Neue Studie zu Chinas Handel mit illegalem Holz

20.12.2012

China ist in den letzen 10 Jahren zum weltgrößten Händler von illegal geschlagenem Holz aufgestiegen. Die britische Umweltorganisation EIA (Environmental Investigation Agency) hat den Holzeinschlag chinesischer Firmen in den tropischen Regenwaldgebieten der Erde untersucht. Um den immensen Bedarf der Industrie zu decken, holzen chinesische Firmen systematisch die Regenwaldgebiete der Erde ab – oft unter Missachtung der dortigen Gesetze. Mindestens 18,5 Millionen Tonnen Hölzer hat China 2011 aus illegalem Einschlag importiert – während es mittlerweile seine eigenen Wälder schützt und großangelegte Aufforstungsprogramme betreibt.

Chinas Holzverbrauch lag 2007 bei 371 Millionen Kubikmetern pro Jahr – bei gleichbleibenden Wachstumsraten wird er bis 2020 auf 477 Millionen Kubikmeter jährlich ansteigen. Dabei können die nationalen Holzvorräte bestenfalls die Hälfte der Nachfrage decken – und so steigern sich auch die Einfuhren: 2011 importierte die riesige Holzverarbeitungsindustrie 180 Millionen Kubikmeter (Tropen-) Holzprodukte.

Die EIA ist seit 2004 den Strömen illegaler Hölzer in den Produzentenstaaten Indonesien, Myanmar, Russland, Laos, Mosambik, Madagaskar und eben auch China nachgegangen und hat auch die milliardenschweren Importe illegaler Hölzer nach China untersucht. Insgesamt kamen 2011 52 Prozent aller Holzimporte nach China aus Ländern, die ein hohes Risiko für illegale Abholzung aufweisen. Dabei hat sich die EIA nur auf den Import von unverarbeiteten Holzmaterialien konzentriert. Chinas größte Handelspartner beim Import von illegal geschlagenem Holz sind Russland (5,6 Millionen Kubikmeter), Papua-Neuguinea (2,5 Millionen Kubikmeter), die Salomonen (1,5 Millionen Kubikmeter), Myanmar und die Republik Kongo (jeweils 500.000 Kubikmeter), Äquatorialguinea (270.000 Kubikmeter) sowie Mosambik (183.000 Kubikmeter).

Die Folgen des illegalen Holzeinschlags sind die Zerstörung lebensnotwendiger Wald-Ökosysteme, Einkommenseinbußen in den Ländern des Südens sowie die Verschärfung von Korruption und bewaffneten Konflikten in zahlreichen Ländern (wie z.B. Sierra Leone, Liberia, Kambodscha und Myanmar). Laut Weltbank verlieren Entwicklungsländer durch illegale Abholzung jährlich etwa 15 Milliarden US-Dollar in Form von Staatseinkünften und Steuern – nach ihren Angaben wird alle zwei Sekunden die Fläche eines Fußballfeldes illegal entwaldet.

Die Maßnahmen, die China bisher gegen illegale Abholzung ergriffen hat, sind sehr begrenzt: Im letzten Jahrzehnt wurden zwar Memoranden mit Indonesien, Myanmar und den USA unterzeichnet sowie in ein bilaterales Abkommen mit der EU abgeschlossen, das Strafverfolgung und Regierungsführung in Waldfragen koordinieren soll. Dennoch haben diese Vereinbarungen es nicht geschafft, die steigenden Importe von Holz aus illegalen Quellen zu regulieren. So hat China nach der Unterzeichnung des Memorandums mit Indonesien aus dem tropischen Land etwa eine Milliarde illegal geschlagenes Holz importiert. Chinas Regierung hat sich bisher nicht dazu durchringen können, den illegalen Holzhandel explizit zu verbieten. Ein weiteres Problem ist, dass die staatliche Forstverwaltung nur Einfluss auf die nationale Forstwirtschaft hat und für die Regulierung des internationalen Holzhandels die Handels- und Außenministerien aktiv werden müssten.

Daher kommt die Studie abschließend zu folgenden Handlungsempfehlungen:

1. Chinas Regierung sollte den Import von illegal geschlagenem Holz per Gesetz klar verbieten.

2. Ein formales Koordinationsgremium aus Beamten des Handels- und Außenministeriums sowie der staatlichen Forstverwaltung sollte für die effektive Bekämpfung des illegalen Holzhandels verantwortlich gemacht werden.

3. Bedrohte Holzarten (wie etwa bestimmte Rosenholz- und Ebenholzarten) sollten in das Washingtoner Artenschutzübereinkommen aufgenommen werden.

4. Die chinesische Regierung sollte Gesetze verabschieden, um Korruption und Bestechung ausländischer Beamter durch chinesische Firmen strafrechtlich verfolgen zu können.

5. Holzproduzierende Länder, die nach China exportieren, sollten ihre Wald- und Holzhandels-Gesetze verschärfen und die Regulierungsmaßnahmen streng einhalten.


Lesen Sie hier die vollständige Studie (in englischer Sprache).

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