Wie viele Menschen müssen noch sterben für das Siemens-Kraftwerk?

Die Umweltaktivistin Berta Cáceres sitzt auf einem Stein am Fluss und blickt über ihre Schulter in die Kamera
155.146 Teilnehmer

Ende der Aktion: 16.09.2016

Gemeinsam mit einem breiten NGO-Bündnis und insgesamt 200.000 Unterschriften protestierte Rettet den Regenwald vor der Siemens-Konzernzentrale in München. Voith hat bereits alle Lieferungen für das Projekt Agua Zarca gestoppt.

Berta Cáceres und Nelson García wurden im März ermordet. Die beiden Umweltschützer führten den Widerstand gegen den Bau des Agua Zarca-Staudamms in Honduras an. Das Wasserkraftwerk bedroht Natur und Einwohner. Jetzt soll sich Siemens aus dem Projekt zurückziehen

Appell

An: Geschäftsführer der Siemens AG und der Voith GmbH

„Siemens-Voith müssen sich aus tödlichem Staudammprojekt in Honduras zurückziehen“

Ganzes Anschreiben lesen

Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt sind über die Morde an Berta Cáceres und Nelson Garcia in Honduras schockiert.

Die Geldgeber des Staudammprojekts Agua Zarca haben inzwischen auf die tödliche Gewalt in dem mittelamerikanischen Land reagiert. Die Entwicklungsbanken FMO aus den Niederlanden und FinnFund aus Finnland haben angekündigt, sämtliche Aktivitäten in Honduras ab sofort zu stoppen und alle laufenden Zahlungen zu stornieren.

Jetzt müssen sich auch die deutschen Konzerne Siemens und Voith unverzüglich aus Honduras zurückziehen, fordern 22 Organisationen. Die Firmen liefern die Ausrüstung für die Stromerzeugung des Wasserkraftwerkes.

Bereits 2013 war einer der global größten Staudammbauer, der chinesische Staatskonzern Sinohydro, wegen des Landkonflikts mit den Einwohnern aus dem Vorhaben ausgestiegen.

Am 2. März wurde Berta Cáceres in ihrem Haus von unbekannten Personen erschossen. Seit Jahren wurde die Leiterin der Indigenenorganisation COPINH in Honduras bedroht. 2015 erhielt die weltweit bekannte Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin wegen ihres Kampfes gegen das Staudammprojekt Agua Zarca den Goldman Umweltpreis.

Ihre Tochter Bertha Zúniga Cáceres bringt die Baufirma DESA mit dem Mord in Verbindung. Auch der honduranischen Regierung warf sie eine Mitschuld am Tod ihrer Mutter vor, weil sie zahlreiche Konzessionen für Wasserkraft- und Bergbauprojekte auf dem Land der indigenen Einwohner vergeben habe (Fernsehinterview auf Englisch und Spanisch).

Am 15. März wurde auch der COPINH-Aktivist Nelson García in seinem Haus ermordet. Er hatte indigene Einwohner unterstützt, die durch eine gewaltsame Massenräumung der honduranischen Sicherheitskräfte vertrieben wurden.

Bitte unterstützen Sie das Schreiben an Siemens und Voith.

Hinter­gründe

Weitere Morde im Zusammenhang mit dem Agua Zarca-Staudamm

„Sie verfolgen mich, sie drohen mich umzubringen oder zu entführen, sie bedrohen meine Familie. Dieser Situation stehen wir ständig gegenüber“, erklärte Berta Cáceres vor ihrem Tod. Fingierte Strafanzeigen wurden gegen sie gestellt, zwei ihrer Kinder mussten aus Sicherheitsgründen Honduras verlassen. Seit 2013 wurden drei ihrer Kollegen ermordet, die zusammen mit ihr gegen den Bau des Agua Zarca-Projekts friedlich kämpften.

Der Staudamm im Gualcarque-Fluss bedroht das Überleben Hunderter indigener Menschen vom Volk der Lenca. Der von Berta Cáceres mitbegründete Zivile Rat der Indigenen- und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) tritt für die Rechte der Lenca ein.

Auch das Leben des einzigen Zeugen an dem Mord an Berta Cáceres ist bedroht. Der mexikanische Umweltschützer Gustavo Castro, der zu Besuch bei Cáceres war, wurde bei dem Angriff von zwei Kugeln getroffen. Er überlebte schwer verletzt, weil ihn die Mörder anscheinend für tot hielten. Inzwischen musste er in der mexikanischen Botschaft in Tegucigalpa Zuflucht suchen, weil die honduranischen Behörden ihn von der Rückkehr in seine Heimat abhalten, ihn nicht schützen können und offenbar sogar versucht haben, ihm den Mord an Berta Cáceres in die Schuhe zu schieben.

Honduras weltweit gefährlichstes Land für Umweltschützer

Honduras ist nach Angaben der britischen Organisation Global Witness für Umweltschützer das gefährlichste Land der Welt. Menschen, die das Recht auf ihr Land oder die Umwelt verteidigen, werden in Honduras systematisch verfolgt und ihre Leben sind höchst bedroht. Zwischen 2002 und 2014 wurden in Honduras 111 Aktivisten getötet, darunter allein 12 im Jahr 2014. Dies ist die höchste Rate bezogen auf die Einwohnerzahl in jedem von uns untersuchten Land, schreibt Global Witness in der Studie How many more? 2014’s deadly environment: the killing and intimidation of environmental and land activists, with a spotlight on Honduras.

Die Mörder werden praktisch nie ernsthaft verfolgt und ermittelt, es herrscht de facto eine vom Staat betriebene Straffreiheit. Die Hauptkonflikte in Honduras bestehen in Landrechten, Bergbauvorhaben und Staudammprojekten. Etwa ein Drittel der Fläche des Landes ist in Bergbaukonzessionen aufgeteilt, zu deren Energieversorgung Hunderte Wasserkraftprojekte geplant sind.

Schreiben und Forderungen von Umweltorganisationen

Am 14.3.2016 haben mehrere niederländische Organisationen in einem gemeinsamen Schreiben die Entwicklungsbank FMO ihres Landes dazu aufgefordert, die Finanzierung des Agua Zarca-Staudamms zu beenden. Zwei Tage später, nach der Ermordung von Nelson Garcia, erklärte die FMO auf ihrer Webseite alle ihre Aktivitäten in Honduras sofort zu beenden.

Die Firma Voith hat sich In einer Pressemitteilung vom 11. März 2016 bereits zu dem Mord geäußert und angekün­digt, die Situation vor Ort und ihre Auswirkungen auf den Vertrag mit DESA zu über­prüfen.

22 deutsche Organisationen, darunter Rettet den Regenwald e.V., haben am 18.3.2016 in einem gemeinsamen Schreiben an Siemens Voith den unverzüglichen Rückzug aus dem Wasserkraftprojekt Agua Zarca in Honduras gefordert.

Mehr Informationen:

Informationen auf Englisch

An­schreiben

An: Geschäftsführer der Siemens AG und der Voith GmbH

Sehr geehrter Herr Kaeser,
sehr geehrter Herr Dr. Lienhard,
sehr geehrter Herr Wehnhardt,

die europäischen Geldgeber des Wasserkraftprojekts Agua Zarca haben nach der Welle der Gewalt in Honduras nun endlich Konsequenzen gezogen. Als Reaktion auf die Morde an Berta Cáceres und Nelson García haben die Entwicklungsbanken FMO aus den Niederlanden und FinnFund aus Finnland angekündigt, sämtliche Aktivitäten in Honduras ab sofort zu stoppen und alle laufenden Zahlungen, auch die für Agua Zarca, zu stornieren.

Wir fordern Siemens und Voith auf das geschäftliche Engagement in Agua Zarca zu beenden. Kündigen Sie sämtliche Verträge mit der honduranischen Firma Desarrollo Energético S.A. (DESA).

Ein Rückzug von Siemens und Voith aus dem Agua Zarca-Projekt wäre ein deutliches Signal, dass die Firmen internationale Kon­ven­tionen – wie die ILO 169 – zum Schutz von Menschen und Umwelt ernst nehmen. Mit einem Verbleib im Projekt und der Auslieferung der Turbinen würden sie dagegen der Welt zeigen, dass Ihnen Profite wichtiger sind als Menschenleben.

Mit freundlichem Gruß

Ausführliches gemeinsames Schreiben von 22 Nichtregierungsorganisationen: http://www.gegenstroemung.org/web/wp-content/uploads/2016/03/20160318_Offener_Brief_an_Voith_und_Siemens_NRO.pdf

News und Updates

News | 05.05.2016

Mord an Berta Cáceres: Firmenmitarbeiter soll die Killer beauftragt haben

Sergio Rodríguez, Abteilungsleiter für Umwelt und Soziales der Firma Desarrollos Energéticos S. A. (DESA), die das geplante Wasserkraftwerk Agua Zarca in Honduras baut und betreibt, wird von der ermittelnden Staatsanwaltschaft beschuldigt, den Mord an der indigenen Umweltschützerin Berta Cáceres in Auftrag gegeben haben.

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News | 28.04.2016

Unterschriften­sammlung und Mahnwache für Berta Cáceres

Die Umweltaktivistin Berta Cáceres führte den Widerstand gegen den Bau eines Staudamms in Honduras an. Dafür musste sie sterben. Nun sind Vertreter der Indigenen-Organisation COPINH nach Deutschland gekommen und fordern von Siemens, sich aus dem tödlichen Projekt zurückzuziehen. Am 04. Mai findet eine Mahnwache in München statt.

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