Riesige Schimpansen-Population entdeckt

Schimpansen sitzen in einem Baum Pan troglodytes schweinfurthii: Die Demokratische Republik Kongo beherbergt den größten Teil der Östlichen Schimpansen. Foto: Cleve Hicks (© Cleve Hicks / Max Planck Institut)

14.02.2014

Im Norden der Demokratischen Republik Kongo machten Forscher eine erstaunliche Entdeckung: Einige Tausend bislang unerfasste Schimpansen leben im Bas-Uele Gebiet. Es handelt sich vermutlich um die größte zusammenhängende Population der Welt.

„Niemals hätten wir damit gerechnet, so viele Schimpansen vorzufinden“, sagt Cleve Hicks, Forscher für das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig sowie für die Universität Amsterdam. Bisher galt das Habitat im Norden der Demokratischen Republik Kongos als ungeeignet für Schimpansen. Genau dort entdeckten die Wissenschaftler nun gleich mehrere Tausend Individuen. Vor Kurzem veröffentlichte der Biologe seinen überraschenden Fund in Biological Conservation.Hicks und sein Team hatten das 55.000 Quadratkilometer große Gebiet des Bas-Uele Distrikts systematisch auf den Bestand Östlicher Schimpansen untersucht.

Hinzu kommt, dass es sich vermutlich um eine riesige mit den Nachbarregionen verbundene Population handelt. „Wir haben überall Schimpansen-Nester entdeckt“, schreibt der Autor in der Veröffentlichung. Vermutlich handelt es sich um die größte noch existierende zusammenhängende Population. Dieses Gebiet sollte zum Erhalt der östlichen Unterart unbedingt geschützt werden.

Die Zukunft der Schimpansen sieht schwarz aus

Quer durch Afrika sind Schimpansen- Populationen bedroht. In vielen Gebieten sind die Tiere bereits ausgestorben oder ihre Anzahl stark dezimiert. Besonders leiden unsere nächsten Verwandten unter dem Verlust ihres Lebensraums. Seien es Bodenschätze, die Jagd nach wertvollen Hölzern oder großflächige Landwirtschaft, durch jede Waldrodung verlieren sie ein Stück Lebensraum. Zusätzlich drängt eine schnell wachsende Bevölkerung sie weiter zurück, denn mehr Menschen benötigen mehr Fläche. Andere tödliche Gefahren sind Krankheiten wie Anthrax, Ebola oder die vom Menschen übertragenen respiratorischen Viren. Auch fallen die Tiere häufig Buschfleisch-Jägern zum Opfer oder werden für den Handel verkauft. Dafür werden Jungtiere gefangen und ihre Mütter oder andere Tiere, die dem Kind zu Hilfe eilen, umgebracht.

Ein Hotspot der Biodiversität

Die Östlichen Schimpansen in der DR Kongo sind noch zahlreich vorhanden. Schätzungen zufolge existieren 75.000 bis 120.000 Individuen der Östlichen Unterart, davon befinden sich ungefähr 90.000 in der DR Kongo (Butynski 2001). Das Land besitzt mehr als die Hälfte aller afrikanischen Wälder und den größten Teil des Kongobeckens, welches den zweitgrößten Regenwald der Welt beherbergt. Cleve Hicks, der jahrelang vor Ort gelebt hat, berichtet: „In der nördlichen DR Kongo zu arbeiten, erfüllt mich mit Hoffnung. Es ist noch nicht zu spät, wenn wir Menschen zusammen dafür kämpfen, können wir dieses Gebiet hier beschützen. Die Tier- und Pflanzenwelt ist noch ziemlich intakt. Das Habitat besteht nicht wie in anderen Gegenden nur noch aus isolierten „Inseln” in der Mitte von Ackerflächen.“

Es ist wichtig jetzt zu handeln

Elefantenknochen

Denn zurzeit steht die neu entdeckte Population unter keinerlei Schutz. Besonders in der südlichen Uele-Region hat der kommerzielle Buschfleisch-Handel stark zugenommen, berichtet Hicks. Dies hänge mit der sich vermehrenden Gewinnung von Gold und Diamanten zusammen. Auch werden Waldflächen abgebrannt, um Holzkohle zu gewinnen oder für Landwirtschaft. Zwar gibt es noch Tausende Schimpansen und teilweise leben diese sogar in der Nähe von größeren Städten, aber das kann sich schnell ändern, warnt Hicks. Zum Beispiel habe die Elefanten-Population seit 2004 drastisch abgenommen. „Wir finden immer weniger Spuren und immer mehr Kadaver.“ Das Foto zeigt Hicks mit ICCN-Wächtern (institut congolaise pour la conservation de la nature) in Gangu vor Kieferknochen von zwei gewilderten Elefanten.

„Wir müssen einen permanenten Schutz bieten, bevor es zu spät ist“, betont der Forscher. Der Schutz dieser reichen Region sollte absolute Priorität haben. Dazu, so gibt er an, bräuchte man ein Team von mindestens 20 ICCN-Wächtern, die regelmäßig patrouillieren. Außerdem ein permanentes Forschungscamp; die Anwesenheit von Forschern hat sich auch andernorts bewährt. Zu guter Letzt hofft der Biologe, dass das Kerngebiet der Bili-Gangu Region Park-Status erhält.

Weitere Informationen über das Kongobecken finden sie hier.