Agrosprit: Al Gore bedauert seine Unterstützung für Ethanol aus Mais

11.09.2010

"Die massiven Subventionen für Ethanol sind keine gute Politik", erklärte der ehemalige US-Vizepräsident und selbsternannte Klimaschützer Al Gore auf einer Energiekonferenz in Athen laut einem Reuters-Artikel.

"Ethanol der ersten Generation, denke ich, war ein Fehler", so Gore weiter. "Das Verhältnis der Energieumwandlung ist bestenfalls sehr gering. Sobald ein solches Programm in die Tat umgesetzt wurde, ist es schwer mit der Lobby fertig zu werden, die es unterstützt."

Gore kehrt damit seine langjährige Unterstützung für Ethanol aus Mais ins Gegenteil um. Allein in den USA wird die Ethanolproduktion aus Mais mit jährlich 7,7 Milliarden US-Dollar Steuergeldern subventioniert. 40 Prozent der US-Maisernte werden schon jetzt in Agrokraftstoff umgewandelt, damit die spritfressenden amerikanischen Autos angeblich umweltfreundlich fahren können.

Als die wahren Gründe für seine Unterstützung des US-Ethanolprogramms in den 1990er Jahren nannte Gore seine damalige Präsidentsschaftskandidatur in den Bundesstaaten Tennessee und Iowa, die zu den Zentren der US-Agrarindustrie gehören und von den Ethanol-Subventionen stark profitieren:

"Einer der Gründe, warum ich diesen Fehler gemacht habe war, dass ich besonderes Augenmerk auf die Landwirte in meinem Heimatstaat Tennessee gerichtet und eine gewisse Vorliebe für die Bauern im Bundesstaat Iowa entwickelt habe, weil ich dabei war, für das Präsidentenamt zu kandidieren."

Die Auswirkungen des Biospritbooms auf die Nahrungsmittelproduktion schätzt Gore nun ebenfalls negativ ein: "Die Menge und vor allem der Anteil von Mais, der jetzt für Ethanol der ersten Generation verwendet wird, hat definitiv einen Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise. Der Konkurrenzkampf mit den Nahrungsmittelpreisen ist Realität." Da sämtlicher "Bio"sprit aus Nahrungsmitteln wie Mais, Weizen, Zuckerrohr, Palm-, Raps- und Sojaöl hergestellt wird, werden weltweit die Vorräte knapp und die Preise teurer.

Auch das Fernsehmagazin Kontrovers des Bayrischen Rundfunks beschäftigt sich mit der fehlgeleiteten Agrospritpolitik und den Machenschaften von Al Gore. Die 30-minütige Reportage Der Biospritskandal - Klimapolitik in der Sackgasse vom 24.11.2010 geht außerdem den katastrophalen Folgen der "Bio"dieselproduktion aus Palmöl in Indonesien nach.

Anmerkung

Der Verein Rettet den Regenwald ist überzeugt, dass die massive vom Menschen verursachte Umweltzerstörung und die Verbrennung fossiler Energien wie Erdöl, Erdgas und Kohle einen sehr negativen Einfluss auf das Klima hat. Schwerpunkt der Umwelt- und Klimapolitik muss es daher sein, vor allem die natürlichen Ökosysteme zu erhalten und den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren  - insbesondere in den Ländern des globalen Nordens.

Der von der Politik - allen voran den USA, Deutschland und der EU - geförderte weltweite Boom bei den Agarenergien ist hingegen weitgehend skrupellose Geschäftemacherei. Die gesetzlich vorgeschiebenen Beimischungsquoten und Milliarden Subventionen verhelfen der Agrarindustrie zu gigantischen Profiten - auf Kosten von Mensch, Umwelt und Klima. Wir sind deshalb gegen den industriellen Anbau, Produktion und globalen Handel von Agrosprit, "Bio"masse und "Bio"gas.