Bonn: UN-Biodiversitätskonferenz

12.05.2008

Zwischen dem 12. bis 30. Mai 2008 tagt in Bonn die UN-Biodiversitätskonferenz (Konvention zur Biologischen Vielfalt – Convention on Biological Diversity CBD). Turnusgemäss wird Deutschland von Brasilien den Vorsitz der Biodiversitätskonferenz übernehmen. Die Aktivisten Klaus Schenck und Guadalupe Rodriguez von Rettet den Regenwald sind mit dabei.

Aktueller Brief von Brot für die Welt und anderen Organisationen an Kanzlerin Angela Merkel: http://www.regenwald.org/pdf/DtBrasEnergieabkommen.pdf

Rettet den Regenwald auf der Biodiversitätskonferenz

Zwischen dem 12. bis 30. Mai 2008 tagt in Bonn die UN-Biodiversitätskonferenz (Konvention zur Biologischen Vielfalt – Convention on Biological Diversity CBD). Turnusgemäss wird Deutschland von Brasilien den Vorsitz der Biodiversitätskonferenz übernehmen. Die Aktivisten Klaus Schenck und Guadalupe Rodriguez von Rettet den Regenwald sind mit dabei. “Wir haben uns offiziell für die Conference of the Parties (COP9) akkreditiert. Doch viel machen können wir dort nicht. In der ehemaligen Bundeshauptstadt wollen fünftausend TeilnehmerINNEN aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Ende Mai vor allem darüber verhandeln, wie Biodiversität gewinnbringend nutzbar gemacht und patentiert werden kann. Heutzutage schwelgen Industrie und Biodiversität in perfekter Harmonie miteinander,” kritisiert Klaus Schenck.

Man muss nur allen Lebewesen und Ökosystemen der Erde einen ökonomischen Wert zuweisen, und schon wird sich die Wirtschaft im Interesse guter Geschäfte um deren nachhaltige Nutzung und Vermarktung kümmern, so lautet anscheinend die Zauberformel. Doch in der Praxis passiert genau das Gegenteil: Ein deutscher Umweltminister, der sagt, “wenn devastierte Flächen mit Ölpalmen bepflanzt werden, dann kann man damit sogar Artenvielfalt anregen” hat entweder sein Amt nicht verstanden oder ist Vertreter der Wirtschaftslobby.

Wahrscheinlich trifft im Falle von Umweltminister Sigmar Gabriel beides zu. Auch das von Gabriel eingefädelte deutsch-brasilianische Energieabkommen mit Schwerpunkt Agrokraftstoffe, dass Bundeskanzlerin Merkel zeitgleich zu Beginn der CBD während ihres Staatsbesuchs in Brasilien unterzeichnen will, ist ein schwerer Schlag für die bedrohten Ökosysteme wie Amazonasregenwald, Cerrado und Pantanal in Brasilien. “Einen krasseren Kontrast zwischen der Artenvielfalt der brasilianischen Urwälder und den 30 Millionen Hektar Soja- und Zuckerrohr-Monokulturen, von denen die Agroenergie stammt, gibt es nicht”, sagt Klaus Schenck. “Die ersteren sind voller Leben, die letzteren biologische Wüsten. Mehrere Millionen Hektar Soja wachsen bereits in der Amazonasregion. Neu gezüchtete Varianten von Zuckerrohr und Soja einschließlich genetisch manipulierter Pflanzen machen es möglich. Die grüne Lunge der Erde liegt im Sprühnebel von Pestiziden und ist das Versuchslabor der Genindustrie.”

Nicht nur die natürliche Vielfalt ist bedroht, auch die in Jahrtausenden vom Menschen gezüchteten Nutzpflanzensorten und -varietäten sowie Haustierrassen. Gentechnikkonzerne wie Monsanto, Bayer und Syngenta versuchen, diese aus der Produktion und vom Markt zu nehmen und durch eigene patentierte und genetisch manipulierte Produkte zu ersetzen. Die benötigen nicht nur wesentlich mehr Kunstdünger und Pestizide, sondern gefährden über die Wanderung der künstlich im Labor eingeschleusten Gene auf traditionelle Nutzpflanzenarten und Wildpflanzen deren Bestand.

Die meisten Bürgerinnen und Bürger lehnen Gentechnik ab und es besteht eine Kennzeichnungspflicht für diese Produkte. Doch was die meisten nicht wissen ist: in den Mägen von Kühen, Schweinen und Hühnern landen große Mengen Gensoja aus Südamerika. So sind beispielsweise die Milch auf dem Frühstücks- und das Fleisch auf dem Mittagstisch bereits in Wirklichkeit Genmilch und Genfleisch. Beim Autotank sieht es ähnlich aus: der dem Dieselkraftstoff beigemische Agrodiesel ist Gendiesel.

Wir sind der Meinung, dass zum Schutz von Biodiversität vor allem politischer Wille sowie verbindliche politische Entscheidungen notwendig sind. Faule Kompromisse und halbherzige Maßnahmen können die Natur und bedrohten Menschen nicht retten. Die Wirtschaft zum Hüter der Biodiversität zu erklären, heißt den Bock zum Gärtner zu machen.

Für weitere Infos sind ständig erreichbar über Handy: Klaus Schenck: 0176-488 599 72 Guadalupe Rodríguez: 0177-491 705 221

Nachfolgend eine Reihe von Veranstaltungen, an denen wir unter anderem teilnehmen werden. Alle Regenwaldunterstützerinnen und -unterstützer sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen.

12.05.2008, ab 10 Uhr Rheinaue, Kleine Blumenwiese, Bonn: Demonstration und Festival der Vielfalt. Weitere Infos und Kontakt: Planet Diversity (Planet der Vielfalt), Charles-de-Gaulle-Str. 5, 53113 Bonn, Tel.: 0228/92650-22 E-mail: bonn(at)planet-diversity.org Internet: www.planet-diversity.org Teilnahme frei

12.05.2008 – 16.05.2008 Gustav-Stresemann-Institut, Langer Grabenweg 68, Bonn: Internationaler Kongress "Planet Diversity" - Regional, Vielfältig, Gentechnikfrei" zur Zukunft von Landwirtschaft und Lebensmitteln. Weitere Infos und Kontakt: Planet Diversity (Planet der Vielfalt), Charles-de-Gaulle-Str. 5, 53113 Bonn, Tel.: 0228/92650-22 E-mail: bonn(at)planet-diversity.org Internet: www.planet-diversity.org Achtung: Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung!

13.05.2008, 20 Uhr: WOKI Kino, Bertha-von-Suthner-Platz, Bonn: Film- und Diskussionsabend "Leben außer Kontrolle" (Dok-Film, D 2003, 55 Min.), anschl. Diskussion zum Thema Gentechnik mit Bertram Verhaag (Regisseur des Filmes und zweifache Grimme-Preisträger ) Renate Künast (MdB B90/Die Grünen), Vandana Shiva (indische Aktivistin und Öko-Feministin) Percy Schmeiser (kanadische Farmer, Träger des alternativen Nobelpreises), Kosten: 6 EUR, Planet Diversity. Weitere Infos und Kontakt: Planet Diversity E-mail: bub.geier(at)t-online.de Internet: www.planet-diversity.org

15.05.2008, 18 Uhr Oscar-Romero-Haus, Heerstr. 205, Bonn: Diskussionsveranstaltung "Das Aktionsbündnis stellt sich vor - Kritik der MOP und COP" im Rahmen der Aktionswoche mit Via Campesina und andere Gruppen im Umfeld der Biodiverstity Konferenz in Bonn. Weitere Infos und Kontakt: Aktionsbündnis COP 9 / Via Campesina E-mail: cop9(at)biopiraterie.de Internet: biotech.indymedia.org/or/2008/04/6912.shtml

16.05.2008, 18 Uhr Kult 41, Hochstadenring 41, Bonn: Film- und Informationsveranstaltung "Kontamination mit transgenem Mais in Spanien" im Rahmen der Aktionswoche mit Via Campesina und andere Gruppen im Umfeld der Biodiversity Konferenz in Bonn. Weitere Infos und Kontakt: Via Campesina, Tel.: 0151/51 80 69 45 E-mail: cop9(at)biopiraterie.de Internet: viacampesina.org

16.05.2008, 19 Uhr KULT 41, Hochstadenring 41, Bonn: Filmabend "TranXgenia" (Katalanischer, [E] Dok-Film 2007, mit einer Filmmacherin des Serindipia Collective, weitere Filme zum Thema), sowie Vorstellung des Aktionsnetzwerkes COP9 und seiner Kritik an den Konferenzen im Rahmen der Aktionswoche mit Via Campesina. Weitere Infos und Kontakt: Aktionsbündnis COP 9 / Via Campesina E-mail: cop9(at)biopiraterie.de Internet: biotech.indymedia.org/or/2008/04/6912.shtml

17.05.2008, 9.30 Uhr Heerstr. 205, Bonn: Treffpunkt im Garten des Oscar- Romero-Hauses für eine Demo gegen einen der großen Zerstörer von biologischer Vielfalt, der industrialisierte Landwirtschaft mit GVOs, Terminatortechnologie, Pestizide und Patente weiter verfolgt. Weitere Infos und Kontakt: Aktionsbündnis COP 9 / Via Campesina E-mail: cop9(at)biopiraterie.de Internet: biotech.indymedia.org/or/2008/04/6912.shtml

18.05.2008, 10 Uhr Garten des Oscar Romero Haus, Heerstr. 205, Bonn: Treffpunkt für eine Aktion zum Thema "Agrofuels/Biosprit" im Rahmen der Aktionswoche mit Via Campesina und anderer Gruppen im Umfeld der Biodiversitäts-Konferenz in Bonn. Weitere Infos und Kontakt: Via Campesina, Tel.: 0151/51 80 69 45 E-mail: cop9(at)biopiraterie.de Internet: viacampesina.org

19.05.2008 – 21.05.2008 Bonn: Vielfaltsmarkt "In safe hands - communities safeguard biodiversity" im Rahmenprogramm der COP9 (9. Vertragsstaatenkonferenz zur Konvention über biologische Vielfalt), 11-20 Uhr, Münsterplatz, VA: BUKO Agrar Koordination. Weitere Infos und Kontakt: BUKO Agrar Koordination, Ursula.Groehn-Wittern, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg, Tel.: 040/392526 E-mail: Ursula.Groehn-Wittern(at)bukoagrar.de Internet: www.bukoagrar.de

19.05.2008, 14.30 Uhr Münsterplatz, Bonn: Demotreffpunkt zum Thema Privatisierung von Saatgut und Biopiraterie Demoroute: Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) und Botanischer Garten. Weitere Infos und Kontakt: Aktionsbündnis COP 9 / Via Campesina E-mail: cop9(at)biopiraterie.de Internet: biotech.indymedia.org/or/2008/04/6912.shtml

27.05.2008 Bonn: Walddemo. Ort und Uhrzeit müssen noch bestimmt werden. Weitere Infos: Rettet den Regenwald e.V., Handy 0176-488 599 72 E-mail: berlin@regenwald.org Internet: www.regenwald.org