Kein Freihandel mit Palmöl!

Vernichteter Torfwald in Sarawak Verbrannter Wald (© Rita Sastrawan)

Die Schweiz verhandelt mit Indonesien und Malaysia über ein Freihandelsabkommen. Palmöl spielt dabei eine wichtige Rolle. Die beiden südostasiatischen Länder sind weltweit die größten Exporteure des tropischen Pflanzenöls – und die größten Regenwaldabholzer. Bitte helfen Sie den Freihandel mit Palmöl zu stoppen.

Appell

An: Schweizer Bundesrat und Parlament

„Kein Freihandelsabkommen mit Indonesien und Malaysia. Die Schweiz braucht kein Palmöl und Tropenholz aus Regenwaldzerstörung.“

Ganzes Anschreiben lesen

Indonesien und Malaysia sind mit großem Abstand die Hauptproduzenten von Palmöl. 85 Prozent des rund um den Globus gehandelten Palmöls stammt von dort – insgesamt 55 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr. Nun wollen die Palmölkonzerne und deren Kunden auch den Schweizer Markt mit dem billigen Öl überfluten – auf Kosten des heimischen Rapsanbaus und der Regenwälder Südostasiens. Allein der Schweizer Nestle-Konzern verbraucht 445.000 Tonnen Palmöl pro Jahr.

Schon jetzt sprießen Ölpalmen in Indonesien und Malaysia auf einer Fläche fast fünfmal so groß wie die Schweiz. Und bis 2025 soll sich laut dem indonesischen Landwirtschaftsministerium die Fläche auf 26 Mio. Hektar verdoppeln. Um Platz für immer neue Ölpalmplantagen zu schaffen, werden die Regenwälder abgeholzt und die Einwohner vertrieben. Derzeit stehen in Indonesien Tausende Hektar Regenwald in Flammen. Die Menschen ersticken im dichten Qualm, der ganze Regionen bedeckt.

Die Schweizer Entwicklungsorganisation Bruno Manser Fonds und die Bauerngewerkschaft Uniterre kritisieren das geplante Freihandelsabkommen. Auch die Schweizer Politiker sind sich der Probleme bewusst: Beim aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen der Schweiz, Indonesien und Malaysia sei Palmöl der sensibelste Verhandlungspunkt, antwortet der Bundesrat auf die Anfrage von Mitgliedern des Schweizer Bundesparlaments.

Doch Verantwortung übernehmen will der Bundesrat offenbar nicht. Er setzt auf Ausreden und Industrielabel: „Mit der Umsetzung des Aktionsplans Grüne Wirtschaft soll im Rahmen von freiwilligen Zielvereinbarungen die Nachfrage nach Palmöl gesteigert werden, das gemäß den Kriterien des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO) angebaut wird", schreibt der Bundesrat.

Bitte erteilen sie dem Freihandelsabkommen, Etikettenschwindel und der Verbrauchertäuschung eine Absage.

Hinter­gründe

Schon jetzt sprießen Ölpalmen in Indonesien auf 14 Millionen Hektar und in Malaysia auf 5 Mio. Hektar. Bis 2025 soll sich laut dem indonesischen Landwirtschaftsministerium die Fläche auf 26 Mio. Hektar verdoppeln. 55 Millionen Tonnen Palmöl produzieren beide Länder derzeit pro Jahr. Der Wert der Palmölexporte Indonesiens liegt bei umgerechnet etwa 16 Milliarden Euro, Malaysia kommt auf ca. 13 Milliarden Euro.

Die Palmöl-Importe der Schweiz haben sich zwischen 1998 und 2008 verdreifacht und erreichen inzwischen über 60.000 Tonnen, gibt der Schweizerische Getreideproduzentenverband an. Der Palmölkonsum einiger Schweizer Unternehmen ist noch wesentlich höher. Allein der Nestle-Konzern verbraucht 445.000 Tonnen Palmöl pro Jahr.

Das Palmöllabel Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) wurde von Firmen wie dem Unilever-Konzern und der Schweizer Umweltorganisation WWF entwickelt. Seit Gründung des RSPO-Labels haben die Regenwaldrodung für Ölpalmplantagen und Landkonflikte mit der lokalen Bevölkerung weiter zugenommen. Wälder von angeblich schlechter Qualität dürfen beispielsweise mit dem Segen des Siegels abgeholzt und in Ölpalmmonokulturen umgewandelt werden. Nur sogenannte Gebiete mit hohem Schutzwert (High Conservation Value Areas - HCVA) sind geschützt. 256 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt lehnen RSPO als Etikettenschwindel und Greenwashingh ab.

Unilever ist mit einem Jahresverbrauch von 1,5 Millionen Tonnen der weltweit größte Verbraucher des tropischen Pflanzenöls. Der WWF finanziert sich neben privaten Spenden und öffentlichen Geldern aus Unternehmenskooperationen. Die Organisation hat eine ganze Reihe von Industriesiegeln geschaffen, darunter für Gensoja (Roundtable for Resposbale Soy), Genbaumwolle (Better Cotton Initiative), Fischfang (Marine Stewardship Council) und Aquakulturen (Aquaculture Stewardship Council). Die Label bieten den Firmen ein Schutzschild, mit dem sie ihren schädlichen Aktivitäten einen grünen Anstrich verpassen und die Kritik von Umweltorganisationen abwehren.

Weitere Informationen:

ZDF-Beitrag, mit Einschätzung von "Rettet den Regenwald": Überall ist Palmöl

Schweizer Parlament, 19.6.2015: Interpellation: Palmöl. Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien

Tagesanzeiger, 5.9.2015: Bundesrat setzt auf umstrittenes Öko-Gütesiegel für Palmöl

Tierwelt, 12.7.2015: Palmöl droht Rapsöl zu verdrängen

AllianceSud, 19.8.2014: Ist das die Kohärenz der Schweizer Aussenpolitik?

An­schreiben

An: Schweizer Bundesrat und Parlament

Sehr geehrte Damen und Herren Politiker,

bitte beenden Sie die Verhandlungen mit Indonesien und Malaysia über ein Freihandelsabkommen.

Die in den Ländern hergestellten Produkte sind vielfach mit gravierender Umweltzerstörung und schweren Menschenrechtsverletzungen verbunden. Besonders die Palmölindustrie zerstört die Regenwälder zur Anlage immer neuer Plantagen. Auch die Menschen werden dafür von ihrem Land vertrieben und ihrer Lebensgrundlagen beraubt.

Die von Ihnen gegenüber dem Schweizer Parlament am 28. Aug. 2015 angegebenen Maßnahmen wie die Umsetzung des Aktionsplans Grüne Wirtschaft, freiwillige Zielvereinbarungen und die Steigerung der Nachfrage nach Palmöl, das gemäß den Kriterien des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO) angebaut wird, können die gravierenden Probleme nicht verhindern oder beheben.

Das Palmöllabel RSPO ist ein Etikettenschwindel. Seit seiner Gründung im Jahr 2004 haben sich die durch die Palmölindustrie verursachten Probleme dramatisch verschärft und die Regenwaldrodung hat weiter zugenommen.

Mit freundlichem Gruß

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.
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