Offenes Schreiben an deutsche Biohersteller wegen Biopalmöl von der Daabon-Gruppe in Kolumbien

15.10.2010

Von: Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ASK), Brot für Alle, FIAN, Kolko e.V., Rettet den Regenwald e.V., uniterre

 

An: Biohersteller Allos, Alnatura, Rapunzel

 

Ihr Eintreten gegenüber Daabon für die Wiederherstellung der Rechte der 123 Kleinbauernfamilien aus Las Pavas in Kolumbien


Bern, Berlin, Hamburg, 15. Oktober 2010


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns erneut an Sie, um Sie an Ihre Mitverantwortung im Fall Las Pavas in Kolumbien zu erinnern. 123 Kleinbauernfamilien wurden im Juli vergangenen Jahres auf Geheiss von C.I. Tequendama durch die Polizei und unter Mitwirkung korrupter Behörden vertrieben. Den von The Body Shop und Christian Aid in Auftrag gegebenen unabhängigen Experten-Bericht haben Sie erhalten. Seine wesentlichen Aussagen sind:

  • Die Bauern haben seit Jahrzehnten auf und von diesem Territorium gelebt; es gibt für das Konsortium El Labrador keine Entschuldigung, von dieser Sachlage keine Kenntnis gehabt zu haben; der Staat hat das Recht der Campesinos auf das Land nicht garantiert; der Anbau von Palmen hat zu schweren Umweltbeeinträchtigungen geführt.
  • Die Kleinbauern von Las Pavas, organisiert in ASOCAB, haben gestützt auf diesen Experten- bericht klare Forderungen gestellt:
  • Der Staat muss seine Verantwortung in Bezug auf die Restitution des Landes wahrnehmen und ihnen einen fairen Prozess mit den notwendigen Garantien gewähren;
  • Das Konsortium El Labrador soll das Land an die Kleinbauern von ASOCAB zurückgeben und keinen weiteren Nutzen daraus ziehen;
  • Alle Palmölfirmen sollen aufhören, die Umwelt und das Land zu schädigen, da die Kleinbauern ein Recht auf das Land und das Territorium haben und dieses zur Lebensmittelproduktion brauchen.

Daabon hat am 9. September 2010 der Gemeinschaft Las Pavas geantwortet. Sie laden die Gemeinschaft zu Gesprächen und einem Dialogprozess ein, um gemeinsam Lösungen für eine Entwicklung der Region und sozialen Fortschritt zu finden. Weitere konkrete Vorschläge bezüglich des Landes machte das Unternehmen nicht. Die Gemeinschaft von Las Pavas hat diese Gesprächseinladung dementsprechend abgelehnt.

Daabon behauptet weiterhin, dass dieser Expertenbericht ihnen Recht gebe und dass sie das Land legal gekauft hätten. Das stimmt nachweislich nicht, das Konsortium hat nicht in gutem Glauben gehandelt. Ebenso beschuldigt Daabon weiterhin die Gemeinschaft von Las Pavas und die Nichtregierungsorganisationen, Lösungen zu verhindern und Firmen wie The Body Shop aufzuhetzen. Wir finden dieses Verhalten und die Unfähigkeit von Daabon, zu ihren Fehlern zu stehen, absolut inakzeptabel.

Deshalb teilen wir auch Ihre Argumentation nicht, dass auf den biologischen Palmplantagen alles in Ordnung sei und Las Pavas in einer anderen Region liege und konventionelles Öl – allenfalls sogar für Agrotreibstoffe – produzieren werde, und deshalb die Biosiegel nicht betroffen seien. Interessierte können anhand der Website von Daabon nicht sehen, welche Teile des Unternehmens zertifiziert sind. Biosiegel scheinen allgemeingültig. Auch wenn das Palmöl für Ihre Produkte nicht aus der Region des Mittleren Magdalena stammt, beziehen Sie de facto Öl von einem Unternehmen, das in Landrechtsstreits verwickelt ist. Wir erachten das Fehlverhalten von Daabon als schwerwiegend und deshalb als das ganze Unternehmen beeinflussend.

Wir sind daher der Meinung, dass Sie als Biohersteller auf ihren Lieferanten einwirken sollten, um die Forderungen der Familien nach umfassender Rückgabe des Landes zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund erachten wir auch Ihre Stellungnahme, wonach Sie die Selbstverpflichtung von Daabon begrüssen und einen konstruktiven Dialog und die Einhaltung derselben hohen sozialen und umweltverträglichen Maßstäbe auch im Mittleren Magdalena erwarten, als ungenügend. Es genügt unserer Meinung nach nicht, dass Sie den Prozess aufmerksam verfolgen und fortlaufend bewerten, denn Ihre Haltung könnte die unfaire Landnahme zementieren, unterstützt das Recht des Stärkeren und trägt zur Imageaufbesserung des Unternehmens bei. Wir erwarten von Ihnen, dass Sie sich gegenüber Daabon nachdrücklich für eine umfassende Wiederherstellung der Rechte der Kleinbauern von Las Pavas einsetzen.

Wir erwarten weiterhin, dass Sie die Kundeninformationen auf Ihrer Website ganzheitlicher gestalten, denn Ihre Kunden haben ein Recht auf vollständige und richtige Information. Der unabhängige Expertenbericht ist prominent hervorzuheben. Für uns ist unverständlich, warum Sie den Ecocert-Bericht weiter öffentlich verbreiten, obwohl er nachweislich Unwahrheiten über die 123 Kleinbauernfamilien enthält. . Der Verweis, dass der Fall juristisch nicht zu klären sei, ist irreführend. Sie müssten zumindest auf die legitimen Ansprüche der Familie verweisen.

Gerne erwarten wir Ihre Antwort bezüglich der konkreten Forderungen der Kleinbauern von las Pavas. Wir hoffen, dass Sie nun konkrete Schritte zu Gunsten dieser Gemeinschaft unternehmen., Wir bitten Sie, uns darüber zu informieren, wie Sie sich gegenüber Daabon für die Rechte der Kleinbauern einsetzen, und ob Daabon diesbezüglich konkrete Zusagen mit einem verbindlichen Zeitrahmen macht. Andernfalls behalten wir uns vor, im Sinne der Familien und in Absprache mit den in Kolumbien tätigen Organisationen, die die Familien vertreten, mit diesen Informationen an die deutschen und Schweizer Massenmedien, Fachzeitschriften, Konsumentenverbände zu treten, um auf die Situation aufmerksam zu machen und den Rechten der Gemeinschaft zur Durchsetzung zu verhelfen.

Gerne erwarten wir Ihre Antwort in den nächsten 2 Wochen. Für weitere Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen

Stephan Suhner Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ASK), Postfach 5254, CH-3001 Bern

Folgende Organisationen unterstützen den Brief:

Brot für Alle, FIAN, Kolko e.V., Rettet den Regenwald e.V., uniterre

 

Weitere Informationen hier.