Weltbank gefährdet größte Urwälder Afrikas

09.07.2004

München, 9. Juli 2004 - Der größte Waldbestand Afrikas ist in Gefahr: 60 Millionen Hektar Regenwald der Demokratische Republik Kongo will die Weltbank für den kommerziellen Holzeinschlag öffnen. "Mit ihren Plänen ignoriert die Weltbank die fatalen Folgen für die enorme Artenvielfalt des Kongos und für die 35 Millionen Menschen, die von diesen Wäldern abhängig sind", betont Dr. Sandra Altherr, Sprecherin von PRO WILDLIFE. Die Artenschutzorganisation verweist auf die bedrohliche Situation der Berg- und Flachland-Gorillas sowie der nur hier vorkommenden Bonobos (Zwergschimpansen). Ihr Appell richtet sich auch an die Bundesregierung, die als einer der wichtigsten Geldgeber für den Kongo enorme Einflussmöglichkeiten hat, bislang aber den Plänen der Weltbank blindlings vertraut. Die Weltbank und die Interimsregierung des Kongo vereinbarten, die gesamte Waldfläche des Landes in Nutzungskategorien aufzuteilen. Dieser Prozess soll bereits im Oktober 2004 abgeschlossen sein. Bis dahin ist ein Rodungsmoratorium vereinbart.

In einem Schreiben an die Weltbank kritisiert PRO WILDLIFE drei maßgebliche Schwachpunkte der Rodungspläne:
1. Gefährdung der einzigartigen Artenvielfalt des Kongo: Der Kongo beherbergt mit 1,3 Millionen km² mehr als die Hälfte der verbliebenen tropischen Wälder Afrikas. In den wegen der Bürgerkriegssituation weitgehend intakt gebliebenen Waldflächen leben 1.000 Vogel- und über 400 Säugetier-Arten, viele davon kommen ausschließlich hier vor. Die Pläne der Weltbank, fast die Hälfte der Landesfläche für Rodungen zu öffnen, würde wichtige Rückzugsgebiete für bedrohte Arten wie Waldelefanten, Bonobos und Gorillas zerstören und Wilderern selbst abgelegenste Waldgebiete zugänglich machen.
2. Beeinträchtigung der indigenen Völker: Die Weltbank rechtfertigt ihre Pläne mit den Entwicklungsmöglichkeiten für die Bewohner des armen Landes. Doch sie ignoriert dabei die Interessen von 35 Millionen Menschen - 75% der gesamten Bevölkerung - die in und von den Wäldern leben. Im März diesen Jahres formierte sich eine Allianz aus 27 ethnischen Gruppen, die Widerstand gegen die Pläne der Weltbank angekündigt haben.
3. Ignorieren von Korruption und politisch instabilen Verhältnissen: Blutige Unruhen sind immer noch an der Tagesordnung, Korruption und Vetternwirtschaft öffnen den internationalen Holzkonzernen derzeit die Türen.

"Trotz Rodungsmoratorium wird der Kuchen schon jetzt inoffiziell aufgeteilt", kritisiert die PRO WILDLIFE Sprecherin. "Dies zeigt, dass die Weltbank die Situation in der DRC nicht unter Kontrolle hat. Die für Oktober geplante offizielle Freigabe von 60 Millionen Hektar Wäldern für den Holzeinschlag würde einen Dammbruch bedeuten, der fatale ökologische und soziale Folgen haben wird." Der Handel mit Tropenholz aus Afrika boomt. Besonders begehrt sind die hochwertigen Holzarten (z.B. Iroko, Sapelli, Sipo), die u.a. zu Gartenmöbeln, Fensterrahmen oder Furnierhölzern verarbeitet werden. Deutschland gehört nicht nur zu den Hauptimporteuren für afrikanische Tropenhölzer, sondern ist auch wichtiger Geldgeber für den Kongo. PRO WILDLIFE appelliert daher dringend auch an Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, ihre bislang unkritische Haltung gegenüber den Weltbankplänen zu revidieren.

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