Mit Nähmaschinen Gorillas schützen

Im Witwen-Zentrum von Virunga stellt jede der Frauen einen Stoffbeutel für ihre Nähutensilien her Bereits am ersten Tag ihrer Ausbildung im Witwen-Zentrum stellt jede der Frauen einen Stoffbeutel für ihre Nähutensilien her (© Eva Danulat)

12.10.2016

Endlich können sie anfangen, endlich können die Witwen der Ranger vom Virunga Nationalpark ihr Schicksal selber in die Hand nehmen. Sie lernen nähen, damit sie in Zukunft Ausrüstungen für Gorilla-Schützer herstellen können und zugleich ein Einkommen für die eigene Familie haben.

Anfang September war es soweit: Das Witwen-Zentrum, das durch GEO schützt den Regenwald e.V. und Rettet den Regenwald e.V. finanziert wurde, öffnete im Virunga Nationalpark seine Türen. 18 Frauen lernen hier in den nächsten Monaten auf professionellen Nähemaschinen Kleidungs- und Ausrüstungsgegenstände herzustellen.

Als die Frauen am ersten Ausbildungstag das schmucke Gebäude des Zentrums betreten, scheinen sie ungläubig. Im Verlauf des Tages beginnen sie zu begreifen, dass dieser Bau eigens für sie errichtet worden ist. Théodore Kubuya, ein erfahrener Schneidermeister aus Goma, ist ihr erster Lehrer. Im Raum ist die Anspannung fühlbar. Kaum eine der Frauen hat je etwas genäht – erst recht nicht mit einer Nähmaschine. Die meisten üben daher zunächst auf  „Salala“, einer mechanischen Nähmaschine mit Fußpedalen; die rasende Schnelligkeit und die lauten Geräusche der elektrischen Maschinen erschrecken sie noch zu sehr. Am Ende des ersten Trainingstages, ein kleines Wunder: Jede der Witwen hat einen bunten Stoffbeutel für ihre persönlichen Nähutensilien fertiggestellt. Trotz des anstrengenden achtstündigen Trainings hat es keine der Frauen eilig nach Hause zu kommen; erst lange nach Unterrichtsende machen sie sich gemeinsam auf den Heimweg - begeistert und voller Hoffnung.

Gefahr für Gorilla-Schützer ist allgegenwärtig

Welchem Risiko die Ranger des Virunga Nationalparks ausgesetzt sind, wissen die Witwen nur zu genau. Immer wieder bedrohen oder töten Wilderer und Milizen der Bürgerkriegsparteien die Parkmitarbeiter. Daran erinnert im neuen Gebäude auch ein Wandbild. Das Gemälde zeigt einen Berggorilla und weitere Vertreter der Tierwelt des Nationalparks und über ihnen einen Vulkan, der 154 grüne Sterne spuckt. Neben jedem der Sterne steht der Name eines im Dienst getöteten Rangers. 

Gemeinsam mit GEO schützt den Regenwald e.V. möchten wir die Witwen und Waisen der getöteten Ranger unterstützen, die mit dem Tod ihres Mannes den Familienernährer verlieren. Ein Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramm soll es ermöglichen, dass die Frauen auf eigenen Füßen stehen. Dafür lernen sie unter anderem professionell zu nähen, damit sie Ranger-Uniformen herstellen und Ausrüstung wie Zelte reparieren können.