Bauernfrauen gegen Agrobussiness

09.03.2007

800 Frauen der Bauernorganisation Via Campesina in Brasilien haben am 7. März 2007 in einer friedlichen Aktion die Ethanolfabrik CEVASA des US-amerikanischen Konzerns CARGILL besetzt. Die nahe der Stadt Riberao Preto im Bundesstaat Sao Paulo gelegene Fabrik ist die größte Ethanolfabrik Brasiliens. Jährlich werden in CEVASA aus 1,4 Millionen Tonnen Zuckerrohr 125 Tausend Tonnen Ethanol hergestellt. Ethanol wird in Brasilien als Treibstoff für Pkws benutzt und als Folge des weltweiten "Biokraftstoffbooms" zunehmend in alle Welt exportiert.

Die Besetzung ist Teil der Aktionswoche von Via Campesina "Frauen verteidigen das Leben gegen den Agrobussiness". Die in Bussen aus 40 Landkreisen in Sao Paulo angereisten Frauen protestieren mit der Aktion gegen die Ausweitung des industriellen Zuckerohranbaus in Brasilien und den Ausverkauf brasilianischer Fabriken zur "Biokraftstoffproduktion" an ausländische Konzerne.

Mit der Aktion wollen die Bauernfrauen die Öffentlichkeit auf die gravierenden Probleme beim Zuckerrohranbau und der Produktion von Ethanol aufmerksam machen. Die starke Ausweitung des industriellen Zuckerrohranbaus hat Umweltzerstörung und -verschmutzung durch das Abbrennen der geernteten Felder einschließlich dadurch hervorgerufene Atemwegserkrankungen, unmenschliche Arbeitsbedingungen sowie die weitere Konzentration von Land zur Folge, die zu einer weiterenVertiefung der krassen sozialen Unterschiede in Brasilien führen.

Im vergangenen Jahr hatte der umstrittene brasilianische Industrielle und Gouvernör Maurílio Biaggi 63% seiner Anteile an CEVASA an CARGILL verkauft. Mit dem Verkaufserlös kaufte Biaggi eine andere Fabrik im Bundesstaat Acre mitten im brasilianischen Amazonasregenwald. Kelli Mafort, Koordinator der brasilianischen Landlosenbewegung MST, erklärt dazu: "Ethanol ist keine saubere Energieform und ist umweltschädlich. Mit der Aktion wollen wir auch dem amerikanischen Präsidenten Bush sagen, dass er hier keine Freunde hat."

Am heutigen 8. März 2007 kommt Bush zum Staatsbesuch nach Brasilien. Auf der Agenda von Bush stehen Abkommen und eine geplante strategische Allianz mit Brasilien im Bereich der Produktion von Biokraftstoffen. Die USA und Brasilien sind die weltweit größten Ethanolproduzenten. In der nahe von CEVASA gelegenen Ethanolfabrik Sao Martinho begannen die Arbeiter mit einem Streik. Sao Martinho, die modernste Ethanolfabrik Brasiliens, wurde im vergangenen Jahr von europäischem und amerikanischen Investoren aufgekauft. Als Folge davon wurden die Löhne von durchschnittlich 1.100 Reales auf 580 Reales reduziert.