Bundeswehr löst in Niedersachsen gewaltigen Moorbrand aus

Moorbrand in Meppen Bildschirmfoto aus Material des NDR / Bundeswehr / WFD (© NDR - Bundeswehr / WTD 91)

19.09.2018

Bei einem Waffentest in einem Torfmoor in Niedersachsen hat die Bundeswehr einen katastrophalen Brand ausgelöst. Seit über zwei Wochen lodern schon die Flammen in dem Moor und drohen auf Wälder überzugreifen. Bis nach Bremen weht der giftige Rauch, die Behörden ziehen die Evakuierung umliegender Dörfer in Betracht.

Beim Abschuss von Raketen von einem Hubschrauber aus hat die Bundeswehr bei Meppen in Niedersachsen ein Torfmoor in Brand gesetzt. Schon seit dem 3. September schwelt das Feuer im Untergrund und droht sich nun auch auf Waldgebiete auszuweiten. Die ersten Bäume brennen schon. Ein Drohnenvideo des NDR verdeutlicht das Ausmaß der Katastrophe.

Dichte Rauchschwaden mit hochgiftigem Kohlenmonoxid, die aufgrund unzureichender Sauerstoffzufuhr aus dem Torf hervor wabern, ziehen über die Landschaft bis nach Bremen und Oldenburg. Durch den Schwelbrand entstehen große Mengen Feinstaub, der insbesondere Menschen gefährdet, die Lungenerkrankungen haben.

Unterdessen hat der Landkreis Emsland den Katastrophenfall ausgerufen. Die Ortschaften Stavern und Sögel müssen möglicherweise evakuiert werden. Aufgrund vorhergesagter Winde drohen Funkenflug und heftige Rauchentwicklung.

Acht Quadratkilometer (800 Hektar, entspricht mehr als der doppelten Fläche des Englischen Gartens in München) Moorfläche sind bereits bis in etwa einem Meter Tiefe verbrannt. Damit sind ca. 8 Millionen Kubikmeter Torf buchstäblich in Rauch aufgegangen. Bis zu 900.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) wurden schon freigesetzt, so viel, wie 50.000 Bundesbürger zusammen im Schnitt pro Jahr verursachen.

Die Bilder erinnern fatal an die verheerenden Torfwaldbrände, die Holz- und Palmölfirmen alljährlich in Indonesien entfachen. Seit Jahren unterstützt die Bundesregierung mit vielen Millionen Euro die Bekämpfung der Torfmoor- und Regenwaldbrände in dem südostasiatischen Land, die eng mit den deutschen Importen von Palmöl, Biodiesel und Tropenholz in Verbindung stehen.

Wann der Moorbrand in Niedersachsen gelöscht werden kann, ist derzeit völlig unklar. 1.000 Einsatzkräfte versuchen mit schwerem Gerät die Flammen zu ersticken und pumpen Wasser aus einem Fluss ab. Es bleibt anscheinend nur, auf heftige Regenfälle zu warten, doch die sind nicht in Sicht.

Bundeswehr handelt grob fahrlässsig

Offenbar hat sich niemand bei der Bundeswehr Gedanken gemacht, dass nach dem heißen und trockenen Sommer das Moor bei dem Raketentest in Brand geraten kann. Löschfahrzeuge der Bundeswehr, mit denen die Flammen gelöscht werden können, waren ebensowenig einsatzbereit. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück ein Ermittlungsverfahren eingeleitet,

Es ist nicht der erste Torfbrand, den die Bundeswehr auslöst. Bereits am 7. Juli 2010 hat die Truppe auf dem militärischen Sperrgebiet in Meppen mit einem Übungsschuss ein Moorfeuer verursacht, das erst nach sechs Wochen gelöscht werden konnte.

Es fragt sich, warum die Bundeswehr überhaupt so sensible und für den Klimaschutz wichtige Ökosysteme als Testgelände für Waffenübungen nutzt. Torfmoore sind sehr wichtige Wasserspeicher, sie helfen, die Pegelstände der Flüsse zu regulieren und speichern weltweit fast so viel CO2 wie in der Erdatmosphäre steckt.

Weitere Informationen: Berichte und Fernsehreportagen des NDR

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Moorbrand-bei-Meppen-Lage-spitzt-sich-zu,moorbrand194.html