Stadtwerke Schwäbisch Hall verbreiten offensichtlichen Unsinn

25.04.2007

Stellungnahme von Rettet den Regenwald e. V. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall, die kürzlich trotz massiver Kritik ein Palmöl-Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen haben, verharmlosen jetzt ganz gezielt den Regenwald-Raubbau und stellen sich endgültig auf die Seite der Regenwald-Plünderer. Neuerdings verbreiten die Stadtwerke Schwäbisch Hall eine Stellungnahme des BBK (Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V.) zum Thema "Biokraftstoffe – die Regenwald-und Armuts-Diskussion über Schwellenländer". Darin wimmelt es von falschen Behauptungen, Verharmlosungen und schlichter Unkenntnis der weltweiten Situation der Regenwälder.

Die Stadtwerke Schwäbisch Hall, die kürzlich trotz massiver Kritik ein Palmöl-Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen haben, verharmlosen jetzt ganz gezielt den Regenwald-Raubbau und stellen sich endgültig auf die Seite der Regenwald-Plünderer. Neuerdings verbreiten die Stadtwerke Schwäbisch Hall eine Stellungnahme des BBK (Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V.) zum Thema "Biokraftstoffe – die Regenwald-und Armuts-Diskussion über Schwellenländer". Darin wimmelt es von falschen Behauptungen, Verharmlosungen und schlichter Unkenntnis der weltweiten Situation der Regenwälder. In der Stellungnahme behauptet der BBK unter anderem: „Biokraftstoffe waren niemals der ökonomische Grund für eine Abholzung von Regenwald.

Die einzige ökonomische Triebkraft für die großflächige Zerstörung unseres Regenwaldes in den 60-iger und 70-iger Jahren war die Tropenholzgewinnung. Mit teilweise kriminellen Methoden fand noch bis in die 80-iger Jahre hinein ein weltweit organisierter Tropenholzraubbau statt. Der World Wide Fund for Nature (WWF), die Weltbank und zahlreiche andere internationale Organisationen haben u.a. mit Hilfe von weltweiten Kontrollen über Satelliten heute diese Entwicklung nahezu vollständig gestoppt. Import-Reglementierungen der EU, der USA und Japan sowie latente Überwachungen per Satellit mit regelmäßigen Infrarot-Kartierungen haben weltweit den großflächigen Eingriff in die natürlichen Regenwaldstrukturen fast vollständig unterbunden.“

Alles klar also beim internationalen Tropenholzhandel? 13 Mio. Hektar Wälder werden nach Angaben der FAO jährlich weltweit vernichtet, v.a. in Lateinamerika, Zentralafrika und Südostasien. Obwohl ein Großteil dieser Rodungen gegen nationale Bestimmungen im Herkunftsland (z.B. 94% in Kambodscha, bis zu 80% in Brasilien und Honduras, bis zu 70% in Indonesien und Gabun) verstößt, importiert die EU weiterhin hemmungslos Holzprodukte. Experten schätzen, dass rund 50 % aller Tropenholzimporte in die EU aus illegalen Quellen stammen.

Kein Geringerer als der indonesische Umweltminister Rachmat Witoelar selbst hat noch Anfang April 2007 die Weltgemeinschaft aufgefordert, kein illegales Tropenholz mehr zu kaufen. Nach einer Untersuchung der Environmental Investigation Agency von Februar 2007 werden allein in Indonesien durch illegalen Holzeinschlag jährlich 2,1 Millionen Hektar Regenwald zerstört. Der Wert der illegal gehandelten Stämme aus dem asiatischen Land beträgt pro Jahr rund 4 Milliarden US-Dollar. Trotzdem behauptet der BBK in seiner angeblichen Experten-Info: „Nahezu alle Regierungen der Länder in Äquatornähe sind von Krediten der Weltbank abhängig und gehören zu den Schwellenländern. Bei Verstößen gegen die Reglementierungen des WWF und der Weltbank werden ihnen alle finanziellen Mittel gestrichen. Deshalb haben fast alle Schwellenländer strikte Tropenholz-Export-Reglementierungen erlassen.“

Abgesehen davon, dass der WWF als Nichtregierungsorganisation überhaupt keine Reglementierungen gegenüber Staaten aufstellen kann, zeugt die BBK-Aussage von grober Unkenntnis oder vorsätzlicher Wahrheitsverdrehung. Gerade die Weltbank ist in den vergangenen Jahren häufig von namhaften Umweltorganisationen, aber auch aus den eigenen Reihen heftig dafür kritisiert worden, dass ihre Politik und ihre Kreditvergabe mehr zur Waldvernichtung als zum Waldschutz beigetragen hat. Die – teilweise illegale – Regenwaldvernichtung und die Anlage von riesigen Palmölplantagen hängen unmittelbar zusammen. Für Holz- und Palmöl-Konzerne ist es am lukrativsten, erst die wertvollsten Regenwaldbäume einzuschlagen und zu verkaufen und danach den Wald abzubrennen, um Platz für Ölpalmen zu schaffen. Die BBK-Aussage - „Biokraftstoffe waren niemals der ökonomische Grund für eine Abholzung von Regenwald.“ – ist daher nichts als die reine Unwahrheit.

Ebenso wie die BBK-Aussage: „Grundsätzlich sind Biokraftstoffe vor allem ökologisch unschlagbar effizient, da sie nahezu CO2-neutral mit jedem Liter der Substitution von Benzin und Diesel 2,5 kg CO2 einsparen.“ Wissenschaftler um Florian Siegert vom Geo-Bio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität München haben berechnet, dass Waldbrände in Indonesien im vergangenen Jahr für drei bis 15 Prozent des gesamten vom Menschen verursachten CO2-Ausstoßes verantwortlich waren. "Die meisten Brände wurden gelegt, um Platz für Plantagen zu schaffen", sagt Siegert. Dadurch wurde ein Vielfaches an CO2 freigesetzt als das, was durch den Einsatz von Palmöl anstelle von Mineralölen eingespart werden konnte. Siegert: "Die Klimabilanz von Palmöl aus gerodeten Regenwäldern, insbesondere aus Küstensumpfwäldern, ist eindeutig negativ."

In Malaysia und Indonesien wächst derzeit das Interesse an der Herstellung von Palmöl besonders stark. Malaysia erhöhte seine Produktion von 11,8 Mio. Tonnen (2001) auf voraussichtlich 15,9 Mio. Tonnen in diesem Jahr. Indonesien rechnet sogar mit einem Produktionszuwachs von 9,2 Mio. Tonnen auf 16,3 Mio. Tonnen im selben Zeitraum. Verantwortlich dafür ist in immer stärkerem Maße die Energieproduktion aus Palmöl in Industrieländern.

Bisher subventionieren die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) die Produktion und den Einsatz von „Biokraftstoffen“ mit Steuergeldern. Nach einer Studie des Leipziger Instituts für Energetik und Umwelt werden deutsche Blockheizkraftwerke in 2007 mindestens 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Palmöl erzeugen. Dafür erhalten die Kraftwerksbetreiber rund 200 Millionen Euro Subventionen über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), die auf die Stromrechnung aller Haushalte umgelegt werden.

Am 4.4. 2007 zitierte die SZ Achim Steiner, Generaldirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) mit den Worten: "Es ist absurd. In seinem Wunsch, das Klima zu schützen, fördert Deutschland die Zerstörung von Ökosystemen und die Emissionen von großen Mengen an Kohlendioxid durch die Brandrodung von Regenwäldern." Einer aktuellen Studie des Unep zufolge werden 98 Prozent des Regenwaldes in Indonesien im Jahr 2022 zerstört sein. Vor fünf Jahren ging das Unep noch vom Jahr 2032 aus und musste seine Schätzungen nun korrigieren - die Wissenschaftler hatten nicht mit dem Palmöl-Boom gerechnet.

In einer Pressemitteilung von Anfang 2007 sieht auch das deutsche Umweltministerium den „Einsatz von Palmöl zur Stromerzeugung mit großer Skepsis. Palmöl werde in manchen Gegenden der Welt in nicht nachhaltiger Weise durch Umwandlung von Primärwald in Ölpalm-Plantagen erzeugt, heißt es in der Pressemitteilung. „Der Einsatz so produzierten Palmöls zur Stromerzeugung entspricht nicht den Zielen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.“

Der BBK behauptet in seiner Stellungnahme auch, der Anbau von Energiepflanzen helfe „Millionen von Kleinbauern. In den Schwellenländern bewirtschaften (sie) nun wieder ihr Land und können Einkommen für ihre Familien erzielen.“ Auch diese Behauptung ist eine klare Verdrehung der Wahrheit. Die große Mehrheit der Bauern auf der Südhalbkugel besitzt nur kleine Landflächen.

Die Produktion auf kleinen Flächen zur Deckung des weltweiten Energiebedarfs ist nicht rentabel. Für „Biokraftstoffe“ werden daher ganze Landstriche in industrielle Monokulturen umgewandelt. Das Geschäft machen Konzerne und Großgrundbesitzer. Um die Plantagenflächen zu erweitern, wird an vielen Orten die ansässige Bevölkerung vertrieben und um ihr Land gebracht. Gewalt, schwere Menschenrechtsverletzungen und Verelendung sind die Folgen. Beispiele dafür sind die Palmölpflanzungen in Indonesien, Malaysia, Kolumbien und Ecuador oder der Sojaanbau in Brasilien, Argentinien und Paraguay. Ganze indigene Völker wurden schon an den Rand der Ausrottung gebracht. Weiterhin sind die gezahlten Löhne meist sehr niedrig, die Arbeitsbedingungen schlecht und es bestehen keine langfristigen Arbeitsverträge. In Brasilien arbeiten viele Arbeiter auf den Zuckerrohrfeldern unter sklavenähnlichen Verhältnissen.

„Biokraftstoffe“ stärken keinesfalls Millionen Kleinbauern, sondern zementieren die Macht der Öl-, Energie- und Autoindustrie. Konzerne aus diesen Branchen sind längst auf den Zug aufgesprungen und stecken hinter dem aktuellen weltweiten Biokraftstoffboom. Es herrscht Goldgräberstimmung wie zu Rockefellers Zeiten. Eine neue unheilvolle Allianz von Politikern, internationalen Organisationen und Industriefirmen aus dem Öl-, Chemie-, Agro-, Gentechnik- und Automobilbereich hat sich gebildet: Dazu gehören u.a. Bayer, Shell, BP, Chevron, ExxonMobil, Repsol-YPF, Petrobras, ADM, Cargill, Bunge, DuPont, BASF, Monsanto, VW, General Motors, Ford. Dass der BBK offenbar ein völlig unseriöser Verein ist, hat er mit seinem so genannten „Biokraftstoff-Experteninfo“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der eigentliche Skandal jedoch ist, dass die Stadtwerke Schwäbisch Hall das Papier verbreiten, obwohl es voller Unwahrheiten und Verharmlosungen steckt.

Rettet den Regenwald e. V.
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