Zwei Monate zwischen Büchern und der Palmölproblematik

Praktikantin Rebekka

13.09.2017

Bei Rettet den Regenwald e.V können PraktikantInnen ihre Aufgabenfeld flexibel nach ihren eigenen Interessen gestalten. Fast nebenbei entwickelte ich einen Blick für die vielfältigen und komplizierten Zusammenhänge all der nationalen wie internationalen Probleme, derer sich die Naturschutzorganisation annimmt.

Zu Beginn meines Praktikums bei der in Hamburg ansässigen Umweltschutzorganisation Rettet den Regenwald e.V. war ich zunächst sehr aufgeregt. Was würde mich erwarten, wie sieht die tägliche Arbeit aus und mit welchen Menschen werde ich den Großteil der kommenden Wochen verbringen?

Schon während der ersten Tage im Büro erwiesen sich viele Befürchtungen als unbegründet. Ich hatte schnell das Gefühl, in das Team von RedakteurInnen, ProgrammiererInnen, IT-Fachleuten und BüromitarbeiterInnen aufgenommen worden zu sein.

Dass ich meinen Gasthund mit ins Büro bringe, gestehen musste, noch nie in meinem Leben Kohl oder Pastinaken gegessen zu haben, und plötzlich mit einer eigenartigen Kaffeezubereitung aus Fernost vor meinen KollegInnen stand, wurde also allenfalls belächelt. Die Offenheit meiner KollegInnen, die angenehmen Arbeitszeiten und die Tatsache, dass stets versucht wurde, auf Wünsche und Anmerkungen einzugehen, haben es mir sehr leicht gemacht, jeden Morgen den Weg in das ruhig gelegene Bürohaus im wunderbaren Hamburg anzutreten.

Ich wurde immer mal wieder nach meinen Lieblingsthemen gefragt, und dankenswerterweise durfte ich viel über Wilderei und die Lebensraumzerstörung wilder Tiere recherchieren.

Ob ich als Praktikantin letztendlich so nützlich für den Regenwald war, kann ich kaum beurteilen. Was ich aber mit Sicherheit weiß ist, dass ich eine ganze Menge über den Regenwald, die vielfältigen Ursachen für dessen Zerstörung und damit einhergehende Konflikte gelernt habe. Ich verbrachte viel Zeit mit der Recherche zu Themen, die mich besonders interessierten, und entwickelte einen Blick für das große Ganze. Ich setzte mich mit den Hintergründen der Palmölproduktion und deren Auswirkungen insbesondere auf südostasiatische Länder auseinander und begann zu erkennen, warum das Problem der Regenwaldzerstörung auch uns in Deutschland betrifft.

Obwohl ich keine journalistische Ausbildung vorweisen kann, sondern aus dem Bereich der Sozial- und Kulturwissenschaften komme, durfte ich Texte schreiben, formulieren und Anregungen für geplante Kampagnen geben. Passenderweise recherchiere ich zurzeit zu einem geplanten Minenprojekt in Rumänien, dem Land meines kommenden Auslandssemesters.

Besonders wichtig für jede(n), der mit dem Gedanken eines Praktikums bei Rettet den Regenwald e.V. spielt, scheint mir die Fähigkeit zur Eigeninitiative zu sein. Du hast etwas, woran du gerne arbeiten möchtest, etwas, das dir besonders am Herzen liegt? Du bist überzeugt, dass das Thema in den öffentlichen Diskurs gebracht werden sollte und hast Ideen, wie du das schaffen könntest? Sprich es an! Ich hatte nicht immer konkrete Aufträge, die ich bearbeiten sollte. Dann habe ich selbst eine Weile recherchiert, mit meinen KollegInnen gesprochen und Ideen entwickelt. Schlimmstenfalls wurden meine Ansätze verworfen oder zurückgestellt. So erging es mir zum Beispiel mit einer möglichen Kampagne gegen die Lebensraumzerstörung der Koalas in Australien. Andererseits begleitet mich die Bushmeatproblematik in Südamerika seit Beginn meines Praktikums und es sieht so aus, als würde sich das auch bis zuletzt nicht ändern.

Mit der Zeit wuchs mein Aufgabenbereich merklich an, sodass ich inzwischen auch Teile der Homepage mitbetreuen darf und mich um einige Angelegenheiten der UnterstützerInnen des Regenwaldes wie Shopbestellungen kümmern kann.

Angehende PraktikantInnen sollten Interesse an Themen wie Umwelt, Landraub, Wilderei und Artenschutz mitbringen, und ich glaube, journalistische Kenntnisse oder Fähigkeiten aus Bereichen der Medienkommunikation oder Design können von besonderem Vorteil sein.

Während meiner Zeit hier lernte ich die Zusammenhänge zwischen Politik, dem Verhalten von VebraucherInnen und Umweltzerstörung intensiv kennen und konnte mich tiefgreifend mit einer Menge spannenden Themen auseinandersetzen. Ich habe auch gelernt, dass es zu einem Großteil an der eigenen Person liegt, wie man mit den sich ergebenden Chancen umgeht. Man muss sie häufig einfach sehen und ergreifen.

An alle Naturbegeisterten und WortakrobatInnen, nehmt Kontakt zu info@regenwald.org auf und verbringt am besten mindestens zwei Monate im Norden Deutschlands bei Rettet den Regenwald e.V.!

P.S.: Mit weiteren UnterstützerInnen können wir dazu beitragen, Europas letzten Urwald von Bialowieza zu retten! https://www.regenwald.org/petitionen/1100/bialowieza-urwald-erhalten-holzfaeller-stoppen