Inhaftierten: sie sollen medizinische Versorgung erhalten, Besuch von ihren Familien bekommen können und ihren Rechtsanwalt selbst wählen können. Sofern den Inhaftierten keine schweren Straftaten zur Last gelegt werden können, sollen sie umgehend entlassen werden.