Kampf gegen Staat und Oelgesellschaft

05.12.2003

Kampf gegen Staat und Oelgesellschaft von global resistance - 04.12.2003 21:38

Nachdem jahrzehntelange Abholzung schon grosse Teile des Regenwaldes im Amazonasgebiet vernichtet hat, bemuehen sich Oelkonzerne und der ecuadorianische Staat lukrative Vorkommen in den restlich verbliebenen Gebieten auszubeuten, die z.T. sogar unter Schutz stehen. Sarayaku im Kampf gegen Staat und Oelgesellschaft in Ecuador Nachdem jahrzehntelange Abholzung schon grosse Teile des Regenwaldes im Amazonasgebiet vernichtet hat, bemuehen sich Oelkonzerne und der ecuadorianische Staat lukrative Vorkommen in den restlich verbliebenen Gebieten auszubeuten, die z.T. sogar unter Schutz stehen. Dieser Prozess im Namen von nationalem Interesse oder Fortschritt fuehrt, wie die Vergangenheit zeigt, neben Verschmutzung und Zerstoerung weitraeumiger Gebiete zur Entwurzelung der dort lebenden Menschen.

Auswirkungen der Erdoelfoerderung auf Waldflaechen

Durch Probebohrungen zur Auffindung neuer Lagerstaetten werden hunderte Hektar Wald abgeholzt. Eine Quelle allein benoetigt eine Flaeche von 2 Hektar. Giftige Abfaelle der Erschliessungsphase werden tonnenweise unbehandelt in die Umgebung entsorgt. Nach Beginn der Foerderung kommt es neben "regulaerer" Verschmutzung auch zu Unfaellen. Bei der Separation von Oel und Wasser und der Verbrennung von Gas entsteht weitere Verschmutzung. Das Wasser enthaelt verschiedene Salze und Giftstoffe und die Gase bilden Schadstoffe in der Atmosphaere. Darueber hinaus hat die Oelfoerderung auch soziale Auswirkungen, wie die erzwungene Umsiedlung traditioneller Gemeinden und/oder gesundheitliche Beeintraechtigungen aufgrund von Verschmutzung und Resourcenknappheit.

Aktuelle Entwicklung

Einer der derzeitig betroffenen Gebiete ist der Block 23 im ecuadorianischen Amazonasgebiet, in dem sich das Territorium der Quichua-Gemeinde Sarayacu befindet . Diese befinden sich seit nun mehr als einem Jahr in offener, teilweise bewaffneter Konfrontation mit der argentinischen Oelgesellschaft CGC-Burlington sowie der ecuadorianischen Armee. Sarayaku ist eine Gemeinde, die sich seit Jahrzehnten konsequent gegen die Erdoelfoerderung auf ihrem Territorium weigert und schon den Versprechungen von mehreren Oelfirmen widerstanden haben, die mit Bohrungen beginnen wollten. Ihrer Meinung nach koennen die kurzweiligen Geldspenden und Jobs, die von den Oelfirmen als Leitung versprochen werden kein Ersatz sein fuer die Erhaltung ihres Lebensraumes und ihrer eigenen Kultur, die auf der Gesundheit ihres Oekosystems basiert. Die Gemeinde ist nur ueber den Fluss Bobonaza und per Flugzeug zu erreichen.

Seit Oktober 2002 befindet sich Sarayaku im Belagerungszustand durch das Militaer, das sowohl an den Grenzen ihres Territoriums stationiert ist als auch den einzigen Zugang ueber den Fluss blockiert hat. Schon einmal konnten sie den Versuch des Militaers, in ihr Gebiet einzudringen, abwehren, und die Soldaten zu entwaffnen, waehrend sie selbst nur Speeren bewaffnet waren. Durch internationale Unterstuetzung konnte eine Klage wegen Menschenrechtsverletzungen beim amerikanischen Gerichtshof eingereicht werden; nichtsdestotrotz verkuendete der ecuadorianische Praesident Lucio Guiterrez, dass das Militaer mit der Invasion des Territoriums im Dezember beginnen wuerde, um die Bohrungen zu ermoeglichen.

Vorgeschichte

Die Situation in Sarayaku spitzt sich von Moment zu Moment immer weiter zu. Regierung und Militaer stellten mehrmals klar, dass es sich bei den Oelexplorationen um Operationen "nationalen Interesses" handelt, was bedeutet dass die verfassungsmaessig verankerten Gebietsrechte des Stammes von Sarayaku praktisch keine Bedeutung mehr haben. Um sich Zugang zum Territorium von Sarayaku (und anderen Gemeinden) zu verschaffen, werden verschiedene Strategien angewandt: - Einige der Indigena-Gemeinden wurden mit verschiedenen Versprechen und Geschenken von den Oelfirmen "gekauft". Eine der Strategien ist es nun, Konflikte zwischen verschiedenen Staemmen, aber auch innerhalb der Gemeinde selbst, zu schueren. Dafuer verbreiten sie Luegen, Verleumdungen und Falschmeldungen; "gekauften" Staemmen wird erklaert, dass diejenigen, die Widerstand leisten, gegen die wirtschaftliche Entwicklung sind und damit gegen sie kaempfen.

Im Falle von Sarayaku gibt es beispielsweise zwei Gemeinden, die aktiv an der Flussblockade des Militaers mitwirken. - Wenn diese Strategie fehlschlaegt, bleibt immer noch die Repression. Menschen werden wegen Bagatellen verurteilt (dank guter Beziehungen zu Gerichten und Staatsanwaelten), eingeschuechtert und z.T. sogar umgebracht und als "Unfaelle" dargestellt. Offiziell wird jegliche militaerische Praesenz in Sarayaku abgestritten. Auch in der ecuadorianischen Oeffentlichkeit ist der Fall kaum bekannt, in den Medien wird so gut wie nichts darueber berichtet. Widerstand und kommende Aktionen Da eine militaerische Invasion in den naechsten Wochen zu befuerchten ist und die Gemeinde Sarayaku sich in disem Fall fuer den bewaffneten Kampf ausgesprochen hat, sind fuer die naechste Zeit viele Aktionen geplant. Aufgrund ihrer Isolation ist dies die einzige Moeglichkeit des Widerstandes.

Am 5. und 6. Dezember finden in der nahegelegenen Stadt Puyo Demonstrationen, Aktionen und Workshops statt. Es soll versucht werden, eine moeglichst grosse Oeffentlichkeit zu erreichen um den Druck auf die Regierung zu verstaerken. Seid kreativ, denkt euch moegliche Aktionen aus (Botschaft o.ae.) und verbreitet diese Info! Sarayaku ist nur eine von vielen Gemeinden in Ecuador und anderen Laendern, die mit der Zerstoerung ihres Lebensraumes konfrontiert werden.

Fuer mehr Infos: www.sarayacu.com www.accionecologica.org Sarayaku bleibt, weg mit den Erdoelkonzernen!