ZDF-Zoom: Für Biosprit brennt Indonesien

Im Nationalpark Tanjung Puting in Indonesien löschen Umweltschützer um den Aktivist Basuki Feuer Im Nationalpark Tanjung Puting löschen Umweltschützer mit Patschen aus Zweigen Feuer

11.01.2016

Im Tanjung Puting Nationalpark in Indonesien wird seit Jahren für Palmöl Regenwald abgeholzt. Die Journalistin Inge Altemeier war im Dezember dort.

Im Interview erzählt Inge Altemeier von ihren Recherchen. Ein Bericht über das Thema wurde am 13.1. um 22.45 Uhr in ZDF-Zoom gezeigt.

Wie geht es den Orang-Utans im Tanjung Puting Nationalpark?

Nach den Bränden hat sich das Habitat weiter verkleinert. Die hungrigen Tiere kommen in die Dörfer und räubern die Felder und Gärten aus. Immer wieder werden Orang-Utans auf Palmölplantagen aufgegriffen. Fajar Dewanto von der Organisation Orangutan Foundation International (OFI) wird gerufen, damit er sie rettet. Er will aber keine „Müllabfuhr“ für unerwünschte Menschenaffen sein.

Plantagen im Nationalpark, das kann nicht legal sein. Wie gehen Firmen vor?

Die Palmölfirma BGA beispielsweise hat ausgenutzt, dass Menschen in einer bestimmten Zone des Parks leben dürfen, und hat dort über Nacht abgeholzt. Bei 80 Hektar wurde nachgewiesen, dass innerhalb der verbotenen Zone 1 gerodet wurde. Dieses Land musste BGA zurückgeben. Basuki hat es aufgeforstet - jetzt ist es abgebrannt worden. Es gibt viele Hinweise und Belege auf Satellitenbildern, dass das Feuer auf dem BGA Gelände gelegt wurde.

Wie wehren sich die Einheimischen gegen die Praktiken der Plantagenfirmen?

Mit ungeheurer Kraft stellen sich der Nationalparkförster Fajar Dewanto und sein Partner Basuki Bude Santoso von der Umweltschutzorganisation Friends of the National Parks Foundation den Palmölfirmen in den Weg. Seit 2004 ziehen sie Setzlinge für Regenwald hoch und pflanzen sie im Park ein. Viele Freiwillige beteiligen sich an den Pflanzaktionen. Basuki und Fajar wissen als Forstexperten, welche Bäume angepflanzt werden müssen, damit neue Wälder entstehen.

Beim letzten Feuer sind aber leider fast alle neu angepflanzten Bäume abgebrannt. Basuki und die Freiwilligen haben mehr als zwei Monate im Wald gelebt und zum Teil mit bloßen Händen das Feuer bekämpft. Ihnen ist es gelungen, die Kernzonen zu erhalten, in denen die meisten Orang-Utans leben.

Die Brände haben monatelang gewütet, der Kampf gegen Plantagen dauert schon Jahre. Haben die Einheimischen noch Kraft?

In einem Interview erzählte mir Basuki, dass ihn die Brände jede Nacht heimsuchen. Viele Kämpfer sind traumatisiert und leiden unter den gesundheitlichen Folgen, denn die hohe Feinstaubbelastung führt sogar zu Schlaganfällen. Basuki kommen die Tränen, wenn er über die Zeit der Brände spricht. Schließlich wurde seine Arbeit von zehn Jahren zunichte gemacht. Er sagt aber: „Wir müssen weiter pflanzen. Die wilden Tiere, haben ja nirgendwo anders einen Platz, wo sie leben können.“

Indonesier brennen für Palmöl indonesischen Wald nieder. Was hat das mit uns in Europa zu tun?

Zu den größten Abnehmern für Palmöl gehören europäische Konzerne wie Unilever, Ferrero und Nestle. Problemlos können Früchte aus Raubbau in einer als nachhaltig zertifizierten Mühle zu „nachhaltigem“ Palmöl verarbeitet werden. Die Herkunft einzelner Öltropfen ist ja nicht nachzuweisen. Der Konsument wird also regelmäßig mit dem Versprechen vom nachhaltigen Palmöl betrogen.

Noch verrückter ist die Geschichte bei Biosprit: Die Abholzer vom Tanjung Puting haben weitere Plantagen, auf denen Palmöl geerntet wird. Auf denen haben wir 2008 herumirrende Orang-Utans gefilmt. Hier wurde Primärwald abgehackt. Jetzt wird die Ernte als „nachhaltig“ deklariert an Biosprithersteller in Europa geliefert.

Was können wir tun?

Es kann nicht angehen, dass Firmen uns ständig belügen. Dafür gehören sie vor Gericht. Außerdem darf unsere Regierung diese Lügerei nicht mehr unterstützen. Kein Cent darf mehr in die Grünwäscherpolitik fließen. Vor Ort können wir solche Leute wie Basuki und Fajar unterstützen. Natürlich mit Geld, um den Nationalpark aufzuforsten, aber auch durch unsere Freundschaft.