Ein Zuhause für Schimpansen-Waisen

Schimpansen-Auffangstation nahe Monrovia, Jenny Desmond und ihre Mitarbeiter kümmern sich um die Schimpansen (© Mathias Rittgerott)

18.12.2018

Wohin mit verwaisten und beschlagnahmten Schimpansen? In Liberia kümmert sich eine kleine private Organisation um mehr als 40 Tiere. Der Traum der Tierschützer: Eine Insel, auf der die Primaten geschützt leben können.

Ständig werden weitere Menschenaffen bei der Organisation Liberia Chimpanzee Rescue and Protection (LCRP) abgegeben: verwaist und von Rangern beschlagnahmt oder als ehemalige, angekettete Haustiere befreit. Hier kann man für den Schimpansenschutz spenden https://www.regenwald.org/spende/215/schutzgebiete-fuer-schimpansen-in-westafrika

In der Woche vor unserem Besuch in der Auffangstation nahe Monrovia hat die Organisation vier Schimpansen aufgenommen, am Tag zuvor ein Jungtier von circa drei Jahren, das unter Husten litt. „Wir müssen es von den anderen getrennt halten, bis es gesund ist“, erklärt Jimmy Desmond. Deshalb schläft das Tier im Zimmer des Veterinärs. Ein dutzend Schimpansen verbringen die Nächte im Erdgeschoss des Hauses, die Mehrzahl in einem viel zu engen Gehege. Ein kleines Team von Mitarbeitern kümmert sich nahezu rund um die Uhr um die Tiere.

Jimmy Desmond und seine Frau Jenny wissen, dass das Zusammenleben mit den Schimpansen unter einem Dach nicht ideal ist und von Primatologen kritisiert wird. Sie sehen jedoch derzeit keine Alternative. Sie wollen keine Tiere ablehnen – da diese sonst womöglich getötet werden.

Die Tierschützer verfolgen daher ein anspruchsvolles Projekt: Sie pachten Land auf einer Insel, auf der die Schimpansen zukünftig leben können. Mehr als 40 Hektar haben sie sich in den Marshall Wetlands bereits gesichert. Touristen könnten das Schimpansen-Zentrum „Hundred Acre Wood!“ leicht von Monrovia aus erreichen und zur Finanzierung beitragen.

LCRP ist Teil einer Koalition, die das Bewusstsein in der Bevölkerung für den Schutz der Schimpansen schärfen will. „Wir erwarten, dass dadurch die Zahl der geretteten Tiere steigt. Ranger werden mehr Waisen und Haustier-Schimpansen konfiszieren“, sagt Jenny Desmond. „Dann müssen Wilderei, Bushmeat- und Wildtierhandel aufhören und die Zahl der Neuankömmlinge fallen.“ Innerhalb von fünf Jahren dürfte der Umschwung gelingen, hofft sie.

Das Projekt der Affeninsel ist ein langfristiges: Schimpansen werden unter menschlicher Obhut bis zu 50 Jahre alt und müssen bis zu ihrem Tod versorgt werden.

LCRP hat übrigens nichts mit den Schimpansen zu tun, mit denen das New York Blood Center Experimente unternommen hat und die auf nahegelegenen Inseln leben. Jimmy und Jenny Desmond waren allerdings ursprünglich nach Liberia gekommen, um sich um diese Tiere zu kümmern.