Protestbrief an Bush gegen Gasprojekt in Peru

23.09.2003

14 prominente Persönlichkeiten, darunter Hollywood-Stars wie Bianca Jagger, Ruben Blades, Kevin Bacon, Susan Sarandon und der Sänger Sting, haben Präsident Bush in einem Brief aufgefordert, kein Geld für die Zerstörung des peruanischen Amazonas-Regenwaldes zu bewilligen. Hintergrund ist das umstrittene Camisea Gasprojekt in Peru. Die Interamerikanische Entwicklungsbank, an der die US-Regierung 30 Prozent hält, will das Vorhaben mit einem 135-Millionen-Dollar-Kredit ermöglichen. In ihrem Brief schreiben die Prominenten, ein Großteil des Gases, das beim Camisea-Projekt ausgebeutet werden soll, sei für den kalifornischen Strommarkt bestimmt. „Wir sind überzeugt, dass die Verbraucher in Kalifornien die Lieferungen ablehnen würden, wenn sie von den großen ökologischen und sozialen Problemen wüßten, die eine Gasförderung im peruanischen Amazonas mit sich bringen.“

Die in den 80er Jahren entdeckten Gasfelder von Camisea stellen Reserven von 368 Milliarden Kubikmetern dar. In zwei Pipelines über die Anden soll die Energie an die Pazifikküste transportiert, dort verarbeitet und teils in Perus Hauptstadt Lima weitergeleitet, teils in die USA exportiert werden. Das Projekt, das rund 2,6 Milliarden US-Dollar kostet, steht bereits zu zwei Dritteln. Nachdem Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen seit Jahren Sturm laufen gegen Camisea, hat kürzlich auch ein interner Bericht der Ex-Im-Bank ein vernichtendes Urteil gefällt. Die Schritte zur Begrenzung der ökologischen und sozialen Schäden, die das Firmenkonsortium vorsehe, seien "jämmerlich unangemessen", heißt es in dem von Umweltschützern bekannt gemachten Bericht. Das Projekt habe "unumkehrbare Auswirkungen" auf die Umwelt und verbreitete Krankheiten unter der Bevölkerung.

Die Kritik der Umweltschützer zielt in erster Linie auf die Gasförderung in einem Urwaldgebiet ab, das zu den unberührtesten und artenreichsten der Welt gehört. Die nomadischen, zahlenmäßig kleinen Indianerstämme lehnen den Kontakt zur Außenwelt weit gehend ab - vielleicht weil sie in den achtziger Jahren die Erfahrungen machten, dass Firmen bei der Erkundung der Bodenschätze Krankheiten einschleppten, die mehr als 40 Prozent der Angehörigen einzelner Stämme hinweg rafften. Aus Kostengründen soll überdies die Gasverflüssigungsanlage an der Küste ausgerechnet in einem Schutzgebiet für Meeresfauna gebaut werden.