Neu im Shop: Aus kontrolliertem Raubbau

Blaues Buch Raubbau Buchcover, Paperback, 448 Seiten

27.08.2015

Ein sensationelles Buch über die „Green Economy“: Kathrin Hartmann beschreibt, wie mit Nachhaltigkeitssiegeln die Natur zerstört, Armut produziert und das Klima angeheizt wird. Gewollt und gefördert von Politik und Wirtschaft.

Das Buch können Sie in unserem Shop bestellen

Tütensuppen braucht kein Mensch!"

Interview mit der Münchner Autorin Kathrin Hartmann zu ihrem neuen Buch:

Alles grün. Alles öko. Alles nachhaltig. So speisen uns Konsumgüter-Multis wie Unilever ab, damit wir weiter brav alles schlucken, was sie produzieren. Aber die „grüne Ökonomie“, mit der Konzerne ihre Gewinne noch steigern wollen, ist eine Lüge: Sie vernichtet die Natur, macht die Menschen arm und das Klima wärmer. Warum, erzählt  Kathrin Hartmann in ihrem neuen Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“.

Das Dorf Sekombulan liegt im „letzten Märchenwald“ von Borneo. So nennt die Münchner Autorin den Ort, an dem 225 Dayak-Familien mitten im Regenwald von seinen Produkten leben, dort Obst- und Kautschukbäume pflanzen, Honig sammeln, rundherum Gemüse- und Reisfelder bestellen, Schweine halten.

Frau Hartmann, was hat Sie nach Sekombulan geführt?

Udin von eurer Partnerorganisation Save our Borneo wollte mir zeigen, dass inmitten der Palmölwüsten, die sich in Indonesien weiter ausbreiten, auch heute Waldbauern leben, die alles haben, was sie brauchen – außer einem Supermarkt. Doch auch dort hat sich eine Plantagenfirma bedrohlich nah an den Dorfwald herangeholzt. Aber die Bewohner werden kämpfen. Sie kartografieren ihr Land, beantragen Urkunden, informieren sich über ihre Rechte, halten zusammen. Das hat mich bei meinen Recherchen in Indonesien, Bangladesh und El Salvador beeindruckt: Mit welcher Konsequenz, Solidarität und Leidenschaft die Menschen um ihr Land, ihren Wald, ihr selbstbestimmtes Leben kämpfen. Denn zu all der Zerstörung, die im Namen der Nachhaltigkeit geschieht, gibt es funktionierende Alternativen.

Während hier Politik und Wirtschaft uns weismachen wollen, dass die Lösung in den Nachhaltigkeitssiegeln liegt?

Genau. Die Siegel sind Persilscheine für den Import hochproblematischer Rohstoffe, die nie nachhaltig sein können. Hier wird das als „Entwicklung“ verbrämt, als würde man damit den armen Ländern „helfen“, unser Wohlstandsmodell zu bekommen. Eine unglaubliche Heuchelei: Wohin geht denn das ganz Geld? Es werden doch vor allem westliche, deutsche Wirtschaftsinteressen verfolgt, die kolonialen Ausbeutungsstrukturen bleiben aber erhalten.

Die staatliche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) fördert zum Beispiel Bauern, die besser gestellt sind, die bereits in globale Märkte liefern können. Aber was passiert mit den anderen, den Millionen Kleinbauern, die den Großteil der Welternährung erzeugen? Das habe ich die GIZ gefragt. Die Antwort: „Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass alle Kleinbauern im landwirtschaftlichen Sektor bleiben können.“

Mit deutscher Entwicklungshilfe wird also Menschen die Existenzgrundlage entzogen.

Wie können wir die Bevölkerung in den Ländern des Südens stattdessen unterstützen?

Die Menschen dort wollen keine Siegel. Wir müssen sie unterstützen, ihren Wald zu erhalten, damit sie dort weiterhin gut leben können. Zum Beispiel bei der Kartografierung ihres Landes, bei Gerichtsprozessen und mit Protesten.

Der Unilever-Konzern macht Sie besonders wütend. Warum?

Nicht nur, weil Unilever sein Palmöl vor allem vom Wilmar-Konzern kauft, dem schwere Umwelt- und Menschrechtsverletzung auf Plantagen vorgeworfen wird. Unilever ist das Paradebeispiel für die Mythen der Green Economy: Sie wollen den Umsatz verdoppeln und gleichzeitig die schädlichen Auswirkungen reduzieren. Wie denn, wenn Unilever jedes Jahr acht Millionen Tonnen Produkte einkauft, für die besonders viel Wald vernichtet wird, nämlich Palmöl, Soja und Rindfleisch?

Vollkommen wahnsinnig finde ich, dass die Produkte, die damit hergestellt werden – zum Beispiel Tütensuppen – ungesunde Nahrungsmittel sind, die kein Mensch braucht. Dafür werden Regenwälder vernichtet und Menschen vertrieben.

Es ist skandalös, dass Unilever bei alldem auch noch von der Politik unterstützt wird. Der Konzern sitzt in entscheidenden politischen Arbeitsgruppen, in denen die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Wir als Bürger sind aber nicht machtlos?

Nein – wir können uns wehren. Indem wir etwa den Protest gegen das Handelsabkomen TTIP weitertragen. Wir müssen wieder lernen, wütend zu werden und Nein zu sagen. Wenn wir glauben, dass eh nichts ändern lässt, dass ein bisschen besser besser ist als nichts, und dass ausgerechnet zerstörerische Konzerne „Verantwortung" übernehmen, legitimieren wir diese Politik und das Handeln der Konzerne. Es ist doch lächerlich zu glauben, es gäbe keine Alternativen. Ich habe sie vor Ort ja selbst gesehen.

Das Buch können Sie in unserem Shop bestellen:

Auf ihrer Webseite berichtet Kathrin Hartmann in einem Video über die Recherchen zum Buch.

Und hier ein Radio-Gespräch mit dem Saarländischen Rundfunk über ihr neues Buch vom 6. 9. 15.