Das Grüne Gold – Kinofilm über das weltweite Geschäft mit Ackerland

Bauern in Äthiopien stehen gebückt in einem grünen Feld, auf dem sie ernten Die indigenen Anuak arbeiten auf dem Land der Investoren, das einst ihnen gehörte (© Neue Visionen Filmverleih)

28.09.2017

Weltweit wächst die kommerzielle Nachfrage nach Anbauflächen für den globalen Markt, eine der lukrativsten neuen Spielflächen ist Äthiopien. Der Dokumentarfilm von Joakim Demmer zeigt eindringlich die verheerenden Folgen von Landraub für unzählige Menschen in Afrika. Gewinner sind internationale Großinvestoren.

In der Hoffnung auf große Exporteinnahmen verpachtet die äthiopische Regierung Millionen Hektar Land an ausländische Investoren. Der Traum von Wohlstand hat jedoch seine dunklen Seiten: es folgen Zwangsumsiedlungen riesigen Ausmaßes, über eine Million Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage, die Böden werden überfordert – die Antwort ist eine Spirale der Gewalt im Angesicht einer paradoxen Umweltzerstörung. Denn zu dieser Entwicklung tragen auch Milliarden Dollar Entwicklungshilfe von Institutionen wie der EU und Weltbank bei. Und wer sich in den Weg stellt, erfährt die harte Hand der Regierung. Dies muss auch der junge äthiopische Umweltjournalist Argaw lernen, der seine Stimme erhebt – und sich damit selbst in Gefahr bringt.

Filmautor Joakim Demmer über Idee und Dreharbeiten zu seinem Dokumentarfilm DAS GRÜNE GOLD, der Anfang Oktober in den deutschen Kinos startet:

Die Arbeit an DAS GRÜNE GOLD wurde durch eine scheinbar alltägliche Szene am Flughafen von Addis Abeba vor Jahren ausgelöst. Während ich auf meinen Flug spät nachts wartete, sah ich zufällig müde Arbeiter auf der Rollbahn, die Nahrungsmittel in ein Flugzeug nach Europa luden. Und zur gleichen Zeit war ein anderes Team damit beschäftigt, Nahrungsmittelhilfe aus einem zweiten Flugzeug zu entladen. Ich habe ein bisschen gebraucht, um die tragende Bedeutung hinter der Szene zu begreifen – dieses von Hungersnot geplagte Land, in dem Millionen von Nahrungsmittelhilfe abhängig sind, exportiert tatsächlich Nahrung zu uns.

Die Fassungslosigkeit über das Paradox machte bald einem anderen Gefühl Platz – Wut.

Wut gegen die Ungerechtigkeit, dass hunderttausenden Kleinbauern ihr Land geraubt wird, das sie und ihre Ahnen seit Generationen bearbeiten, nur um zu sehen, wie es ausländischen Investoren von der anderen Seite der Welt überlassen wird. Es ist eine unerträgliche Ungerechtigkeit, wie die Existenzgrundlagen dieser Menschen ruiniert werden, das heißt, sie verlieren nicht nur die Möglichkeit, ihre Familien zu ernähren, sondern sie kämpfen auch mit dem Verlust ihrer Kultur und Identität.

Dummheit von internationalen Institutionen wie der EU, DFID und der Weltbank. Deren Bestrebungen können oft gut sein, aber in diesem Fall fördern sie letztendlich eine Diktatur und eine desaströse Entwicklung mithilfe unserer Steuergelder, statt den Menschen vor Ort zu helfen.

Ich fühlte auch Scham, als ich mir klar wurde, wie eng Landraub mit uns verbunden ist. Der Zucker in meinem Kaffee, die Baumwolle in meinem T-Shirt und sogar die Blumen für meine Mutter könnten leicht von gestohlenem Land stammen. Unsere Unternehmen, Banken und Pensionsfonds investieren alle in Land. In der komplexen Welt der Globalisierung könnte die Verantwortung so verzettelt sein, dass sie sich scheinbar auflöst. Trotzdem gibt es immer Menschen, die den Preis zahlen, und ihr Schicksal ist real.

Selbst wenn dieses Projekt eine Reise ins Dunkle war, war es auch ein großes Privileg, so viele wunderbare und mutige Menschen in Äthiopien, Südsudan, Kenia und Kambodscha kennenzulernen. Trotz der oft großen Risiken trafen wir immer auf Menschen, die bereit waren, beim Film mitzumachen oder ihn zu unterstützen. Manche haben bereits einen sehr hohen Preis gezahlt. Ihre Motivation speist sich aus der Hoffnung, dass ihre Stimmen gehört werden und die Ungerechtigkeit eines Tages ein Ende finden wird. Das bringt für uns Filmemacher eine große Verantwortung mit sich – dass möglichst viele Menschen von ihren Schicksalen erfahren. Meine persönliche Hoffnung ist es, dass wir ihr Vertrauen verdient haben.