Kein Primaten-Blut für Öl

Bonobo Bonobos sind wie Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans Menschenaffen (© Guenter Guni/iStock)

Menschenaffen sind bedroht, weil wir Menschen nach Erdöl gierig sind. Auf diese Formel lässt sich das Schicksal von Bonobos und Gorillas zusammenfassen. Weil es in den Nationalparks Virunga und Salonga Erdöl gibt, will die Regierung die Reservate verkleinern. Bodenschätze ausbeuten statt Primaten schützen – das müssen wir verhindern.

Appell

An: den Präsident der Demokratischen Republik Kongo Joseph Kabila und Premierminister Bruno Tshibala Nzenze

„Die Nationalparks Salonga und Virunga spielen eine entscheidende Rolle für das Überleben von Bonobos und Gorillas. Sie dürfen nicht angetastet werden.“

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Der Virunga Nationalpark gehört zu den berühmtesten Schutzgebieten weltweit. Einige der letzten Berggorillas leben dort, streng bewacht von Rangern, die zum Schutz der Tiere ihr Leben riskieren. Der Salonga Nationalpark ist ein zentraler Lebensraum für Bonobos. 40 Prozent der Weltpopulation dieser Menschenaffen leben dort.

Kein Wunder, dass die UNESCO die Nationalparks im Jahr 1979 und 1984 zum Welterbe erklärt hat.

Jetzt will die Regierung von Präsident Kabila Teilen der Gebiete den Status als Nationalpark entziehen, weil der die wirtschaftliche Ausbeutung und damit Rodungen blockiert. Das Land habe das Recht, die Bodenschätze überall abzubauen – auch in Schutzgebieten. Wird der Plan umgesetzt, wäre selbst der höchste Schutzstatus nichts wert.

Im Zentrum der Debatte steht die Ausbeutung von Erdöl. Insgesamt sollen nahezu 4.500 Quadratkilometer für die Exploration freigegeben werden, Bloomberg zufolge sogar 16.700 Quadratkilometer. Die ökologischen Gefahren sind alarmierend. Für die Suche und Gewinnung von Erdöl:

- wird der Lebensraum von Bonobos, Gorillas und zahlreichen anderen Arten zerstört.

- wird für den Schutz des Klimas wichtiger Wald vernichtet.

- wird der Lebensraum von Zugvögeln gefährdet.

- droht die Verschmutzung der Flusssysteme Kongo und Nil.

19 Umweltschutzorganisationen aus der Provinz Nord-Kivu haben in einem Brandbrief vor den Folgen einer Verkleinerung der Nationalparks gewarnt. Jetzt wollen sie die Bevölkerung der Region mobilisieren, um Druck auf die Regierung in Kinshasa aufzubauen. 100.000 Unterschriften wollen sie mit einer nationalen Petition sammeln.

Die kongolesischen Umweltschützer bitten uns, parallel dazu in einer weltweiten Kampagne zum Schutz von Virunga und Salonga aufzurufen.

Wir bitten Sie daher um Ihre Unterschrift. Bonobos und Gorillas brauchen Ihre Stimme.

Hinter­gründe

Bonobos - wenig bekannte Menschenaffen

Alle vier Menschenaffenarten sind bedroht: In Südostasien stehen die Orang-Utans vor der Ausrottung, in Afrika kämpfen Schimpansen, Gorillas und Bonobos ums Überleben. In vielen Regionen haben die Menschenaffen außerhalb von ausgedehnten Schutzgebieten kaum eine Chance.

Bonobos sind die am wenigsten bekannte Menschenaffenart. Die rund 15.000 Tiere leben ausschließlich südlich des Kongo in der Demokratischen Republik Kongo. Ihr Habitat überschneidet sich somit nicht mit dem der Schimpansen, die nur nördlich des mächtigen Flusses daheim sind.

Eine Verhaltensweise der Bonobos wird gerne hervorgehoben: Konflikte lösen die Tiere mit freizügigem Sex. Treffen zwei fremde Bonobogruppen aufeinander, so gehen zuweilen Weibchen aufeinander zu und reiben in Missionarsstellung ihre Genitalien aneinander. Männchen spielen mit den Jungtieren der anderen Sippe. Angeführt werden Bonobofamilien von Weibchen. Bonobos verhalten sich damit völlig anders als Schimpansen, wo Alphamännchen das Sagen haben, sexualisierte Gewalt verbreitet ist und das Aufeinandertreffen zweier Gruppen im Extremfall tödlich endet. Während die Bonobos mit Friedfertigkeit und Diplomatie erfolgreich sind, setzen Schimpansen auf Aggression.

Schutzgebiete Virunga und Salonga

Der Salonga Nationalpark gilt als eines der größten Regenwald-Schutzgebiete der Welt und bedeckt im Herzen des Kongo-Beckens eine Fläche von 36.000 Quadratkilometern. Das entspricht in etwa der Größe Baden-Württembergs. Der Park ist nur über Flüsse zu erreichen. In ihm leben rund 40 Prozent der weltweiten Bonobo-Population, daneben Waldelefanten, Pangolins, 129 Fischarten und 223 Vogelarten.

Erst 2017 haben Wissenschaftler in der Cuvette Centrale den größten tropischen Torfwald der Erde entdeckt. Da bei der Zerstörung von Torfwald besonders viele Treibhausgase freiwerden, ist der Schutz des Salonga Nationalparks auch für den Schutz des Klimas essentiell.

Der Virunga Nationalpark liegt im Ost-Kongo und ist mit 7.900 Quadratkilometern etwa drei Mal so groß wie das Saarland. An der Grenze zu Ruanda ist ein Viertel aller Berggorillas (Gorilla beringei beringei) zu Hause.

Wegen unterschiedlicher Bedrohungen wie Wilderei und gewalttätige Konflikte stehen beide Nationalparks auf der Liste "World Heritage in Danger": Virunga seit 1994, Salonga seit 1999.

Verkleinerung von Schutzgebieten

Nach den Plänen der kongolesischen Regierung sollen insgesamt 21,5 Prozent des Virunga Nationalparks den Schutzstatus verlieren: 400 Quadratkilometer in der Konzession Block 5 und 1.320 Quadratkilometer in Block 4.

In Salonga sind 2.767 Quadratkilometer betroffen (Block 1 und 2). Bloomberg zufolge soll die Fläche sogar 15.000 Quadratkilometer umfassen, was 40 Prozent des Nationalparks entspricht. Dort wollen die staatliche Ölgesellschaft Sonahydroc und die Compagnie Miniere Congolaise SPRL (COMICO) nach Öl suchen.

Die Verkleinerung von Schutzgebieten ist ein weltweites Problem, das in den USA ebenso existiert wie in Brasilien, Kambodscha oder Tansania. Experten sprechen von „Zurückstufung, Verkleinerung und Auflösung“ (Protected area downgrading, downsizing and degazettement, kurz PADDD). Zu den illegalen Bedrohungen wie Wilderei und Holzeinschlag, kommen quasi-legale Gefahren, die vom Staat genehmigt und befördert werden. Am verbreitetsten ist die Vergabe von Bergbau- und Erdölkonzessionen.

Die undurchsichtige Ölfirma COMICO

Die Organisation Global Witness hat die Firma COMICO, deren Konzession sich mit dem Salonga Nationalpark überschneidet, unter die Lupe genommen. Trotz hartnäckiger Recherchen sei es nicht gelungen, die wahren Teilhaber der Firma zu ermitteln. Auffällig sei, dass rund um die Vergabe der Öllizenz vier Offshore-Firmen eingestiegen sind. Heute ist von 60 Prozent der Anteile der Eigentümer unbekannt. Die Verträge mit COMICO seien nicht, wie vorgeschrieben, innerhalb von 60 Tagen veröffentlicht worden. Das legt den Verdacht von Korruption und illegalen Finanzgeschäften nahe.

Global Witness sieht einen Zusammenhang zwischen dem undurchsichtigen Deal und der anstehenden Präsidentenwahl im Dezember 2018. Präsident Joseph Kabila sei womöglich nicht bereit, das Amt, wie in der Verfassung vorgesehen, nach zwei Wahlperioden aufzugeben und wolle womöglich mit dem Ölgeschäft seine „Kriegskasse“ füllen beziehungsweise sich bereichern.

In einem Dokument vom 17./18. September 2013 legt COMICO dar, wie die Ausbeutung der Ölvorkommen in den Konzessionen und somit im Salonga Nationalpark organisiert werden kann. Die Erkundung soll demnach über Pontons geschehen, über den Kongo und andere Flüsse soll das Öl nach Kinshasa transportiert werden.

Neben COMICO hat auch die Südafrikanische Firma Dig Oil Konzessionen im Kongo, die ein Drittel des Salonga Nationalparks bedecken. Darf COMICO mit der Arbeit beginnen, droht der völlige Ausverkauf des Schutzgebietes an die Erdöl-Industrie.

Internationaler Druck wirkt

Dass internationaler Druck wirkt, zeigt der Fall der britischen Firma SOCO: Die gab 2014 Pläne auf, am Eduardsee im Virunga Nationalpark nach Öl zu suchen, nachdem der öffentliche Widerstand zu groß wurde. Auch Korruptionsvorwürfe dürften eine Rolle gespielt haben.

An­schreiben

An: den Präsident der Demokratischen Republik Kongo Joseph Kabila und Premierminister Bruno Tshibala Nzenze

Sehr geehrter Präsident Joseph Kabila,
sehr geehrter Premierminister Bruno Tshibala Nzenze,

die Demokratische Republik Kongo beherbergt gleich zwei UNESCO-Welterbegebiete, die für das Überleben von Menschenaffen von entscheidender Bedeutung sind: Im Virunga Nationalpark leben einige der bedrohten Berggorillas, im Salonga Nationalpark eine wichtige Population von Bonobos, die es in keinem anderen Land der Erde gibt.

Daher tragen Sie besondere Verantwortung beim Schutz der Menschenaffen.

Trotzdem plant Ihre Regierung, in den UNESCO-Welterbegebieten die Exploration und Gewinnung von Erdöl zu genehmigen, und will dafür die Reservate verkleinern.

Dies würde erhebliche ökologische Schäden verursachen. Werden die Nationalparks Virunga und Salonga für die Erdölsuche freigegeben:

- wird der Lebensraum von Bonobos, Gorillas und zahlreichen anderen Arten zerstört.
- wird für den Schutz des Klimas wichtiger Wald vernichtet.
- wird der Lebensraum von Zugvögeln gefährdet.
- droht die Verschmutzung der großen Flusssysteme Nil und Kongo.

Ihr Land hat sich verpflichtet, die UNESCO-Welterbegebiete zu schützen. Wir bitten Sie, dieser Verpflichtung auch in Zukunft nachzukommen, wie Sie es bisher getan haben. Das Engagement Ihrer Regierung und der Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo für den Naturschutz ist für das Überleben von Gorillas und Bonobos entscheidend.

Bitte lassen Sie die UNESCO-Welterbegebiete unangetastet und verhindern Sie dort die Suche und Gewinnung von Erdöl.

Mit freundlichen Grüßen

Diese Petition ist in folgenden Sprachen verfügbar:

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