Strafe für Anti-Palmöl-Demo?

RobinWood Aktivisten mit Bannern gegen Wilmar Demo vor der Wilmar-Raffinerie in Brake

10.10.2013

Acht Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood haben Strafbefehle wegen einer Demo vor dem Palmölkonzern Wilmar erhalten. Dieser Angriff im Namen des Palmöls ist empörend. Die Palmölkonzerne sind Feinde der Menschen und der Natur.

Wie wir von Robin Wood erfuhren, haben die Aktivisten Strafbefehle wegen Nötigung erhalten. Sie sollen am 17. September 2012 bei einer friedlichen Demonstration vor einem Werkstor einer großen Palmöl-Raffinerie von Wilmar in Brake bei Bremen angeblich einen Wagen einer Servicefirma, die für den Wilmar-Konzern arbeitet, behindert haben.

Wir sind entsetzt und protestieren dagegen, dass Firmen Umweltschützer in Deutschland mit Strafanträgen verfolgen, wenn sie mit friedlichen Demonstrationen gegen den Raubbau für Palmöl aufmerksam machen.

Die Strafverfolgung hat ein ganz offensichtliches Ziel: Sie soll die Umweltschützer einschüchtern, von weiteren öffentlichkeitswirksamen Protesten gegen die Palmölindustrie abhalten und eine Unterstützung der Opfer der Palmölindustrie behindern.

Die Arbeit und Aktionen von Robin Wood sind von größter Wichtigkeit für die Regenwälder und die dort lebenden Menschen. In Indonesien und anderen Tropenländern, in denen die Palmölindustrie Landraub, schwere Menschenrechtsverletzungen und Regenwaldzerstörung betreibt, sind die Regierungen und zuständigen Behörden weitgehend untätig und die Zivilgesellschaft schwach. Es ist daher sehr wichtig, dass die Aktivisten von ROBIN WOOD und andere Umweltschützer in Europa sich dagegen engagieren und demonstrieren.

Auch unser Verein protestiert seit Jahren zusammen mit Robin Wood und anderen Organisationen gegen die Machenschaften des Wilmar-Konzern. Am 10. August 2011 stürmten auf der indonesischen Insel Sumatra eine Spezialbrigade der Polizei Brimob und Sicherheitskräfte des Palmölkonzerns Wilmar die kleine indigene Siedlung Sungai Beruang. Sie liegt mitten in der 47.000 Hektar großen Palmölplantage der Wilmar-Tochter PT Asiatic Persada. Die Monokultur wurde illegal auf dem angestammten und staatlich anerkannten Land des indigenen Volkes der Suku Anak Dalam angelegt. Die Angreifer schossen um sich und verletzten einen Mann schwer. Die Bilanz der Gewalt-Aktion: In Sungai Beruang und zwei Nachbarsiedlungen wurden mehr als 70 Häuser zerstört. In Panik flohen die Bewohner vor den Gewehren und Bulldozern in den Wald. Erst nach Tagen und Wochen wagten sie sich zurück.

Nach Anzeigen verschiedener Organisationen wegen der schweren Menschenrechtsverletzungen in Indonesien durch den Wilmar-Konzern sah sich 2009 sogar die Weltbank gezwungen, sämtliche Finanzierungen für die Palmölindustrie rund um den Globus auszusetzen und eine neue Palmölstrategie auszuarbeiten. Die bankinterne Prüfungskommission Compliance Advisory Ombudsman CAO hatte die von der betroffenen Bevölkerung in Indonesien und zahlreichen Gruppen gegen Wilmar erhobenen Vorwürfe auf Borneo, Sumatra und in Jambi bestätigt. Seitdem arbeitet CAO zusammen mit den Betroffenen an Reparatur- und Kompensationsmaßnahmen für die Menschen.

Die Anzeigen wegen der angeblichen Behinderung eines Firmenfahrzeugs stehen in einem grotesken Missverhältnis zu der vom Wilmar-Konzern ausgehenden Gewalt und Regenwaldabholzung und anderen Verbrechen.

Wir fordern dazu auf, die Strafbefehle gegen die Umweltschützer von Robin Wood unverzüglich zurückzunehmen und den Raubbau für Palmöl zu beenden.

Eine Übersicht über die vollständigen Solidaritäts-Statements finden Sie hier:
http://www.robinwood.de/fileadmin/Redaktion/Dokumente/Tropenwald/palmoel/Solidaritaets-Statements-Brake.pdf

Prozesstermin:
Mittwoch, 30. Oktober, um 9:30 Uhr, Amtsgericht Brake, Bürgermeister-Müller-Straße 34 in 26919 Brake, Raum 103 (Stadtplan: http://bit.ly/1aI6jvu)
Die AktivistInnen und ihre UnterstützerInnen wollen bereits ab 9:00 Uhr vor Ort sein.

Pressemitteilung, Fotos und Videos
- zur Aktion am 17.9.2012
- zu einer ROBIN WOOD-Recherchereise nach Indonesien