Peru: Einschüchterungsversuche gegen Umweltschützer

Bauern stehen am Rande des Gold-Tagebaus Bauern in Cajamarca betrachten Verwüstung durch Bergbau

18.12.2012

In vielen Ländern nimmt die systematische Einschüchterung von Menschenrechtlern und Umweltschützern zu. Die Angestellten des Umweltvereins GRUFIDES im peruanischen Cajamarca gehen nach den aktuellen Vorfällen an die Öffentlichkeit.

Am Samstag, den 15. Dezember, wurde zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen in das Haus der Rechtsanwältin Mirtha Vasquez eingebrochen. Vasquez arbeitet für die Umweltorganisation GRUFIDES im nordperuanischen Cajamarca. Bei beiden Einbrüchen wurde nichts gestohlen. Der Einbruch geschah, als die Babysitterin und die Tochter von Mirtha Vasquez im Park spazierten.

Einen Tag zuvor, am 14. Dezember, wurde das Auto von Sergio Sanchez von Unbekannten beschädigt. Sanchez ist Umweltexperte bei Grufides. Der Vorfall ist ungewöhnlich, da normalerweise Autoteile gestohlen werden, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. 

Fünf Wochen vor den beiden aktuellen Vorfällen wurde in die Wohnung von Ivett Sánchez eingebrochen. Auch dort wurde nichts gestohlen. Sánchez arbeitet als Sekretärin bei GRUFIDES.

Während der Einbrüche standen die Wohnungen leer. Das legt den Schluss nahe, dass die Mitarbeiter von GRUFIDES überwacht oder ihre Telefone abgehört werden, damit die Einbrecher ungesehen agieren konnten.

Im Juli 2012 berichtete das Wochenmagazin Caretas, dass zwei Geheimdienste des peruanischen Staates geheime Operationen gegen den bekannten Umweltschützer und Pfarrer Marco Arana durchführten. Bei einer friedlichen Demonstration in Cajamarca wurde Arana grundlos von der Polizei angegriffen, geschlagen und verhaftet. Während der 13 Stunden in Arrest wurde er weiter misshandelt.

Es ist offensichtlich, dass diese Verbrechen die MitarbeiterInnen der Umweltorganisation GRUFIDES einschüchtern sollen. GRUFIDES ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit mehr als zehn Jahren für die Rechte von Kleinbauern einsetzt, die sich im Konflikt mit dem US-amerikanischen Bergbaukonzern Yanacocha befinden.

Der engagierte Einsatz von GRUFIDES für die Grundrechte der Bevölkerung stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die Anwältinnen von GRUFIDES, Amparo Abanto und Mirtha Vasquez, haben die Polizisten angezeigt, die für den Überfall auf Marco Arana verantwortlich sind. Am kommenden Freitag wird die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in diesem Fall einleiten. Einige Angestellte von Yanacocha könnten durch die Arbeit von GRUFIDES ihre wirtschaftlichen Interessen bedroht sehen und auch das Management des Konzerns betrachtet die Umweltorganisation mit Argwohn. In diesem Jahr wurde das Erweiterungsprojekt der Yanacocha-Goldmine nach erheblichen Protesten der Bevölkerung suspendiert. GRUFIDES hat zudem einige leitende Mitarbeiter von Yanacocha im Namen der vom Bergbau geschädigten Bauerngemeinden verklagt. 

Nach einer aufgedeckten Spionageaktion, bei der GRUFIDES MitarbeiterInnen ausspioniert und bedroht wurden, ermahnte die Interamerikanische Menschenrechtskommission den peruanischen Staat. Die Regierung müsse die Sicherheit der MitarbeiterInnen von gemeinnützigen Organisationen garantieren, so die Kommission. Die aktuelle Bedrohung und die Einschüchterungsversuche von GRUFIDES-MitarbeiterInnen zeigen, dass der Staat bei dieser Aufgabe versagt.

Letzte Nachricht: Am 16.12.2012 um 16 Uhr wurden zwei junge deutsche Dokumentarfilmer bei „Laguna Azul“ in der Provinz Celendin von der PNP-Dinoes verhaftet. Die Spezialeinheit der Staatspolizei arbeitet auch für das Bergbauunternehmen Yanacocha.  

übersetzte Pressemitteilung von GRUFIDES (Grupo de Formación e Intervención para el Desarrollo Sostenible)