Biosprit-Firma stellt Produktion ein

Filmplakat: Die Zangen eines Baggers greifen nach Land Die Zuckerrohr-Plantage von Addax gilt als ein Beispiel für Landraub (© Pressematerial)

03.07.2015

Seit einem Jahr erzeugt die Firma Addax Bioenergy in Sierra Leone Ethanol für den Export in die EU. Der aus Zuckerrohr gewonnene "Biosprit" wird dem Super-  und E10-Benzin beigemischt. Doch nun droht dem Biospritabenteuer in Afrika das Aus.

In einer Pressemitteilung schreibt Addax von „unvorhersehbaren Ereignissen“, die Einfluss auf den geplanten Zeitplan, die Kosten und die Einnahmen gehabt hätten. In den kommenden sechs Monaten würden „alle Optionen“ geprüft.

Die Firma informierte die Einwohner in Sierra Leone bereits über den Produktionsstopp. Der Betrieb stecke in finanziellen Schwierigkeiten, heißt es in Sierra Leone. Es ist von einem Defizit von 150 Millionen Euro die Rede. Dabei hatte das Unternehmen mit der Regierung von Sierra Leone für 13 Jahre Steuervergünstigungen in Höhe von 135 Millionen US-Dollar vereinbart . Außerdem hat die Raffinerie demnach lediglich 7 Millionen Liter Ethanol produziert, statt wie geplant 19 Millionen.

Das Biosprit-Projekt der Genfer Firma ist seit Jahren als Beispiel für Landraub in der Kritik. 10.000 Hektar Ackerland hatten die Schweizer für den Anbau von Zuckerrohr in Beschlag genommen. Die Einwohner verloren dadurch nicht nur ihr Land, sondern auch ihre Ernährungsgrundlagen. Die von Addax gezahlte Pacht für die Äcker reicht nicht zum Leben. Und die von der Firma gezahlten Arbeitslöhne lägen unter dem von der Regierung festgelegtem Minimum, berichtet das Netzwerk für das Recht auf Ernährung in Sierra Leone (SiLNoRF).

Die Menschen beklagen zudem, ihnen seien Schulen, Gesundheitsposten, Straßen und Jobs versprochen worden. Die Versprechen seien nicht eingehalten worden. Ein weiterer Konflikt besteht um den enormen Wasserverbrauch der Firma. Statt die Lebensbedingungen für die Menschen zu verbessern, seien sie jetzt schlechter dran, belegen auch wissenschaftliche Studien.

Auch die Pläne von Addax, weitere 4.000 Hektar Land mit Zuckerrohr zu bepflanzen, sind damit wohl vom Tisch. Längst ist klar, dass Agrarsprit nicht die Energie- und Umweltprobleme im Verkehrssektor lösen kann. Lebensmittel in Autos zu verbrennen, ist sogar ein Verbrechen an der Menschheit. In dem Film "Landraub", der am 8. Oktober in Deutschlands Kinos kommt, spielt das Projekt von Addax eine kritische Rolle.