Erfolge gegen Bergbau in Tropenwald von Ecuador

14.12.2006

Nach monatelangen Protesten von Bauern, Indigenen und Umweltschützern hat die ecuadorianische Regierung endlich Konsequenzen gezogen. Die Bergbauvorhaben der zwei kanadischen Bergbaufirmen, Ascendant Copper Corporation und Ecuacorrientes, wurden von den ecuadorianischen Behörden gestoppt. Beiden Firmen wurde Anfang Dezember die Betriebsgenehmigungen entzogen und die Einstellung sämtlicher Aktivitäten angeordnet. Das Energie- und Bergbauministerium Ecuadors reagierte damit auf die von den Bergbaufirmen provozierten gewaltsamen Auseinandersetzungen und den de facto Ausnahmezustand, der seit Monaten in den Bergbaugebieten herrscht.

Schwere Rückschläge für kanadische Bergbaufirmen Ascendant Copper und Ecuacorrientes
12 Dezember 2006

Ascendant Copper
Das Kupfervorkommen in Junin im Intag in den ecuadorianischen Anden ist das wichtigste Projekt der Firma Ascendant Copper. In den vergangenen Monaten hatte die Firma immer wieder erfolglos versucht, gewaltsam und mit bewaffnetem Personal die Minenkonzession zu besetzen. Dabei stieß sie auf den erbitterten Widerstand der lokalen Bauern und Umweltschützer, die den Zugang über ihre Grundstücke verhinderten. Herzstück des Widerstands bildete wiederum das 2.966 Hekatar große Sperrgrundstück im Bergregenwald beim Dorf Junin, dass mit Spendengeldern von Rettet den Regenwald für das Dorf gekauft wurde. Das Grundstück liegt mitten in der Minenkonzession und direkt über der Kupfermine. Mehrere dort von der Firma beanspruchte und im Katasteramt eingetragene Grundstücke wurden von den Bauern angefochten und mittlerweile von den zuständigen Behörden für unrechtsmäßig erklärt.

Seit zehn Jahren unterstützt Rettet den Regenwald Bauern und Umweltschützer im Intag in Ecuador. Die hatten bereits 1997 den japanischen Mitsubishikonzern aus dem Intag vertrieben. Aufgrund des jahrelangen Kampfs waren die Bauern auch jetzt auf die illegalen Landnahmen von Ascendant Copper gut vorbereitet. So patrouillieren sie als Waldranger permanent durch den Bergregenwald. Mehrfach wurden dabei Dutzende Minenarbeiter von den Bauern beim Versuch, das Sperrgrundstück zu besetzen, überrascht, entwaffnet und im Dorf festgesetzt.

Als vorläufiger Endpunkt griffen die Dorfbewohnern allein vergangene Woche 57 „Arbeiter“ von Ascendant Copper auf, 34 davon bewaffnete ehemalige Militärangehörige, und hielten sie tagelang in der Dorfkirche fest, um sie an die Behörden auszuliefern. Am vergangenen Wochenende wurden die Personen einer per Hubschrauber eingeflogenen Regierungsdelegation in Junin übergegeben. Zwei Tage zuvor hatten von Ascendant Copper bezahlte paramilitärische Söldner und angeheizte Minenbefürworter einer 500-köpfigen Abordnung von Regierungs- und Behördenvertretern den Zugang ins Gebiet gewaltsam blockiert. Die Delegation wurde durch Schüsse, Molotowcocktails, Tränengasgranaten und Steinhagel zur Umkehr gezwungen.

Tränengaseinsatz gegen die Bauern im Intag Foto: Paramilitärische Einheiten von Ascendant Copper attackieren die Bauern im Intag (6.12.2006)

Ecuacorrientes S.A.
Auch für die im Süden Ecuadors tätige kanadische Bergbaufirma Ecuacorrientes ordnete die Regierung die Einstellung sämtlicher Aktivitäten an. Mitten im Regenwald und Indianergebiet in den Provinzen Morona Santiago und Zamora Chinchipe im Amazonasgebiet an der Grenze zu Peru will Ecuacorrientes Kupfer und Gold abbauen. Unter Missachtung der Gesetze hatte die Firma immer wieder versucht, Fakten zu schaffen und gegen den Willen der mehrheitlich indigenen Bevölkerung mit den Arbeiten in der Minenkonzession zu beginnen.

Das Fass zum Überlaufen brachte die Entführung und Misshandlung des indigenen Parlamentsabgeordneten Salvador Quichpe. Der hatte vor Ort einen Protestmarsch der betroffenen Bevölkerung angeführt und war in einem von Ecuacorrientes gecharterten Militärhubschrauber gewaltsam verschleppt und misshandelt worden. Mindestens zwei weitere Personen wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert und schweben in Lebensgefahr.

Öffentliche Bestürzung über die Gewalt
Die gewaltsamen Übergriffe haben Bestürzung in der Öffentlichkeit und bei den zuständigen Behörden hervorgerufen. Auf nationaler Ebene ist eine Diskussion über den Bergbau entfacht. Der Energie- und Bergbauminister Ivan Rodríguez räumte ein, dass die lokale Bevölkerung nicht von Ascendant Copper und Ecuacorrientes konsultiert wurde und keine genehmigten Umweltverträglichkeitsprüfungen für die Bergbauvorhaben vorliegen. Weiterhin wetterte er im Fernsehen, dass die aktuelle Bergbaugesetzgebung dem Land keine Vorteile bringt und dringend reformiert werden müsste.

Der frisch gewählte Staatspräsident Rafael Correa, der im Januar sein Mandat beginnt, hat bereits umfangreiche Gesetzesreformen und eine neue Politik gegenüber den im Land tätigen ausländischen Firmen im Erdöl- und Bergbausektor angekündigt. Weiterhin will er gegen die allgegenwärtige Korruption vorgehen und sich für die Rechte und Entwicklung der überwiegend in Armut lebenden Bevölkerung einsetzen. Beide Industriezweige sind dafür bekannt, in hohem Maß Korruption zu fördern.

Mehr Informationen zum Thema in den Regenwald Reports auf dieser Internetseite: 4-2006, 3-2006, 4-2005, 4-2004, 2+3-2004, 3-2003, 4-2001, 4-2000.