ENI's Märchen vom klimaneutralen Ölkonzern

Collage : Eukalyptus-Plantage mit Eni-Logo Plantage statt Natur: So will ENI das Klima retten (© Rettet den Regenwald / Mathias Rittgerott)

Umweltorganisationen protestieren gegen eine dreiste PR-Masche des Ölkonzerns ENI. Der will ab dem Jahr 2030 „klimaneutral“ wachsen. Millionen Bäume in Afrika sollen die mit dem Öl- und Gasgeschäft verbundene Umweltverschmutzung „kompensieren“. Doch solche Holzplantagen verschärfen die von der Ölindustrie verursachten Probleme weiter.

Appell

An: Claudio Descalzi, CEO von ENI

„Statt Baumplantagen in Afrika: Umweltverschmutzung in den Ölfördergebieten beheben, Einwohner entschädigen und keine neuen Öl- und Gasvorkommen erschließen“

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Mit Kompensationsgeschäften – sogenannten Carbon offsets - will ENI ab 2030 jährlich 20 Millionen Tonnen COder Erdatmosphäre entziehen. Bäume sollen den im Rahmen der Aktivitäten des Ölkonzerns freigesetzten Kohlenstoff wieder binden, so die vermeintliche Logik.

Die Emissionen aus dem Kraftstoff, den ENI an seinen über 5.000 AGIP-Tankstellen in Europa verkauft, sind darin nicht enthalten.

Aus ökologischer und sozialer Sicht sind die vom ENI-Chef angekündigten "Investitionen in große Forstwirtschaftsprojekte" schlecht. Es handelt sich in der Regel um Monokulturen mit Bäumen, also industrielle Holzplantagen. Diese sind KEINE Wälder, sondern ökologische Wüsten, die Pflanzen und Tieren keinen Lebensraum bieten.

Auf 8,1 Millionen Hektar will ENI seine Forstaktivitäten in Afrika ausbreiten, eine Fläche doppelt so groß wie die Niederlande. Freie Landflächen gibt es in den Zielländern Ghana, Mosambik, Simbabwe und Südafrika nicht. Die großangelegte Aneignung von Land durch Firmen wie ENI ist letztendlich Landraub - die Einwohner werden verdrängt oder vertrieben.

In einem offenen Schreiben an den Konzern kritisieren über 100 Umwelt- und Entwicklungsorganistionen dies als gefährliche Taktik, die die von der Öl- und Gasindustrie verursachten Probleme weiter verschärft. Sie fordern sofortige reale Emissionssenkungen. Fossile Brennstoffe müssten im Boden bleiben.

ENI plant das Gegenteil und investiert Milliarden Euro in die Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen, darunter in Mosambik. Selbst das Abfackeln von Gas unter freiem Himmel (Gas flaring) gehört bei ENI weiterhin zur Tagesordnung.

In Nigeria, wo ENI und andere europäische Ölkonzerne wie Shell und Total seit Jahrzehnten Erdöl fördern, ist die Natur großflächig zerstört und verseucht. Wohlstand hat die Ölindustrie den Einwohnern nicht gebracht.

Hinter­gründe

In einer umgerüsteten Ölraffinerie im Hafen von Maghera bei Venedig produziert ENI hydrierten Biosprit aus Palmöl. Dieser wird dem fossilen Dieselkraftstoff beigemischt, den ENI an seinen AGIP-Tankstellen verkauft.

In Südostasien, von wo ENI das Palmöl importiert, werden die Regenwälder und Torfgebiete für die Anlage der Ölpalmplantagen abgeholzt. Die Artenvielfalt der Regenwälder wird dadurch vernichtet, die indigenen Einwohner von ihrem angestammten Land vertrieben und ungeheure Mengen an in der Vegetation und den Böden gebundenen Kohlenstoffs freigesetzt.

Von der EU in Auftrag gegebenen wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Biodiesel aus Palmöl dreimal so viele klimaschädliche Emissionen wie Diesel aus Erdöl verursacht. Auch Biodiesel aus Soja hat eine negative Klimabilanz.

Hier können Sie unsere Petition gegen Palmölbiodiesel von ENI unterstützen:

https://www.regenwald.org/petitionen/1041/keinen-regenwald-in-den-tank

Weitere Informationen:

Video der Rede von Claudio Descalzi, CEO von ENI

und Präsentation der ENI-Strategie 2019 - 2022

Presseartikel

An­schreiben

An: Claudio Descalzi, CEO von ENI

Sehr geehrter Herr Descalzi,

mit völligem Unverständnis haben wir aus Ihrer ENI Strategiepräsentation 2019-2022 entnommen, dass Sie nicht nur die Ausweitung der Erdöl- und Erdgasförderung, sondern auch „Investitionen in große Forstwirtschaftsprojekte“ planen.

Es ist nicht möglich, dass Millionen in Afrika gepflanzte Bäume die durch die Öl und Gasförderung verursachte Umweltverschmutzung wie beispielsweise im Nigerdelta in Nigeria kompensieren.

Zudem sind industrielle Baumplantagen KEINE Wälder und erfüllen auch nicht die vielfältigen ökologischen, klimatischen und sozialen Funktionen von Wäldern. Vielmehr verschärfen solche Industrieforste die bestehenden Probleme und führen aufgrund des enormen angekündigten Flächenbedarfs von 8,1 Mio. Hektar zur Vertreibung der dort ansässigen Einwohner (landgrabbing).

Auch das verkündete klimaneutrale Wachstum von ENI ab dem Jahr 2030 ist reine Zukunftsmusik und unrealistisch. Es bezieht sich zudem nur auf die Förder- und Produktionsanlagen des Konzerns (upstream net zero emissions). Die Emissionen, die entstehen, wenn der von ENI verkaufte Brenn- und Kraftstoff von den Kunden verbrannt wird, sind darin ebensowenig enthalten.

Wir sehen Ihre Ankündigungen als reine PR-Masche an, um dem angekündigten Wachstum bei der Öl- und Gasförderung ein grünes Deckmäntelchen zu verleihen. Die einzige wirksame Maßnahme, die Umwelt und das Klima der Erde zu schützen, ist es die fossilen Energieträger in der Erde zu lassen.

Wir fordern Sie auf, statt neue Öl- und Gasvorkommen zu erschließen und Industrieplantagen in Afrika anzulegen, die von ENI verursachte massive Umweltverschmutzung in den Ölfördergebieten wie beispielsweise im Nigerdelta in Nigeria zu beseitigen und die Einwohner zu entschädigen.

Mit freundlichem Gruß

Diese Petition ist in folgenden Sprachen verfügbar:

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