Zellstofffabrik und Hackschnitzelwerk United Fiber System auf Borneo

19.12.2005

Mag. Daniel Hausknost
Rainforest Campaigner GLOBAL 2000
Friends of the Earth Austria
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Ich möchte die wichtigsten Punkte des RZB-Briefs kommentieren: Zunächst wird von einer "Vermischung der beiden Projekte" gesprochen. Wir haben unseren Brief sowohl an Andritz als auch an die RZB gerichtet und klar definiert, dass die RZB nur an der Finanzierung des Hackschnitzelwerks, Andritz hingegen an der Lieferung von Maschinen für beide Werke beteiligt ist. Von "Vermischung" kann keine Rede sein. Tatsächlich gehören die beiden Projekte auch insofern zusammen, als sie Anspruch auf dieselben Plantagenflächen erheben und von der selben Firma (UFS) errichtet werden.

Jetzt wird es etwas kompliziert: das Zellstoffwerk verfügt über ein eigenes integriertes Hackschnitzelwerk, das nichts mit dem von der RZB finanzierten Hackschnitzelwerk auf Pulau Laut zu tun hat. Das RZB-Werk wird Hackschnitzel für den Weltmarkt (hauptsächlich China) produzieren, während das Werk der Zellstofffabrik ausschließlich Hackschnitzel für die Zellstofffabrik selbst herstellt. Daraus ergibt sich aber, dass beide Werke EIGENE Flächen benötigen, weil die Hackschnitzel des RZB-Werks ja nicht in das Zellstoffwerk sondern nach China fließen. Das wird aber sowohl von der RZB als auch von der finnischen Consultingfima Jaakko Pöyry (JP) unter den Tisch gekehrt.

In der Region Südkalimantan exisitieren laut JP insgesamt etwa 155.000 Hektar Akazienplantagen (UFS-eigene plus andere PLantagen). Das Zellstoffwerk selbst benötigt nach UFS-Angaben jedoch schon mindestens 160.000 ha, und das Hackschnitzelwerk (das die RZB mitfinanziert) benötigt offiziell weitere 80.800 ha. Zu allem Überdruss hat UFS nun bereits den Betrieb der Zellstofffabrik Kiani Kertas (KK) in Ostkalimantan operativ übernommen und versorgt das Werk teilweise ebenfalls mit Holz aus Südkalimantan. Wir können also weitere rund 70.000 - 100.000 ha Holzbedarf für KK aus Südkalimantan hinzufügen. Ergibt insgesamt bis zu 340.000 Hektar benötigte Plantagenflächen, bei exisitierenden 155.000 Hektar.

Dieses Zahlenspiel hält sich jedoch noch brav an die überoptimistischen Ertragserwartungen von UFS von 20 m³/ha/Jahr. JP schrieb jedoch 2004, dass der höchste jemals auf Borneo gemessene Ertrag bei nur 15 m³/ha/Jahr lag. Das würde bedeuten, dass das Zellstoffwerk nicht 160.000 sondern 207.000 ha Fläche benötgen würde, sowie das Hackschnitzelwerk 108.000 statt der offiziellen 80.800 ha. Denn Fakt ist, dass bisher noch kein Zellstoffwerk in Indonesien mit dem prognostizierten Holzbedarf sein Auslangen gefunden hat und dass selbst die Ertragserwartung von 15 m³/ha/jahr noch weit über dem bisherigen Durchschnittsertrag in der Region liegt.

Selbst wenn nun UFS und die RZB recht hätten und sich die beiden neuen Werke irgendwie mit den existierenden 155.000 ha Plantagen versorgen ließen, wären damit unsere Bedenken keineswegs ausgeräumt, wie wir ja in unserem gemeinsamen Brief auch ausgeführt haben: denn die Holzversorgung der indonesischen Zellstoffindustrie beruht heute noch immer zu etwa 73% auf Raubbau aus Urwäldern. Um die bereits existierenden Produktionskapazitäten dieses Industriezweiges mit Plantagenholz versorgen zu wollen, müssten daher nach Weltbankangaben 1,2 Millionen ha (!) neuer Plantagen angelegt werden. Allein dafür müssten weite Regenwaldgebiete zerstört werden.

In dieser Situation ist der Aufbau weiterer Produktionskapazitäten an sich schon Irrsinn. Statt dessen müssten die bestehenden 155.000 ha genutzt und möglichst effizient bewirtschaftet werden, um das enorme Defizit an Plantagenholz zu lindern und den Raubbau am Regenwald wenigstens zu verlangsamen. Eigentlich müssten jedoch 2-3 Werke stillgelegt werden. In dieser Situation von einer möglichen "nachhaltigen" Holzversorgung eines neu zu errichtenden Zellstoffwerks zu sprechen, ist blanker Zynismus. Die von der RZB zitierte Studie von JP geht auf diese Problematiken natürlich mit keinem Wort ein, sondern betrachtet allein die Tatsache, dass die 155.000 ha Plantagenflächen grundsätzlich ausreichen, um die Bedürfnisse des Hackschnitzelwerks zu decken (sowohl das UFS-Zellstoffwerk, als auch KK werden dabei völlig ausgeblendet).

Zu den 40.000 ha akut bedrohter Regenwälder: diese befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hackschnitzelwerk und befinden sich offenbar innerhalb einer Plantagen-Konzession. Selbst JP erwähnt diese Wälder im Gutachten für die RZB und konstatiert nur, dass sie bisher nicht gerodet wurden. In einer anderen Studie von JP aus dem Jahr 2004 (für EKA Chemicals) wird explizit die Gefahr angesprochen, dass diese Wälder gerodet und in Plantagen umgewandelt werden könnten. Bei Betrachtung der enormen Holzknappheit in der Region ist diese Möglichkeit mehr als nur wahrscheinlich.

Wenn man nun die oben geschilderte Holzversorgungssituation der indones. Zellstoffindustrie betrachtet, scheint es wohl verständlich, dass es für GLOBAL 2000 unter keinen Umständen eine Lösung sein kann, die beiden Werke zu bauen und im Gegenzug in ein "Environmental Committee" einzutreten, welches dann Umweltkosmetik betreibt. Bei dem offensichtlichen eklatanten Mangel an Plantagenholz in Indonesien (der NICHT zur Anlage wieterer hunderttausender Hekatr Plantagen führen darf) ist JEDER Ausbau der Verarbeitungskapazität der Zellstoffindustrie abzulehnen, egal unter welchen ökologischen Rahmenbedingungen er erfolgt. Auch die Errichtung des modernsten und ökologischsten Zellstoffwerks/Hackschnitzelwerks der Welt würde in jedem Fall zur weiteren Beschleunigung der Entwaldung Indonesiens beitragen. Abgesehen davon ist die Errichtung eines Hackschnitzelwerks, das Hackschnitzel für China produziert, an sich schon ein Wahnsinn, wenn dieses Holz doch dringend von den indonesischen Zellstofffabriken benötigt würde, um deren Abhängigkeit von Urwaldholz zu reduzieren.

Ich hoffe, damit alle inhaltlichen Fragen geklärt zu haben und stehe für weitere Diskussionen gerne zur Verfügung.

Liebe Grüße,

Mag. Daniel Hausknost
Rainforest Campaigner GLOBAL 2000
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