Aktion Montag, 14.10. in Berlin: EU-Biodiesel vernichtet Regenwald

Ein junger Orang-Utan

10.10.2013

1,9 Mio. Tonnen Palmöl wurden 2012 in Autos verbrannt. 7.000 km2 Regenwald wurden dafür vernichtet. Der Lebensraum von 5.000 Orang-Utans – die Tiere hatten keine Chance.

Die EU debattiert derzeit über ihre „Biospritpolitik". Wie es mit der Energie vom Acker weiter geht, hängt nach Aussagen von internationalen Umweltschützern entscheidend von der deutschen Regierung ab. Die Position der Bundesregierung ist ausschlaggebend im EU-Ministerrat.

Die Merkel-Regierung muss beim Agrosprit jetzt auf die Bremse anstatt weiter auf das Gaspedal treten. Das Schicksal der Regenwälder entscheidet sich in Berlin, denn die Energiewende ist Teil der Koalitionsverhandlungen.

Wir möchten daher Mahnwachen und Proteste bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen organisieren. Bitte bringt Plakate, Banner und Protestnoten mit.

Am Montag, den 14. Oktober ab 15:30 Uhr in Berlin vor der parlamentarischen Gesellschaft am Friedrich-Ebert-Platz 2 (Rückseite des Reichstagsgebäudes des Bundestages)

FAKTEN ZU EU-Biosprit:

Das Schicksal der Regenwälder liegt in deutscher Hand

Die Dieselmotoren der europäischen Autos verbrennen immer mehr Palmöl. Für europäischen Biodiesel wurden 7.000 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt. 5.000 Orang-Utans verlieren dadurch ihren Lebensraum und sterben elend. Der Biosprit wird in der EU zwangsweise beigemischt. Die Bundesregierung hat jetzt die Chance, den Irrsinn zu stoppen.

Für die Regenwälder Südostasiens ist es eine Sekunde vor Zwölf. Orang-Utans, Sumatra-Tiger, Borneo-Zwergelefanten, Nashörner und unzählige andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten müssen für unseren Durst nach Palmöl bezahlen: Mit dem Verlust ihres Lebensraumes und oft genug mit ihrem Leben. Und den Menschen geht es kaum besser.
Warum?
Weil die Nachfrage nach diesem tropischen Pflanzenöl Jahr für Jahr weltweit steigt. Die mit Abstand größten Produzenten sind Indonesien und Malaysia – und die Länder der Europäischen Union ihre Hauptabnehmer.

Den Löwenanteil am Palmöl verschlingen zwar die Lebensmittel-Hersteller – doch keine Industrie hat ihr Begehren nach diesem so konkurrenzlos billigen Stoff in den letzten sechs Jahren so gesteigert wie Europas Biodiesel-Hersteller: um 365 Prozent! Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des International Institute for Sustainable Development aus Kanada. Sie besagt: 2012 verbrannten 1,9 Millionen Tonnen Palmöl in den Dieselmotoren der europäischen Autofahrer. Mittlerweile wird also fast ein Drittel der Palmöl-Importe in die EU von der Biosprit-Industrie verarbeitet. Ein fataler Trend – ausgelöst von der Europäischen Union und den Regierungen ihrer Mitgliedsländer.

Seit 2003 fördert die EU Biokraftstoffe, 2009 beschlossen die Parlamentarier die gesetzliche Beimischung von Agrosprit in Benzin und Diesel. Dafür erhält die Biosprit-Industrie aus Steuergeldern Subventionen in Milliardenhöhe. Bis 2020 soll der Anteil so genannter erneuerbarer Energien im Verkehr zehn Prozent betragen. Damit wollten sie vor allem das Klima schützen.

Aber was bedeutet diese Beimischungspflicht eigentlich – und was hat sie bewirkt?
Beispiel Biodiesel:
Dem fossilen Diesel-Kraftstoff wird Pflanzenöl zugemischt. Heimisches Raps- oder Sonnenblumenöl und importiertes Soja- und Palmöl. Schnell hat sich herausgestellt, dass die tropischen Pflanzenöle nicht nur billiger sind, sondern auch massenhaft verfügbar.

Die EU hat ihr Ziel, mit Biosprit das Klima zu retten, nicht erreicht. Im Gegenteil: Regenwälder und andere Ökosysteme werden für den Anbau der Pflanzenrohstoffe rigoros zerstört. Gigantische Mengen Kohlenstoff entweichen aus der gerodeten Vegetation und den Böden in die Erdatmosphäre. Biodiesel aus Palm- und Sojaöl ist daher sogar schädlicher als fossiler Diesel aus Erdöl, wie die von der EU beauftragten Expertenstudien belegen.

Außerdem hat die EU eine verhängnisvolle Konkurrenz zwischen Tank und Teller entfacht, und zwar in zweifacher Hinsicht. Die riesigen Monokulturen für die Biosprit-Pflanzen wachsen nun dort, wo vorher Nahrungs- und Futtermittel angebaut wurden. Und fast sämtlicher Agrosprit wird aus Lebensmitteln produziert: Aus Palm-, Soja- und Rapsöl für Biodiesel; aus Mais, Weizen, Zuckerrohr und Zuckerrübe für Ethanol im Super und E10-Kraftstoff.
So werden für immer mehr Menschen sogar Grundnahrungsmittel unerschwinglich – auf der Welt nehmen Hunger und Armut zu. „Viele Familien in unserem Land können sich das Palmöl zum Kochen nicht mehr leisten", sagt Nordin von unserer indonesischen Partnerorganisation Save our Borneo.

Es geht um die Zukunft der Erde – um die Menschen und um die einzigartige Artenvielfalt in den tropischen Regenwäldern. Denn der Anbau von 1,9 Millionen Tonnen Palmöl für unsere Dieselmotoren verschlingt 7.000 Quadratkilometer Tropenwald – er wird gerodet, um Platz zu schaffen für die riesigen Monokulturen aus Ölpalmen. Doch von 7.000 Quadratkilometer Regenwald könnten sich 5.000 Orang-Utans ernähren. Es gibt nur noch 50.000 dieser einzigen Menschenaffen Asiens – auf Borneo und Sumatra. Wir dürfen ihren Lebensraum nicht weiter für unsere Autotanks opfern.

Im Sommer hat der Indonesier Nordin in größter Sorge einen Brief an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso geschrieben. „Wir protestieren gegen den steigenden Palmölkonsum, die Förderungen für Pflanzenöle im Energiesektor, die Abwälzung der Lasten dieser Politik auf uns. Wir wenden uns auch gegen den Einsatz von Palmöl als angebliche „Bio"-Energiequelle, denn Ölpalmplantagen können nicht als umweltfreundlich bezeichnet werden. In Wahrheit zerstört Biodiesel aus Palmöl unseren Wald, unsere Menschenrechte und unsere Zukunft."

Es ist höchste Zeit, die völlig verfehlte EU-Biospritpolitk endlich zu beenden. Die Verhandlungen laufen noch. Die Politiker ringen vor allem um die Höhe der Beimischungspflicht von Nahrungsmitteln im Tank und darum, ob die Regenwald-Rodung in die Klimabilanz von Biosprit künftig einbezogen wird. Umweltschützer in Brüssel versichern, dass die Entscheidung über die zukünftige Biosprit-Politik der EU hauptsächlich von Deutschland abhängt.
Diese Situation gibt uns allen eine große Chance. Von unserer Überzeugungskraft hängt das Schicksal der Regenwälder und ihrer Bewohner ab.

Bitte schreiben Sie an die Bundeskanzlerin (siehe Muster unten). Sie soll ihr politisches Gewicht in der Europäischen Union einsetzen und den Biosprit-Irrweg endgültig verlassen.

Freundliche Grüße und herzlichen Dank

Reinhard Behrend
Rettet den Regenwald e. V.

Protestschreiben

An Bundeskanzlerin Frau Angela Merkel, Bundeskanzleramt Berlin
Sehr geehrte Frau Merkel,

die von Ihnen und der EU betriebene Biospritpolitik ist eine Katastrophe für Menschen und Natur. Wenn Nahrungsmittel zu Kraftstoffen verarbeitet werden, verschärfen sich Hunger und Armut auf der Welt. Für den Anbau der Pflanzen wird mit den Regenwäldern auch die Artenvielfalt vernichtet.
Bitte stoppen Sie die gesetzliche Beimischung von Agrosprit, streichen Sie die Milliarden-Subventionen und verbieten Sie die Importe von Palm- und Sojaöl.

Freundliche Grüße