Extrem seltenen Orang-Utans droht der Untergang

Tapanuli-Orang-Utan Uralt, neu entdeckt, bald ausgestorben: der Tapanuli-Orang-Utan (© Andrew Walmsley/Nature Picture Library)

Der Tapanuli-Orang-Utan ist eine Sensation. Erst 2017 als eigene Art bestimmt, droht ihm kurz nach der Entdeckung schon der Tod. Nur 800 Tiere leben noch, versteckt in den Wäldern Sumatras. Sie sind akut vom Aussterben bedroht, denn ein Staudamm wird ihr Habitat zerstören. Wir müssen alles tun, den Tapanuli-Orang-Utan zu schützen!

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An: Präsident von China Mr. Xi Jinping, Präsident von Indonesien Mr. Joko Widodo, CEOs von Sinohydro, CEOs der staatlichen Elektrizitätswerke PLN

„Kein Staudamm in Batang Toru! Schutz der seltenen Tapanuli-Orang-Utans geht vor.“

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Lange, lockige Haare – schon äußerlich unterscheiden sich die Orang-Utans in den Wäldern Tapanulis von ihren Verwandten auf Sumatra und Borneo. Und wenn die Männchen rufen, meint man eine fremde Sprache zu hören.

Doch erst vor wenigen Monaten, im November 2017, fanden Wissenschaftler, dass der Orang-Utan in Tapanuli eine eigene Art und nicht ewa eine Unterart des Sumatra-Otrang-Utans ist. Sie gaben ihm den Namen Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis). Genom-Analysen haben ergeben, dass sich der Tapanuli-Orang-Utan vor 670.000 Jahren von der Linie der Borneo-Orang-Utans abgespalten hat. Pongo tapanuliensis ist die seltenste Orang-Utan-Art. 

Die Entdeckung zeigt uns, wie wenig wir über unsere nächsten Verwandten wissen, und wie lückenhaft unser Wissen über die Artenvielfalt ist. Die Menschen zerstören schneller als sie sehen und beschreiben. So wird es auch dem Tapanuli-Orang-Utan ergehen, wenn in seinem Rückzugsgebiet ein Staudamm für ein Megakraftwerk gebaut wird.

In den Wäldern südlich des Toba-Sees leben die letzten ihrer Art, 800 Individuen. Im Batang-Toru-Wald will die staatliche chinesische Sinohydro einen Staudamm für ein 510-MW-Kraftwerk bauen. Die wissenschaftliche Welt erstarrt vor Schreck: das Habitat der seltenen Tapanuli-Orang-Utans wird zerstört, ein Teil davon überflutet und das Ende der seltensten Primaten eingeläutet.

Ein Teil des Batang-Toru-Waldes steht unter Schutz, andere ökologisch wertvolle Bereiche jedoch nicht. Gerade hier ist die Orang-Utan-Dichte besonders hoch. Der Staudamm würde die einzelnen Orang-Utan-Populationen auch voneinander isolieren.

Der Staudamm ist der pure Wahnsinn und muss sofort gestoppt werden!



Hinter­gründe

Der Tapanuli-Orang-Utan

Es gibt eine dritte Orang-Utan-Art, und niemand hat es bemerkt, schrieb der New Scientist im November 2017.

Bekannt war schon lange, dass in den Wäldern südwestlich des Toba-Sees Orang-Utans leben. Man hielt sie für ein Unterart des Sumatra-Orang-Utans. Doch Untersuchungen des Genoms, der Morphologie und des Verhaltens haben ergeben: dieser Orang-Utan ist mit dem Borneo-Orang-Utan näher verwandt als mit den Sumatra-Orang-Utans, die nur ein paar hundert Kilometer entfernt leben.

In der Fachzeitschrift Current Biology kommen die Wissenschaftler aufgrund ihrer Analysen zu der Schlussfolgerung, dass der Tapanuli-Orang-Utan viel enger mit dem Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmeus) verwandt ist als mit dem Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii). Die Borneo- und Sumatra-Orang-Utan-Linien trennten sich vor 3,4 Millionen Jahren. Erst vor 670.000 Jahren spaltete sich der Tapanuli-Orang-Utan von der Borneo-Linie ab. Zu der Zeit waren Sumatra und Borneo miteinander verbunden und, wegen des niedrigen Meeresspiegels, nicht voneinander getrennt.

Der Batang-Toru-Wald

Südwestlich des Toba-Sees im Norden Sumatras liegt das Batang-Toru-Ökosystem, ein wichtiges zerklüftetes Wassereinzugsgebiet mit unterschiedlichen Regenwaldarten und von hoher Artenvielfalt. Vom Wasser des Ökosystems sind nicht nur die anliegenden Ortschaften und Felder abhängig. Die Wälder sind auch Schutz gegen Erosion und Überschwemmungen. Nicht zuletzt speichern sie Kohlenstoff und sind daher im großteils abgeholzten Sumatra für das globale und lokale Klima von hoher Bedeutung.

Teile stehen unter Schutz, doch gerade die biologisch vielfältigsten Gebiete nicht. Eine Goldmine im Süden, der ein Berg fast ganz zum Opfer gefallen ist, Wilderei und illegaler Holzeinschlag, vor allem durch Zuwanderer, bedrohen die Biodiversität. Allein in den Jahren 2001 bis 2010 wurden 35 km² Wald vernichtet, zumeist Schutzwald. Straßen durchschneiden auch sensible Areale, und bis in die Randgebiete reichen die Ölpalm- und Kautschukplantagen.

In den höher gelegenen Regionen leben, neben den Orang-Utans, auch andere bedrohte Arten wie der Sumatra-Tiger und das Pangolin. Laut Wildtierstudien der letzten Jahre ist das Batang-Toru-Ökosystem Heimat für fast 100 Säugetierarten, von denen 18 auf der IUCN-Liste der gefährdeten Arten stehen.

Der Batang-Toru-Staudamm

Der Batang-Toru-Staudamm ist Teil des 510-MW-Kraftwerksprojektes, das von der Firma PT North Sumatra Hydro Energy (PNSHE) ausgeführt, von der Beijing Engineering Corporation und Sinohydro Bureau 10 Co. Ltd. gebaut und von Goldman Sachs finanziert wird. 559 Hektar von geplanten 645 Hektar hat PNSHE bereits erworben.

Der Staudamm ist im Gebiet mit der höchsten Orang-Utan-Dichte geplant. Mit den Zugangsstraßen und den Trassen für die Überlandleitungen wird zudem das gesamte Gebiet fragmentiert und die einzelnen Orang-Utan-Populationen voneinander isoliert. Laut PanEco wird mit dem Bau des Wasserkraftwerks in Batang Toru der jüngst entdeckte Tapanuli-Orang-Utan ausgelöscht werden.

Das Projekt ist Teil der chinesischen BRI (Belt and Road Intiative) bzw. OBOR-Initiative (One Belt One Road), auf Deutsch die „Neue Seidenstraße“ genannt.

Die Neue Seidenstraße

Mit dem ehrgeizigen Projekt der „Neuen Seidenstraße“ („Belt and Road Initiative“ BRI oder „One Belt One Road“ OBOR) will China seine Wirtschaftsbeziehungen mit Schwellenländern ausbauen und Asien mit Afrika und Europa auf dem Landweg (Belt) und dem Seeweg (Road) näher verbinden. Dazu gehören der Ausbau der Transportwege, zahlreiche Infrastrukturprojekte und die Erschließung der Märkte Zentral- und Südostasiens, Afrikas und Europas. Noch ist die Neue Seidenstraße offensichtlich eher ein Sammelsurium von Großprojekten und kein kohärenter Plan. Als Finanzierungsinstrumente dienen die Asian Infrastruktur Investment Bank AIIB und der Silk Road Fund. Die Asian Development Bank, an der Deutschland beteiligt ist, hat ihr Interesse bekundet, ebenso wie die Deutsche Bank und andere internationale Banken.

Die Neue Seidenstraße wird das Weltwirtschaftsgefüge verändern. Sie bedeutet gleichzeitig auch enormen Druck auf Klima und Umwelt. Die Rolle Chinas und seiner Nachbarn in Asien ist entscheidend für den Erhalt oder den Verlust der Biodiversität, für das globale Klima und für die Rolle von Indigenen und Subsistenzbauern.

Der Batang-Toru-Staudamm zeigt schon im Vorfeld, wie gravierend die Auswirkungen der Neuen Seidenstraße werden können.

Es besteht auch die Gefahr, dass die Zielländer in unerwünschte Abhängigkeit geraten, wie das Beispiel Sri Lanka zeigt, das den Kredit für ein BRI-Infrastrukturprojekt nicht bedienen kann. Auch Indonesiens wirtschaftliche Souveränität könnte durch den Batang-Toru-Staudamm leiden.

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An: Präsident von China Mr. Xi Jinping, Präsident von Indonesien Mr. Joko Widodo, CEOs von Sinohydro, CEOs der staatlichen Elektrizitätswerke PLN

Sehr geehrter Herr Präsident Xi Jinping, sehr geehrter Herr Präsident Joko Widodo, sehr geehrte Damen und Herren,

In den Wäldern von Batang Toru lebt der seltene, erst 2017 als eigene Art identifizierte Tapanuli-Orang-Utan. Die wissenschaftlichen Analysen des Genoms, der Morphologie und des Verhaltens sind eine Sensation: Mit dem Tapanuli-Orang-Utan sind in Indonesien drei Orang-Utan-Arten beheimatet. Alle drei sind höchst gefährdet, doch besonders bedroht ist das Überleben der neuentdeckten Art. Bergbau, Holzeinschlag, Wilderei und Plantagenwirtschaft dezimieren bereits die biologisch reichen und vielfältigen Wäldern von Batang Toru. Wissenschaftler mahnen uns, das Habitat der Tapanuli-Orang-Utans sofort und konsequent zu schützen.

Genau in diesem ökologisch bedeutsamen Gebiet plant Sinohydro einen Staudamm für ein 510-MW-Kraftwerk. Der Damm wird den Lebensraum der Tapanuli-Orang-Utans durchschneiden, die einzelnen Populationen isolieren und das Gebiet zum Teil überfluten.

Wir appellieren an Sie, alles in Ihrer Macht stehende für den Schutz des Tapanuli-Orang-Utans zu unternehmen. Machen Sie sich nicht schuldig am Auslöschen unsere nächsten Verwandten! Opfern Sie die Grundlagen des Lebens nicht kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen!

Die Planung solcher Großprojekte wie die des Batang-Toru-Staudamms muss unbedingt und bedingungslos ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen.

Kein Staudamm im Orang-Utan-Habitat in Tapanuli!

Mit freundlichen Grüßen,

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